29. April 2006 Aller guten Dinge sind drei. Wie schon 2004 und 2005 hat Turbine Potsdam das Endspiel um den DFB-Vereinspokal der Frauen gegen den 1. FFC Frankfurt gewonnen. Diesmal mit 2:0 nach den beiden 3:0-Triumphen in den Jahren davor.
Die Treffer für den erst gegen Ende dominierenden Tabellenführer der Bundesliga erzielten Isabel Kerschowski (79. Minute) und Petra Wimbersky (82.). 35.000 Zuschauer im Berliner Olympiastadion hatten am Samstag eine lange ausgeglichene Partie gesehen, in der sich die ersatzgeschwächten Frankfurterinnen bis zum Potsdamer Führungstor geschickt aus der Affäre zogen. Es war ein ganz schweres Spiel, aber ein verdienter Sieg, sagte der Potsdamer Trainer Bernd Schröder.
Tempo, Jugendlichkeit und nimmermüden Schwung
Die Frankfurterinnen, bis vor zwei Jahren an Serientriumphe in Berlin gewöhnt, gaben sich vor diesem Finale fast schon kleinlaut. Spielführerin Steffi Jones, sonst die forscheste Stimme in diesem erfahrenen Ensemble, sagte bescheiden: Wir haben einige Ausfälle zu verkraften und deshalb nicht das Recht und den Anspruch, uns diesmal als Favorit zu sehen. Nach der Partie zeigte sie sich enttäuscht: Wir sind für die harte Arbeit nicht belohnt worden. Vor allem fehlte Birgit Prinz, die Weltfußballerin des Jahres 2005 dem fünfmaligen Pokalsieger. Die gesperrte Angreiferin sah von draußen zu, wie sich ihre Kolleginnen der Attacken der zuletzt zweimal nacheinander in Berlin siegreichen Potsdamerinnen zu erwehren hatten.
Potsdam stand schon in den Vorjahren für Tempo, Jugendlichkeit und nimmermüden Schwung, und so versuchte das Team um die Liga-Schützenkönigin Conny Pohlers (33 Treffer) denn auch bei regnerischem Herbstwetter los zu legen. Doch der 1. FFC hatte sich mit seiner defensiven Spielweise vorzüglich auf die Angriffe der Brandenburgerinnen eingestellt. Nachdem Nationaltorhüterin Angerer einen Schuß von Judith Affeld (7.) im Flug pariert hatte, wußten sie bei Turbine, daß sich die auch durch Verletzungen geschwächten Frankfurterinnen nicht für ein Kinderspiel hergeben würden. Die Erinnerung an die 2:6-Heimniederlage gegen Turbine zu Ostern in Frankfurt war dazu noch zu frisch, um diesmal nicht vorsichtig und umsichtig zugleich zu Werke zu gehen.
Fehler von Torfrau Wessink vor dem 1:0
Der deutsche Meister, in den beiden vergangenen Endspielen den Potsdamerinnen jeweils 0:3 unterlegen, verhielt sich in den ersten 45 Minuten taktisch überaus geschickt. Steffi Jones organisierte die Abwehr, die von Knieproblemen halbwegs genesene Renate Lingor das Mittelfeldspiel, und im Angriff lauerten Sandra Albertz und Sandra Smisek auf ihre Konterchancen. Albertz scheiterte mit ihrem besten Versuch an Nadine Angerer (35.). Auf der anderen Seite kamen die Powerfrauen von Turbine vor der Pause nie auf Touren. Die gefürchteten Drei im Angriff, Conny Pohlers, Petra Wimbersky und Anja Mittag, fanden nicht den Platz zur Beschleunigung ihrer Aktionen. Nur ein Wimbersky-Lattenschuß (30.) erinnerte die von den Eintracht-Fans aus ihrer Heimatstadt angefeuerten Frankfurterinnen an die Gefährlichkeit des Tabellenführers der Bundesliga.
Nach der Pause änderte sich an der Struktur des Spiels wenig. Erst in der letzten Viertelstunde schwanden die Kräfte der Frankfurterinnen. Daß Potsdam dann doch zum 1:0 durch die eben erst für den enttäuschenden Star Pohlers eingewechselte Isabel Kerschowsky kam (79.), war einem Fehler der Frankfurter Torfrau Marleen Wessink geschuldet, die der Schützin den Ball nach einem Freistoß von Pegy Kuznik direkt vor die Füße geboxt hatte. Anschließend beraubte Petra Wimbersky mit ihrem Tor zum 2:0 (82.) den 1. FFC seiner letzten Illusionen. Die jüngere und letztlich etwas frischer wirkende Mannschaft hatte sich aufs neue durchgesetzt. Diesmal jedoch längst nicht so souverän wie in den beiden vergangenen Jahren, so daß der Frankfurter Trainer Hans-Jürgen Tritschoks von einem etwas glücklichen Sieg sprach.
Turbine Potsdam - 1. FFC Frankfurt 2:0 (0:0)
Potsdam: Angerer - Carlson (64. Thomas), Becher, Kuznik - Omilade, Peter, Hingst, Zietz - Mittag (90. Podvorica), Pohlers (78. Isabel Kerschowski), Wimbersky
Frankfurt: Wissink - Affeld (88. Bartusiak), Tina Wunderlich, Jones, Kliehm - Garefrekes, Lingor, Hansen, Künzer - Smisek (79. Barucha), Albertz (68. Weber)
Schiedsrichterin: Kunick (Lissa)
Tore: 1:0 Kerschowski (79.), 2:0 Wimbersky (82.)
Zuschauer: 30.000
Gelbe Karte: Zietz
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb, REUTERS