„Nippon Connection“

Tee und großes Kino

Von Christoph Schütte

26. März 2008 Diesmal könnte man sich beinahe schon Sorgen machen. Nicht dass das einst aus einer Studenteninitiative hervorgegangene und nach wie vor ehrenamtlich organisierte Filmfestival „Nippon Connection“ cineastisch nichts Neues zu bieten hätte. Im Gegenteil. Doch in diesem Jahr gehört das schon immer anregende Rahmenprogramm „Nippon Culture“, das dem Publikum die japanische Kultur näherbringen soll, fraglos selbst zu den Höhepunkten des mit einem Gesamtetat von 130.000 Euro noch immer recht bescheiden ausgestatteten Filmfests.

Neben „Nippon“-Klassikern wie der Teezeremonie, einem Manga-Workshop und traditioneller Massage, Papiertheater, altjapanischer Hofmusik und einer im wahrsten Sinne des Wortes fesselnden „Shibari“-Performance kann man bei der achten Ausgabe des Frankfurter Festivals vom 2. bis 6. April auch zwei Filmerzähler live erleben. Ichirô Kataoka und Hirono Yamada gehören zu den auch im Land der aufgehenden Sonne selten gewordenen „Benshi“-Künstlern, die in Japan, gerade wie bei uns der Pianist, seit jeher einen Stummfilm performend und interpretierend begleiten. Mit „A Page Of Madness“ ist am 4. April um 20.15 ein Klassiker des Genres zu sehen, während „Hirono Yamada’s Benshi Heaven“ (6. April um 16 Uhr) für die eher trashige, zeitgenössische Variante dieser Kunst steht.

Deutsches Filmmuseum zeigt „Nippon Retro“

Wenn freilich auch in diesem Jahr wieder mehr als 16.000 Zuschauer den Weg zu den Veranstaltungen von „Nippon Connection“ finden, dürfte das trotz des Rahmenprogramms in erster Linie an der ambitionierten Filmauswahl liegen, die das Festival zur mittlerweile wichtigsten Plattform des japanischen Filmschaffens außerhalb Japans gemacht hat. In drei Programmschienen mit rund 150 Kurzfilmen und Langfilmen, Dramen und Komödien, Dokumentarfilmen und Animationen lässt sich die ganze Vielfalt des aktuellen japanischen Kinos entdecken. Veranstaltungsorte sind das Festivalzentrum im Studierendenhaus auf dem Campus Bockenheim der Frankfurter Goethe-Universität und das Kino „Orfeo’s Erben“, in dem zahlreiche Filme in einer zweiten Vorstellung gezeigt werden.

Derweil zeigt das Deutsche Filmmuseum Frankfurt im Rahmen der wie stets äußerst empfehlenswerten Reihe „Nippon Retro“ und passend zu seiner aktuellen Ausstellung „Anime!“ eine Auswahl unabhängig produzierter und abseits des Mainstreams angesiedelter Animationsfilme, die seit den sechziger Jahren entstanden sind. Bewährt hat sich auch „Nippon Digital“, wo es, nimmt man die vergangenen Festivals zum Maßstab, nicht selten die spannendsten und experimentellsten Arbeiten hierzulande weitgehend unbekannter Regisseure zu entdecken gibt. Dagegen sind in der Reihe „Nippon Cinema“ ausschließlich auf Zelluloid gedrehte Filme zu sehen, von denen vierzehn um den mit 2000 Euro dotierten, zum vierten Mal vom Publikum vergebenen „Nippon Cinema Award“ konkurrieren.

Trend zu politischen Themen

Unter ihnen findet sich Abgedrehtes wie „Dainipponjin“, das Debüt des Starkomikers Hitoshi Matsumoto (4. April um 19.45 Uhr, Wiederholung am 6. April um 20 Uhr im „Orfeo’s Erben“), oder das von John Woo produzierte 3D-Anime „Appleseed: Ex Machina“ von Shinji Aramaki (5. April um 12 Uhr, 6. April um 22.15 im „Orfeo’s Erben“). Auffallend ist in diesem Jahr der Hang junger Regisseure, sich mit politischen Themen und insbesondere der nationalen Vergangenheit auseinanderzusetzen, eine Tendenz, die geeignet erscheint, das Klischee vom traditionell eher unpolitischen japanischen Kino zu korrigieren.

Mit Ying Lis derzeit in Japan heiß diskutiertem Film „Yasukuni“ (6. April um 14.30) sowie dem als Deutschlandpremiere gezeigten „Wings Of Defeat“ von Risa Morimoto (5. April um 14 Uhr) über die Kamikaze-Piloten des Zweiten Weltkriegs gibt es gleich zwei herausragende Dokumentarfilme zu sehen. Und nicht zuletzt wird der einstige Skandalregisseur Koji Wakamatsu mit „United Red Army“ erneut seinen Ruf als einer der großen alten Männer des gesellschaftskritischen japanischen Kinos gerecht (3. April um 19.15 Uhr, Wiederholung am 4. April um 21.30 im „Orfeo’s Erben“). Eröffnet wird „Nippon Connection“ am 2. April um 19.30 mit dem Drama „Asyl – Park and Love Hotel“ von Izuru Kumasaka, das bei der Berlinale als bester Erstlingsfilm ausgezeichnet wurde.

Ein Programmheft liegt aus. Weitere Informationen, das vollständige Programm sowie Kartenvorbestellungen im Internet unter der Adresse www.nipponconnection.de.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

 

Tanken Sie jetzt Heizöl trotz hoher Preise?

Ergebnis
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche