Pop

Kaiser und Königinnen

Von Sandra Danicke

Bela B. spielt gemeinsam mit Farin Urlaub in der Frankfurter Festhalle

Bela B. spielt gemeinsam mit Farin Urlaub in der Frankfurter Festhalle

02. November 2007 Wer ist eigentlich der Chef vom Kaiser? Die Kaiser Chiefs wissen das auch nicht. Sie haben sich nach einem südafrikanischen Fußballteam benannt, das Kaiser allerdings mit „z“ schreibt. Offenbar wollte die Band keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass sie der neue Boss unter den Brit-Pop-Formationen ist.

Da hat Liam Gallagher von Oasis natürlich Angst bekommen und behauptet, die Kaiser Chiefs seien bloß eine schlechte Version von Blur. „Blur wären ziemlich stolz, hätten sie unsere Songs geschrieben“, protzten darauf die Kaiser Chiefs. Wie dem auch sei: Die Kaiser Chiefs treten am Samstag in der Stadthalle Offenbach auf, wo sich sicherlich auch diverse Blur-Fans einfinden werden.

Besser als Blur? die Kaiser Chiefs

Besser als Blur? die Kaiser Chiefs

Den mondänen Klang royaler Herrschertitel liebt offenbar auch die Damen-Combo Rhythm King and her Friends. Auf ihrem ersten Album waren die Berlinerinnen noch zu dritt abgebildet, jetzt musizieren sie zu zweit. Da stellt sich natürlich die Frage, welche von beiden denn jetzt der König ist. Musikalisch bieten sie kantige Elektrobeats zu schmissigen Synthesizern und charmant unterkühltem Gesang. Mit ihrem neuen Album „The Front Of Luxury“ und Schlagzeug statt Drum Machine kommen Rhythm King and her Friends am 8. November nach Offenbach in den Hafen 2.

Ein ähnlich schweißtreibendes Erlebnis verspricht der Auftritt von Les Rita Mitsouko, die seit Jahren erstmals wieder in Deutschland auftreten. Das schrille Franzosenpärchen stellt am 22. November im Frankfurter Nachtleben sein neues Album „Variéty“ vor, das immer noch so frisch klingt, dass man kaum glauben kann, dass die beiden seit 28 Jahren zusammen Musik machen. Das ist immerhin ein Jahr länger, als New Model Army, die englische Underground-Kultband, die am 6. November in der Darmstädter Centralstation ihren Punk-Indie-Folkrock spielen wird. Auch die Ärzte verfügen über 25 Jahre Bühnenerfahrung, wenngleich Bela B. und Farin Urlaub in letzter Zeit eher an ihren Solokarrieren feilten.

Am 26. November und 3. Dezember kann man den beiden gemeinsam in der Frankfurter Festhalle begegnen, und dort dürfte es allemal lustiger zugehen als in der Offenbacher Stadthalle, wo am selben Abend Grusel-Rocker Marilyn Manson einen sicherlich effektvollen Schock-Auftritt hinlegen wird. In letzter Zeit war der Vorzeige-Absinth-Trinker ja vor allem wegen seiner Hitler- und Leichen-Aquarelle im Gespräch. Ihm sei eine Zeitlang eben nichts mehr eingefallen, worüber er noch singen könnte, erzählte Manson.

Ein Zustand, den sich Bernd Begemann vermutlich gar nicht vorstellen kann. Auf durchschnittlich hundert Konzerten pro Jahr präsentiert der Hamburger Liedermacher Höhepunkte aus 15 Alben. Ein nicht unbeträchtlicher Teil seines Charmes liegt im demonstrativ zur Schau getragenen Understatement, das sich in Songzeilen wie „Wir sind zweimal Zweite Wahl“ oder „Wir sind gut im Bett, aber nirgendwo sonst“ äußert. Zu hören gibt es das am 18. November in dem Frankfurter Club Das Bett.

Text: F.A.Z., 02.11.2007, Nr. 255 / Seite 58
Bildmaterial: F.A.Z. - Michael Kretzer, picture-alliance / dpa, picture-alliance/ dpa

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