Von Tobias Käufer, Rio de Janeiro
15. Mai 2008 Das Ambiente für die Beichte war sorgfältig ausgewählt: Ein atemraubender Blick auf das Meer, Palmen im Hintergrund und eine attraktive Interviewerin, die zu Beginn des Verhörs mit ihren endlos langen Beinen die Treppe des Hauses hinunterschreitet. Der Rahmen, den der brasilianische Fernsehsender Globo für das Interview mit Ronaldo herrichtete, hätte angenehmer nicht sein können.
Hierhin, in den riesigen Garten des Hauses seiner Mutter, direkt an der bei Brasiliens Geldadel so beliebten Küste Angra dos Reis südlich der Metropole von Rio de Janeiro gelegen, hatte sich der dreimalige "Weltfußballspieler des Jahres" zurückgezogen. In den dunklen Stunden des Lebens sucht eben auch ein Star mütterliche Geborgenheit. Und doch rutschte der Sünder auf dem Beichtstuhl immer wieder unruhig hin und her und war bemüht, die eigenen Worte mit Bedacht zu wählen.
Das hat mein Privatleben für immer beschmutzt
Hier saß niemand mehr, der über seine künftigen Ziele und vergangenen Erfolge spricht. Hier saß nur noch ein pausbäckiger, leicht übergewichtig wirkender Ronaldo, der versuchte, vom ruinierten Ruf den letzten Rest zu retten. Egal, ob der 31 Jahre alte zweimalige Weltmeister in einem heruntergekommenen Motel denn nun wirklich käuflichen Sex mit drei Transvestiten hatte oder nicht.
Ronaldo weiß, dass dieser Skandal im Gedächtnis des Publikums hängenbleibt, und er räumte niedergeschlagen ein: "Das hat mein Privatleben für immer beschmutzt." Zwar widerriefen schon bald zwei der drei männlichen Prostituierten bei der Polizei ihre Aussage und wuschen den Stürmer des AC Mailand vom Vorwurf des gemeinschaftlichen Liebesabenteuers frei. Doch das alles zählt nicht mehr.
Zu oft hat der Körper von Il Fenomeno gestreikt
Ronaldo ist am Tiefpunkt seiner Karriere angelangt. Körperlich ist der mit 15 Treffern erfolgreichste WM-Torschütze noch lange nicht so weit, dass er seine Laufbahn fortsetzen kann. Der im Februar erlittene Patellasehnenriss im linken Knie ist noch nicht ausgeheilt. Ob der Rekonvaleszent klug beraten war, die Genesung ausgerechnet in der brasilianischen Heimat abzuwarten, wo die Verlockungen noch größer scheinen als in Europa? Der jüngste Zwischenfall gab eine erste Antwort.
Zu oft hat der Körper von "Il Fenomeno" in der Vergangenheit gestreikt, als dass sich ein europäischer Spitzenklub diese Risikoinvestition wohl noch einmal antun würde, selbst wenn Ronaldo vom Juli an ablösefrei zu haben ist. Beim brasilianischen Rekordmeister Flamengo Rio de Janeiro will sich der Angreifer nun sportlich zur Ruhe setzen - wenn er denn noch einmal richtig fit werden sollte.
Ronaldinho feiert Partynächte in Clubs
Auch um die körperliche Fitness von Ronaldos nicht minder umstrittenem Landsmann Ronaldinho ranken sich derweil Gerüchte. Von geheimen nächtlichen Leistungstests in Hospitälern ist in spanischen Medienberichten die Rede. Schreibende Paparazzi heften sich an die Fersen des Mittelfeldstrategen mit dem einst unnachahmlichen Offensivdrang.
Sie protokollieren jeden Schritt bei seinen Partynächten in Clubs der katalanischen Metropole. Seit Wochen steht Ronaldinho bei Barça im Abseits und soll nun für 40 Millionen Euro zu haben sein. Der 28 Jahre alte Liebling früherer Zeiten spielt offenbar keine Rolle mehr im Zukunftskonzept des Champions-League-Siegers von 2006, der sich nach der verkorksten Saison von Trainer Frank Rijkaard trennt.
Spekulationen über Wechsels Ronaldinhos zu Milan
Wie bei einem hochspekulativen Investmentgeschäft auf dem Börsenparkett mischen sich warnende Stimmen von Analysten in das Gefeilsche. Ein Abschreibungsobjekt sei Ronaldinho, eine Aktie im freien Fall. Harte Fakten und Belege gibt es für den schlechten körperlichen Zustand zwar nicht. Aber wie an der Börse entscheidet auch im Fußball oft die Psychologie.
Seit Wochen spekulieren die internationalen Medien jedenfalls über einen Wechsel Ronaldinhos zum AC Mailand, doch der ziert sich. Andere Vereine zeigen derzeit kein erkennbares Interesse an dem in Ungnade gefallenen früheren Superstar. Das treibt den Preis nicht gerade in die Höhe - und Ronaldinho muss vielleicht doch wieder in den Kader von Rijkaards Nachfolger Josep Guardiola. Ein glanzvolles Comeback sähe anders aus.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, dpa, picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa/dpaweb, picture-alliance/ dpa, REUTERS
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