21. Mai 2008 Denis Wucherer hat für drei Trainingseinheiten die Rolle von Joachim Löw übernommen. Der ehemalige Basketball-Nationalspieler soll das deutsche Fußball-Nationalteam für die Europameisterschaft in Form bringen. Löw erhofft sich von den Basketball-Einheiten, die die Nationalspieler während der ersten Regenerationstagen im Trainingslager auf Mallorca absolvieren, Verbesserungen im Zweikampfverhalten. Im Interview berichtet Wucherer, welche Nationalspieler sich mit dem Ball am besten angestellt haben.
Herr Wucherer, wie kam der Kontakt zur Fußball-Nationalmannschaft zustande?
Andreas Köpke hatte zunächst in Bamberg bei Basketball-Trainer Dirk Bauermann angefragt. Da jedoch die erste Phase der EM-Vorbereitung mit den BBL-Playoffs zusammenfällt, musste Dirk absagen - und hat mich empfohlen. Daraufhin habe ich mich vor 14 Tagen in Düsseldorf mit Bundestrainer Joachim Löw, dessen Assistenten Hansi Flick und Andy Köpke getroffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.
Erfolgte die Ausarbeitung der Einheiten zusammen mit Jogi Löw, oder sind Sie ganz selbstständig in die Rolle des Bundestrainers geschlüpft?
Natürlich haben wir uns darüber unterhalten, was von mir gewünscht und verlangt wird. Letztlich hatte ich aber freie Hand bei der Gestaltung der rund 60 bis 75 Minuten dauernden Einheiten. Da ich nicht wusste, was mich erwartet und über welches Basketball-Niveau die Spieler verfügen, habe ich mich vorab mit Achim Kuczmann und Hansi Gnad (Headcoach und Co-Trainer der Bayer Giants Leverkusen) zusammengesetzt.
Waren Sie vor dem ersten Training nervös?
Ehrlich gesagt, nur auf dem Hinflug. Als ich mich vorgestellt und den Spielern erklärt hatte, worum es in den drei Einheiten geht, lief alles ganz locker ab. Die Jungs, die im Übrigen sehr engagiert bei der Sache sind, haben mich sofort akzeptiert.
Was genau machen Sie mit Poldi und Co. auf dem Basketballfeld?
Team-Building und Spaß stehen an erster Stelle. Aus diesem Grund sind in jeder Einheit Spiele und Übungen eingebaut, bei denen auf das Ergebnis geachtet wird. Zieht jemand nicht richtig mit, leidet darunter das Team, zum Beispiel in Form von zusätzlichen Sprints. Nach Rücksprache mit Jogi Löw habe ich zudem Übungen ins Programm aufgenommen, die auf den Fußball transferiert werden können.
Was sind das für Transfermöglichkeiten?
Dies betrifft in erster Linie die Lauf- und Beinarbeit oder Verteidigung Mann-gegen-Mann. Dabei können die Fußballspieler einiges von uns Basketballern lernen.
Trainieren Sie ernsthaft oder lassen Sie nur spielen?
Grundsätzlich ist jede Einheit dreigeteilt. Nach dem Aufwärmprogramm mit Dribblings und Pass-Drills folgt das Stretchen und Dehnen unter Aufsicht der Fitness-Coaches. Im Anschluss daran beginnt der Schwerpunkt-Teil, in dem konditionelle und koordinative Elemente im Vordergrund stehen. Zum Schluss wird gespielt und der Freiwurfkönig ermittelt.
Basketball ist ja etwas komplexer als Fußball. Gab es Übungen, die zu schwer waren für die Nationalspieler?
Nein, die Jungs haben alle ein Grundverständnis für die Sportart Basketball. Das hat mich positiv überrascht.
Gibt es Spieler, die sich mit dem ungewohnten Spielgerät besonders hervor tun?
Lukas Podolski verfügt beispielsweise über einen guten Wurf aus der Distanz; und Per Mertesacker ist aufgrund seiner Länge die dominante Kraft unterm Korb. Philipp Lahm, Piotr Trochowski und Arne Friedrich haben ebenfalls ein gutes Ballhandling. Insgesamt gesehen ist das Niveau doch recht hoch.
Text: FAZ.NET
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