Österreich gegen Deutschland

Hickersberger warnt vor einem Sieg

05. Februar 2008 „Ein Sieg wäre schlecht für uns, weil ganz Österreich uns dann in den Kreis der Titelfavoriten heben würde“, sagte Österreichs Nationaltrainer Josef Hickersberger vor dem Testspiel gegen Deutschland am Mittwoch in Wien (20.35 Uhr / live in der ARD / FAZ.NET-Liveticker). Obwohl er sich am Mittwoch in Wien einen Erfolg gegen den großen Nachbarn wünsche, warnte der Fußball-Coach vor zu hohen Erwartungshaltungen an sein Team.

Hickersberger hat Österreich nicht nur für das Freundschaftsspiel gegen Deutschland, sondern gleich für die ganze Heim-EM im Sommer zum großen Außenseiter erklärt. Kapitän Andreas Ivanschitz zeigte sich dagegen zuversichtlich für den ersten Test im EM-Jahr. „Ich denke, dass wir die Deutschen ärgern können“, sagte er.

Erinnerungen an Cordoba: „Segen und Fluch“

Noch immer erinnern sich die österreichischen Fußball-Fans gern an die WM 1978 in Argentinien, an den legendären 3:2-Sieg gegen Deutschland. 30 Jahre später, vor dem Auftakt ins Jahr der EM in Österreich und der Schweiz, dient der Rückblick bei den Co-Gastgebern jedoch vor allem dazu, der düsteren Gegenwart zu entfliehen.

Österreichs Nationaltrainer: Bitte keine hohe Erwartungshaltung Nationalspieler Ivanschitz (r), Pogatetz (l) und Fitnesstrainer Vettorazzi: “... Österreichs Fußball ist ein Fall für die Sanitäter: Altstars Prohaska (l) und... Andreas Herzog beim Opernball mit Franz Beckenbauer: “Mein Ziel ist Teamchef“ Cordoba 1978: Maier liegt, Dietz fällt, Krankl trifft - 3:2 für Österreich An ihren Sieg bei der WM 1978 gegen Deutschland erinnern sich die Österreiche...

Denn vor dem Nachbarschafts-Duell gegen den EM-Gruppengegner Deutschland ist das Selbstvertrauen der Mannschaft des umstrittenen Trainers Josef Hickersberger auf ein Minimum gesunken. „Wir sind der Wunschgegner. Von allen Mannschaften bei der EM“, sagte der 59 Jahre alte Coach in einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ und bezeichnete den Erfolg von Cordoba 1978 als „Segen und Fluch zugleich“. Denn Cordoba - das war einmal, und die Erzählungen von damals wirken seit dem Niedergang des österreichischen Fußballs wie ein unwiederbringliches Märchen.

Im Selbstverständnis zwischen Kongo und Äthopien

Genauso wie die noch weiter zurückliegenden Zeiten, als die Deutschen regelmäßig abgewatscht wurden und die „Frankfurter Zeitung“ vom „Fußball-Lehrer Österreich“ schrieb. Derzeit siedelt sich das ÖFB-Team jedoch nicht nur in der Weltrangliste zwischen Kongo und Äthopien auf Platz 90 an, sondern auch im Selbstverständnis. „Für Rehhagel ist es leichter, mit Griechenland den Titel zu verteidigen, als für mich, mit Österreich ins Viertelfinale einzuziehen“, sagte Hickersberger.

Dennoch braucht die Mannschaft des 177-maligen Bundesliga-Spielers von Kickers Offenbach und Fortuna Düsseldorf einen guten Jahresauftakt gegen das Team von Bundestrainer Joachim Löw, um vier Monate vor Beginn des Turniers nicht gleich wieder mit Schimpf und Schande überzogen zu werden. 2007 setzte es heftige Kritik, das 3:2 gegen die Elfenbeinküste war der einzige Sieg aus zwölf Spielen. Er rettete Hickersberger den Job.

Andreas Herzog könnte nachrücken

Ende des Jahres läuft sein Vertrag aus. Dann könnte Andreas Herzog, der ehemalige Profi von Bayern München und Werder Bremen, für Hickersberger nachrücken. „Mein Ziel ist es, irgendwann einmal den Posten des Teamchefs zu übernehmen“, sagte der 39-Jährige der „Augsburger Allgemeinen“. Aber wahrscheinlich sei zunächst ein anderer Nachfolger.

Herzog ist als Teammanager sozusagen der Oliver Bierhoff Österreichs, und als solcher muss er langfristig denken. Die Ursachen für die schlechte Bilanz sowohl des Nationalteams als auch der Vereinsmannschaften gelte es zu bekämpfen. „Es wäre wichtig, dass endlich wieder einmal einer unserer Klubs auf europäischer Ebene ins Rampenlicht rückt“, sagte Herzog.

„Ob wir sterben, werden wir im Sommer sehen

Doch das Modell Red Bull Salzburg, das dank der Millionen von Brause-Milliardär Dietrich Mateschitz dafür noch am ehesten in Frage kommt, hält Herzog nur für bedingt tauglich. „Aus österreichischer Sicht wäre es vielleicht besser, nicht ganz so schnell den Erfolg zu suchen“, sagt er und meint, man sollte statt auf ausländische Spieler zu setzen, die eigenen Talente kontinuierlich ans Topniveau heranführen. So wie sie das seit einigen Jahren im Challenge-Projekt 08 tun, und mit Platz vier bei der U20-WM 2007 einen Erfolg feierten.

Doch dort spielt die Zukunft, in der Gegenwart sind die Aussichten geringer. Und während Herzog dem DFB-Team bei der EM „vom Ausscheiden in der Vorrunde bis zum Titelgewinn“ alles zutraut, sieht er die eigene Mannschaft als „größten Außenseiter des Turniers“. Hickersberger hat für die EM gegen viele stärkere Mannschaften wie Frankreich, England oder Tschechien testen lassen, nach Deutschland spielt man noch gegen die Niederlande, um zu lernen. Hickersberger erklärt frei nach Darwin: „Es ist wie in der menschlichen Evolution - wer sich nicht anpasst, stirbt. Ob wir sterben, werden wir im Sommer sehen.“

Die voraussichtliche österreichische Mannschaftsaufstellung: Manninger - Pogatetz, Stranzl, Prödl, Garics - Säumel, Aufhauser - Standfest, Leitgeb - Ivanschitz - Linz



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa, picture-alliance/ dpa, REUTERS

Rubriken

Fußball-Übertragungen

Bundesliga scheitert mit TV-Plänen am Kartellamt

 
Video in voller Größe

Sollte im TV mehr „Randsport“ gezeigt werden?

Ergebnis
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche