„LiteraTurm“-Festival

Vergangenes, Verdichtetes

Von Florian Balke

15. Mai 2008 Das 20. Jahrhundert war ein literarisch verwöhntes, von der Geschichte jedoch eher gebeuteltes. Darüber, wie die Ereignisse der Wirklichkeit und ihre Wiedergabe im künstlerischen Text zusammenhängen, haben die Schriftsteller der vergangenen 100 Jahre daher oft nachgedacht. Virginia Woolf bezeichnete die ungleiche Paarung von Fakten und Fiktionen in den zwanziger Jahren einmal als das Zusammentreffen von Granit und Regenbogen. Den Felsbrocken der unerbittlichen Realität und der kaum zu erfassenden Regenbogenschönheit des literarischen Kunstwerks widmet sich in diesem Frühjahr auch das Frankfurter Literaturfest „LiteraTurm“. Unter dem Motto „vergangen verdichtet“ geht es auf den Veranstaltungen des alle zwei Jahre stattfindenden Festivals vom 28. Mai bis 1. Juni darum, wie aus Geschichte Literatur wird.

Zusammengehalten wird das Festival aber nicht nur durch die Frage, wie deutsche Gegenwartsromane das 20. Jahrhundert künstlerisch darstellen, sondern auch durch die Idee, die von Anfang an hinter dem Namen „LiteraTurm“ steckte. Auch in diesem Jahr finden zahlreiche Veranstaltungen in den oberen Stockwerken der Frankfurter Hochhäuser statt. So bringt Deutschlandfunk-Moderator Denis Scheck am 29. Mai im Gebäude der Dresdner Bank am Jürgen-Ponto-Platz die beiden Buchpreisträger Julia Franck und Arno Geiger miteinander ins Gespräch. Eröffnet wird das Festival allerdings schon am 28. Mai. Dann sind im Literaturhaus Frankfurt Suhrkamp-Autor Marcel Beyer und die Konstanzer Literaturwissenschaftlerin Aleida Assmann zu Gast.

Mit Havemann, Hoppe und Kurzeck

Hubert Spiegel, Leiter der Literaturredaktion dieser Zeitung, moderiert den Abend. Mehr als um die Lesung geht es auf insgesamt 27 Veranstaltungen des Festivals um das Gespräch. Schließlich dient der Überblick über die literarische Formung von Geschichte auch dem Rückblick auf ein Thema, das Schriftsteller, Kritiker und Leser in den vergangenen Jahren besonders beschäftigt hat. Damit dieser Überblick nicht nur an hoch über der Stadt gelegenen Leseorten, sondern auch in interessanten Diskussionen der mehr als 70 Gäste gewonnen wird, stellt das Festival zahlreichen Autoren Gesprächspartner zur Seite.

Mit Irina Liebmann spricht am 29. Mai im Main-Forum der IG Metall der Zeithistoriker Andrew Ian Port, mit Florian Havemann diskutiert am gleichen Abend im Messeturm Dieter Simon, Alterspräsident der Akademie der Wissenschaften Berlin-Brandenburg. Felicitas Hoppe ist am 30. Mai Gast einer Podiumsdikussion in der Stadtbücherei, Peter Kurzeck liest währenddessen in der BHF-Bank. Zum ersten Mal zählt zu den insgesamt 14 Veranstaltungsorten auch das Schauspiel Frankfurt, in dem als Ausblick auf den Gastlandauftritt der Türkei bei der diesjährigen Buchmesse Zülfü Livaneli und Mario Levi auftreten. Die Städelschule ist ebenso Veranstaltungsort wie das Goethe-Museum. Dort beschließt am 1. Juni ein Auftritt Martin Walsers das Festival.

Das 4. Literaturfestival „LiteraTurm“ findet vom 28. Mai bis 1. Juni an zahlreichen Veranstaltungsorten in Frankfurt statt. Das Programm findet sich im Internet unter der Adresse www.literaturm.de.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Helmut Fricke

 
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