
Das MMK ist eines der bedeutendsten Häuser für moderne Kunst in Deutschland. Wer wird es künftig leiten?
04. Februar 2008 Max Hollein, Direktor von Schirn Kunsthalle, Städel-Museum und Liebieghaus, hat nicht die Absicht, auch noch das Museum für Moderne Kunst (MMK) zu leiten. Ebenso wenig, hat er im Gespräch mit dieser Zeitung geäußert, strebe er an, Generaldirektor der Frankfurter Museen zu werden. Anders als Berlin brauche die Stadt keinen übergeordneten Museums-Chef. Damit erteilte er Spekulationen eine Absage, er habe gute Aussichten auf eine Ausweitung seiner heute schon beträchtlichen Kulturmacht.
Er halte es für unabdingbar, dass das Museum für Moderne Kunst von einer Person geleitet werde, die einen von anderen Häusern unabhängigen Kurs einschlage, sagte Hollein: Konkurrenz ist auch unter Kunstmuseen belebend.“ Zudem sei er davon überzeugt, dass das Städel und das MMK zwei unterschiedliche Aufgaben hätten. Während es im Haus in der Innenstadt um die Vertiefung bestimmter künstlerischer Phänomene gehe, sammle das Städel Einzelstücke, die charakteristisch seien für herausragende Künstler oder Stilrichtungen.
Unmut im MMK über Städel-Sammlung von Fotokunst
Er wolle nicht als derjenige Direktor in die Geschichte des Hauses eingehen, der aufgehört habe, zeitgenössische Kunst zu sammeln, führte Hollein aus. Künftige Museumsbesucher sollten nicht fragen müssen, warum ganze Epochen und Genres im Museum am Sachsenhäuser Mainufer fehlten. Damit spielt Hollein auch auf die Fotokunst an, die aus der Sammlung der DZ Bank alsbald ins Städel überführt werden und damit für Frankfurt sowie die allgemeine Kunstöffentlichkeit erhalten werden soll. Der geplante Städel-Anbau wird unter anderem damit begründet, dass für diese Arbeiten Raum geschaffen werden muss. Auch Teile der Sammlung der Deutschen Bank sollen in dem Erweiterungsbau gezeigt werden. Noch ist unklar, ob die Werke als Schenkungen oder als Leihgaben ins Städel kommen: Darüber wird derzeit verhandelt. Nach dem Abzug von etwa 500 Objekten aus dem Bestand des Museums für Moderne Kunst steht man in Frankfurt Dauerleihgaben besonders skeptisch gegenüber: Der Unternehmer Dieter Bock hatte 2005 die von ihm dem MMK überlassenen Arbeiten zurückgefordert und konnte sich dabei auf geheime Absprachen berufen, die er mit dem ehemaligen Leiter des Hauses, Jean-Christophe Ammann, getroffen hatte.
Im MMK hatte vor allem die beabsichtigte Erweiterung der Städel-Sammlung mittels der ästhetisch hochwertigen Fotokunst aus der DZ Bank für Unmut gesorgt. Hinter vorgehaltener Hand war dort immer wieder die Forderung nach einem kulturpolitischen Konzept zu hören, in dem die Zuständigkeiten der einzelnen Frankfurter Museen präzise zu regeln seien. Es wird gemunkelt, dass Holleins verstärkte Hinwendung zur Gegenwartskunst als einer von mehreren Sammlungsschwerpunkten im Städel mit ein Grund für Udo Kittelmann war, mit wehenden Fahnen das Angebot anzunehmen, in Berlin die mehrere Museen umfassende Nationalgalerie zu leiten. Pikanterweise war nach Informationen dieser Zeitung Hollein dieser Posten zuvor angetragen worden – er hatte abgelehnt. Womöglich speisten sich daraus die Gerüchte, Hollein werde in Frankfurt die Stelle eines Generaldirektors angeboten – gleichsam aus Dankbarkeit dafür, dass er in der Stadt am Main bleibe.
Unterdessen hat die Suche nach einem Nachfolger für Kittelmann begonnen, der im Herbst seine neue Stelle in der Hauptstadt antreten wird. Nach dem Willen von Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) soll eine Entscheidung noch vor der Sommerpause fallen. Eine Findungskommission setzt der Stadtrat nicht ein. Er lasse sich aber, wie er sagt, von internationalen Fachleuten beraten.
Die Szene gründlich aufmischen
Eines allerdings scheint klar: Um ein Gegengewicht zu Schirn und Städel zu schaffen, bedarf es eines starken Charakters, der in der Lage ist, dem Haus binnen kurzer Zeit ein klares Profil zu geben. Einen wie Klaus Biesenbach. Der 1966 im Bergischen Land geborene Chefkurator des Museums of Modern Art in New York hatte die Berliner Kunst-Werke“ zu einer der wichtigsten Adressen für zeitgenössische Kunst gemacht, bevor er 2004 in Manhattan für die eigens für ihn gegründete Abteilung Medienkunst“ verantwortlich wurde. Der 1968 geborene Schweizer Ausstellungsmacher Hans-Ulrich Obrist, derzeit Kodirektor der mitten im Hyde Park gelegenen Londoner Serpentine Gallery, ist ebenfalls ein Mann von Durchsetzungsvermögen und Unbeirrtheit in ästhetischen Dingen. Biesenbach und Obrist sind von jenem Kaliber, das Frankfurt dringend bräuchte.
Sie brächten das Potential mit, die Szene gründlich aufzumischen – ähnlich wie in den Zeiten, als Kasper König Städelschulrektor war und nicht nur im Portikus, sondern auch an vielen anderen Orten in der Stadt für gute Kunst und ebensolche Laune sorgte. Im Gespräch als Kittelmann-Nachfolger sind unter anderen auch die 1961 geborene Karola Grässlin, die seit zwei Jahren die Kunsthalle Baden-Baden leitet, Yilmaz Dziewior, 1964 geboren und seit 2001 Chef des Hamburger Kunstvereins, und Bernhart Schwenk von der Pinakothek der Moderne in München, wo der 1960 geborene, früher am MMK beschäftigte Kunsthistoriker seit 2002 tätig ist.
Unter den Kandidaten sind gewiss auch Städelschulrektor Daniel Birnbaum und Andreas Bee, gegenwärtig stellvertretender MMK-Direktor. Bee verkörpert wie kein anderer die Kontinuität in einem Haus, das von Anfang an Schwierigkeiten hatte, seine Stellung innerhalb der städtischen Kulturlandschaft zu finden. Seine Vermittlungsqualitäten stehen außer Frage.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, F.A.Z. - Helmut Fricke, F.A.Z. - Röth, F.A.Z. - Wonge Bergmann
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