Von Konstanze Crüwell
18. April 2008 Eine bedeutungsvolle Premiere: Das acht Bronzen umfassende bildhauerische Werk von Max Beckmann ist als Ganzes zum ersten Mal in Deutschland derzeit im Kuppelsaal des Frankfurter Städel-Museums zu sehen - und wirft damit ein neues Licht auf den großen Künstler, der mit diesem Haus und zugleich der Städelschule so eng verbunden war.
Dieser wahrhaft sehenswerten Ausstellung gleichsam vorangeschritten ist Die Tänzerin, eine im Jahr 1935 entstandene Bronze. Einst stand sie auf dem Schreibtisch in Mathilde Beckmanns New Yorker Wohnung. Im vorigen Jahr konnte die Skulptur mit Mitteln aus dem Nachlass von Werner Wirthle für das Städel-Museum erworben werden. Dies geschah auf Anregung der Kuratorin Sabine Schulze, die jene Beckmann-Bronzen mit einigen beziehungsreichen Bildern des Künstlers nun in einer anschaulich inszenierten Ausstellung zeigt, mit der sie zugleich Abschied vom Städel nimmt: Am 1. Juni geht sie, wie berichtet, als Direktorin des Museums für Kunst und Gewerbe nach Hamburg.
Wenn man dies alles - den ganzen Krieg, oder auch das ganze Leben nur als eine Szene im Theater der Unendlichkeit auffasst, ist vieles leichter zu ertragen, ist auf einem der aufschlussreichen Wandtexte im Kuppelsaal zu lesen, eine Tagebucheintragung von Max Beckmann vom 12. September 1940: die zutiefst pessimistische Äußerung eines bislang hochgeehrten Künstlers, der aufgrund der Machtergreifung im Jahr 1933 seine Professur an der Städelschule verliert, als Maler entarteter Werke verfemt wird und keinerlei Ausstellungsmöglichkeiten mehr hat.
Zur ersten Station seiner Odyssee, nachdem er mit seiner Frau die längst zur Heimat gewordene Stadt Frankfurt verlassen hat, wird Berlin. Und dort wendet sich Max Beckmann in den Jahren von 1934 bis 1936 vermutlich notgedrungen der Bildhauerei zu, einem für ihn neuen und ungewohnten Medium. ,Mann im Dunkeln' heißt die erste Skulptur, die 1934 wie eine Positionsbestimmung des Künstlers wirken muss! schreibt Sabine Schulze im Katalog: Ein Mann mit übergroßen Ohren, die böse Botschaften empfangen, tastet sich im Schutz der Nacht zögernd ins Ungewisse. Die ebenfalls riesigen Hände hält er schützend seinem Gang voran, erhoben zur Abwehr unbekannter Kräfte. Konzentriert und achtsam, mit geschlossenen Augen lauschend, bewegt er sich auf ungewissem Terrain. Als Metapher der Verunsicherung und Bedrängnis ist die Skulptur zu lesen, aber auch als Eingeständnis einer unpolitischen Haltung des Künstlers.
Ein Jahr später entwirft Max Beckmann die im Spagat angestrengt um Balance ringende Tänzerin, wie ein Gegenmodell zum nationalsozialistischen Menschenbild: Diffus bedrückt wirken alle diese ganz unterschiedlichen Figuren und scheinen auf diese Weise sehr eindringlich die künstlerische und politische Isolation des Künstlers zu spiegeln.
(Bis 21. September, Dienstag, Freitag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Mittwoch und Donnerstag von 10 bis 21 Uhr geöffnet. Katalog 7,50 Euro.)
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Daniel Pilar
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