Von Eva-Maria Magel
18. Juli 2008 Früher mag man sich als Zuschauer Ende Juni, Anfang Juli vielleicht darauf gefreut oder auch davor geängstigt haben, sechs bis acht bis zehn Wochen ohne Theater auskommen zu müssen. Heute sind die Schließzeiten der öffentlichen Häuser gehörig geschrumpft - kaum endet die letzte Vorstellung vor der Sommerpause, hängen auch schon die Plakate zur Saisoneröffnung.
Damit in der kurzen Zwischenzeit ja keine Entzugserscheinungen aufkommen, schießen dann die Freilichttheater wie Pilze aus dem Boden. Was irgendwie zu deutschen Sommern passt - auch Pilze haben es ja gerne feucht. Insofern hat das Wort Theaterferien etwas fast so Nostalgisches wie hitzefrei, das es ja auch kaum mehr gibt: Das mit der Erderwärmung scheint nicht so ganz hinzukommen, zumindest nicht, was Schulgebäude angeht. Und Freilichttheater. Die ja, wie der Name schon sagt, im Freien stattfinden. Was auch einen Teil des Reizes ausmacht, vor allem, wenn es mal nicht regnet, sondern lau und sommernächtlich ist.
Dann schaut man al fresco den Hauptmann von Köpenick, dieses Jahr in Bad Vilbel und Heppenheim, oder Romeo und Julia (in Bad Hersfeld und bei den Burghofspielen Eltville, die allerdings dieses Jahr im Hof Langwerth in Eltville stattfinden) oder das Musical Jekyll & Hyde (in Hersfeld und Vilbel) oder auch auf die Waschbrettbäuche der Herren von Ladies Night (Vilbel). Ein Anblick, der den Menschenfeind Alkest zu einer seiner miesepetrigen Tiraden verleiten würde, Cäcilia hingegen, die er liebt, würde da vermutlich genauer hinsehen. Zu den vielen alteingesessenen Frischluftbühnen der Region sind in den vergangenen Jahren noch etliche neue gekommen, etwa das Höchster Barock am Main. Auch wenn Wolfgang Deichsels hessische Molière-Fassungen einst in Vilbel das Licht der Welt erblickten, sind sie doch seit vier Jahren am Main ansässig - von 30. Juli an ist Michael Quast dort als Menschenfeind zu sehen.
Wer sich also einigermaßen durch den Fest- und Freilichtspielkalender der Region arbeiten will, hat ordentlich zu tun und findet eine recht vollständige Adressenliste, die den Rhein-Mainer durchaus auch mal zu einem Ausflug über die Region hinaus locken kann, im Internet unter www.hessen-tourismus.de. Viel Zeit bleibt nicht mehr: Am 28. August, zu Goethes Geburtstag (es ist der 259., also kein besonders runder) beginnt schon wieder die Saison im Schauspiel Frankfurt, mit der zweiten Goethe-ffm-Festwoche, die ja nichts für ihren Namen kann. Dafür aber wird in der Regie von Urs Troller Torquato Tasso gespielt - und der ist ja auch gern viel draußen, weswegen die Hälfte des Stücks im Garten spielt, also praktisch Freilufttheater ist. Aber in Ferrara regnet es auch nicht so oft wie in Frankfurt.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Maik Reuß