Konzert von Kylie Minogue

Nur eine reicht an Madonna heran

Von Michael Köhler

Königin des Pop: Kylie Minogue

Königin des Pop: Kylie Minogue

13. Mai 2008 Die Sonne geht auf. Kylie Minogue schwebt zum Auftakt ihres Gastspiels in der Frankfurter Festhalle majestätisch langsam auf die Bühne. Sie taucht aus dichten Nebelschwaden auf. In einem von flackernden Leuchtsträngen durchzogenen goldenen Reifen. Wie eine feenhafte Lichtgestalt aus einem Märchen. Um die Dramatik auf die Spitze zu treiben, dient Richard Strauss‘ „Also sprach Zarathustra“ als perfektes Klangambiente. Das Hollywood der dreißiger und vierziger Jahre steht nicht nur beim Styling Pate. Auch die von flinken Helfern gewuchteten Kulissen scheinen davon inspiriert.

Als Kontrast zur Nostalgie dienen futuristische Hi-Tech-Spielereien mit beweglichen Projektionsflächen auf einem von Licht, Farben und Bildern durchfluteten Bühnenboden. Eine in Lack, Leder und Latex gekleidete Schar Tänzer männlichen und weiblichen Geschlechts umgarnt lasziv die unnahbare Diva: simulierter Fetisch-Sex, Szenen am Rand zum Tabubruch. Als wolle Kylie Minogue ungeliebte Schatten aus der Vergangenheit endgültig abschütteln.

Mit 40 Jahren im zweiten Frühling

Von schwerer Krankheit genesen, stürzt sich die australische Entertainerin ins aufreibende Abenteuer Tournee. Altes Terrain muss schließlich verteidigt, neues erobert werden. Die Konkurrenz schläft nicht. Schließlich ist Kylie Minogue derzeit die einzige, die der amtierenden Pop-Queen Madonna künstlerisch die Stirn bieten könnte. Und wie es der Zufall will, gab die Rivalin gerade bekannt, im Spätsommer den Erdball mit einer Show der Superlative beglücken zu wollen.

Gereift ist Kylie Minogue. Als Frau wie als Künstlerin. Sie avancierte vom biederen Nachwuchsternchen, dem einst der Absprung von der hausbackenen Daily-Soap „Neighbours“ mit Hits aus der Retorte gelang, zum männermordenden Vamp in gewagten Posen und Songs, die das Zeug zum Evergreen haben. Auch wenn die Sängerin, die am 28. Mai 40 Jahre alt wird, immer etwas zu viel mädchenhaften Liebreiz ausstrahlt, um als Sexgöttin und hüftschwingende Domina, die ihre gefährlichen Krallen ausgefahren hat, zu überzeugen.

Beim kurzweiligen Spektakel, das 12,6 Millionen Euro Produktionskosten verschlungen haben soll, präsentiert sich Kylie Minogue als äußerst wandelbar. Acht eigens vom Pariser Kult-Couturier Jean-Paul Gaultier gefertigte Kostüme führt sie in knapp zwei Stunden vor. Als frecher Cheerleader taucht sie bei „Heartbeat Rock“ auf“. Für „Sometime Samurai“ bezaubert sie als fernöstliche Geisha. In hochhackigen Stiefeln, die bis zu den Oberschenkeln reichen, triumphiert sie mit „Your Disco Needs You“.

Bis ins kleinste Detail geplant

„Like A Drug“ bekennt sie zweideutig und drapiert sich in einem roten Kleid als lauerndes Verderbnis auf einem riesigen Totenschädel. Sie bewegt sich, von einem aus neun Mitgliedern bestehenden, rechts und links der Bühne platzierten Ensemble begleiteitet, allerdings auffallend wenig. Wilde Akrobatik und komplizierte Choreographien überlässt sie lieber ihren Tänzern. Wird sie doch einmal in die Höhe gehievt, hat sie schnell wieder Boden unter den Füßen.

Teure Kulissen wechseln wie edle Designerware: Von der exotischen Pyramide ganz in Schwarz zu einem eleganten Nachtclub an der „Copacabana“, vom homoerotischen Seemanns-Szenario zum erregten Räkeln im blätterumrankten Lotterbett – die rasant abgespulte, bis ins kleinste Detail geplante Inszenierung mit goldenem Konfettiregen zum Finale oszilliert zwischen opulenter Video-Clip-Ästhetik und künstlichem Las-Vegas-Flair. Wenn auch ohne beleuchtete Showtreppe. Gut möglich, dass Kylie Minogue eines Tages dem Beispiel ihrer Kolleginnen Céline Dion, Bette Midler und Cher folgt. Ihr Chorus-Girl-Charme könnte sich in der Casino-Metropole optimal entfalten.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, ddp, dpa

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