Jugendprojekt am Theater Landungsbrücken

Erwachsen werden

Von Eva-Maria Magel

25. Juni 2008 Ausgerechnet „Bauchlandung“ heißt das Stück, mit dem das „offste Theater der Stadt“, die Landungsbrücken an der Gutleutstraße, nun ein neues Spielfeld eröffnen: Zum ersten Mal will das freie Theater mit Jugendlichen ein Stück erarbeiten. „Bauchlandung“, das am 10. Oktober uraufgeführt werden soll, stammt von dem Frankfurter Jugendbuchautor Jochen Till, der schon bei den „Landungsbrücken“ gelesen hat. Für „Bauchlandung“ sucht das Theater auf dem Milchsackgelände zwei junge Frauen und zwei junge Männer zwischen 17 und 23 Jahren, die schon ein wenig Bühnenerfahrung, etwa in der Schultheater-Gruppe gesammelt haben und die von August bis Oktober Zeit haben. Ein erstes Casting findet diesen Samstag von 11 Uhr an statt, weitere Termine können vereinbart werden, so Linus König, der künstlerische Leiter und Mitbegründer der Landungsbrücken.

Er versteht die Initiative als eine Art Nachwuchsförderung für junge Talente – und Mittdreißiger seien in den Rollen Jugendlicher nicht glaubhaft: „Jugendtheater kann ja auch ganz furchtbar sein – bei uns wird es dem Spirit des Hauses genügen“, erklärt König. Unumwunden gibt er zu, dass mit der Jugendarbeit auch der Wunsch verbunden ist, ein jüngeres Publikum heranzuziehen: „Theater ist so weit weg von der Realität der 15 bis 18 Jahre alten Leute, dass wir damit schon versuchen, sie zu erreichen. Vielleicht kommen sie dann auch mit 20 oder 30 Jahren wieder“, so König.

Gemeinsame Zeit als Comic-Verkäufer

Kindertheater gibt es jeweils an Weihnachten bei den Landungsbrücken schon seit 2005, der damalige Regisseur der ersten „Ritter Rost“-Inszenierung, Nenad Smigoc, wird nun auch die „Bauchlandung“ inszenieren. Smigoc ist als Schauspieler und Regisseur unter anderem im Stalburg Theater tätig.

König, der mit Jochen Till seit ihrer gemeinsamen Zeit als Comic-Verkäufer befreundet ist, begleitet den seit 1998 freischaffenden Autor als seine „Stimme“ auf Lesereisen. „Hauptsächlich in Haupt- und Realschulen“ sind die beiden mit den Jugendbüchern Tills unterwegs, deren männliche Hauptfiguren meist keine rechte Lust aufs Erwachsenwerden, dafür aber eine Menge handfester Jugendprobleme haben. Ähnlich wird es auch in „Bauchlandung“ sein, das auf einem Roman Tills beruht, der von den Tücken der ersten eigenen Wohnung und anderen ersten Malen erzählt. Till besetze, so König, eine Nische, nämlich diejenige der Jungen-Bücher. Es komme bei den Schul-Lesungen häufig vor, dass gerade die männlichen Jugendlichen, die eher nicht gern läsen, dann Gefallen an der Lektüre fänden. Tills zum Teil etwas derbe Umgangssprache ist nicht bei allen Erwachsenen beliebt, scheint bei Jugendlichen aber gut anzukommen. „Schiller ist es nicht“, sagt König auch über „Bauchlandung“, das er produzieren wird.

Anmeldung zum Casting unter der Telefonnummer 069 / 60 60 59 72 oder mit enier E-Mail an linus@landungsbruecken.org.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Michael Hauri

 

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