Von Michael Horeni
06. Februar 2007 Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gibt sich sehr viel Mühe, die Partnerschaften mit seinen Sponsoren zu pflegen. Vor dem Länderspiel am morgigen Mittwoch in Düsseldorf gegen die Schweiz finden die beiden Pressekonferenzen der Nationalmannschaft in einem Autohaus von Generalsponsor Daimler-Chrysler statt.
Die Nationalmannschaft macht das öfter, und die Sponsoren wissen diese Besuche zu schätzen. Aber was Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff an diesem Montag der Öffentlichkeit präsentierte, dürfte den vielen Geldgebern des Verbandes wohl nicht allzu sehr gefallen - vor allem nicht Ausrüster Adidas, dem neben Daimler-Chrysler wichtigsten Partner des DFB. Die mit treuem Augenaufschlag verteilte Pressemitteilung mit der laufenden Nummer 13/2007 hat jedenfalls das Zeug zum Sprengsatz in der über fünfzig Jahre alten Verbindung. Darin enthalten ist das Ergebnis einer vom DFB in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage, die sich mit dem möglichen Wechsel von Adidas zu Nike befasst.
72 Prozent für Wechsel zu Nike
Die Kernaussage lautet: "72 Prozent der deutschen Bevölkerung und 77 Prozent der fußballinteressierten Bundesbürger sind der Meinung, dass der Deutsche Fußball-Bund von Adidas zu Nike wechseln soll, wenn die Mehreinnahmen eines neuen Vertrages mit dem Sportartikelausrüster der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vom DFB in die Nachwuchsförderung und den Bau von Bolzplätzen in Schulen und Vereinen investiert werden. Nur zehn Prozent sprechen sich dagegen aus."
Dieser vom DFB auch durch eine verengte Fragestellung erhobene deutsche Stimmungsbefund gehört zur Strategie der Verbandsführung in einem sich immer weiter verschärfenden Streit. Am Dienstag der vergangenen Woche hatte der Verband zunächst ein Rechtsgutachten vorgelegt, welches seine Haltung bestätigte, dass es mit Adidas keinen Vertrag bis 2014 gebe. Nun folgte die Meinungsumfrage unter 1000 Personen im Alter von 14 Jahren an. "Erster Schritt: Rechtsgutachten. Zweiter Schritt: Umfrage", sagte Mediendirektor Harald Stenger zur Politik des DFB.
Adidas reagiert kühl
Präsident Theo Zwanziger ließ in der Pressemitteilung seine ungetrübte Freude über den von den Fans unterstützten Annäherungsversuch an das amerikanische Unternehmen vernehmen: "Dies ist ein eindeutiges Votum für uns, dass die Bevölkerung einen Wechsel zu Nike für sinnvoll hält, wenn das Geld vor allem in Projekte zu Gunsten von Kindern und Jugendlichen fließt. Und genau das wollen wir."
Nike hat dem DFB ein 500-Millionen-Euro-Angebot für eine Zusammenarbeit über acht Jahre vom 1. Januar 2011 an vorgelegt. Adidas beharrt jedoch auf seiner Auffassung, im vergangenen Jahr einen rechtsgültigen Vertrag mit dem Verband bis 2014 geschlossen zu haben. Diese grundsätzliche Einigung hatte der DFB im August vergangenen Jahres ebenfalls per Pressemitteilung veröffentlicht. Nach der Weltmeisterschaft war das Unternehmen dem DFB zu diesem Zeitpunkt noch behilflich, den sogenannten "Schuhkrieg" mit seinen Spielern zu beenden. Adidas entließ den Verband aus der vertraglichen Verpflichtung, alle Spieler zum Tragen seiner Schuhe zu verpflichten. Adidas reagierte auf den zweiten Schritt des DFB in der Auseinandersetzung mit einer kühlen Stellungnahme. Unternehmenssprecher Oliver Brüggen sagte: "Wir möchten dies nicht näher kommentieren, überlassen es aber jedem selbst, sich aufgrund der Fragestellung und der daraus resultierenden, veröffentlichten Ergebnisse ein eigenes Urteil zu bilden." Bierhoff verteidigte unterdessen den Meinungsforschungsauftrag aus dem Hause DFB: "Eine solche Umfrage macht Sinn. Wir wollen wissen, wie die Einstellung ist, denn zum DFB gehören auch 27 000 Vereine."
Niemand rückte von seiner Haltung ab
Bierhoff war in der vergangenen Tagen ebenfalls immer weiter in die Auseinandersetzung zwischen dem deutschen Sportartikelgiganten, seinem Partner FC Bayern und dem DFB hineingeraten, was ihn sogar dazu veranlasste, seinen Rücktritt zumindest anzudrohen. "Ich möchte kein Problem sein", sagte Bierhoff nachmals in Düsseldorf. Aber von einem Problem Bierhoff ist beim DFB überhaupt nicht die Rede und von einem Rücktritt natürlich auch nicht mehr. Demonstrativ von Zwanziger am Wochenende gestärkt, kritisierte Bierhoff noch einmal die persönlichen Angriffe von Karl-Heinz Rummenigge, dem Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern. "Emotional und oberflächlich" nannte Bierhoff die Attacken.
Er sah sich in die Rolle des "Bösewichts" gedrängt, der wegen seiner achtjährigen Beziehung als "Nike-Testimonial" nun eine einzigartige deutsche Sport-Wirtschaftspartnerschaft zerstöre. "Ich-AG vom Starnberger See ist eine Frechheit", sagte er in Düsseldorf zu den Anwürfen aus München, nachdem beide am Wochenende eine halbe Stunde telefoniert hatten. "Sehr emotional", wie Bierhoff berichtet, aber ohne inhaltliche Fortschritte, denn niemand rückte von seiner Haltung im Ausrüsterstreit ab. "Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir aneinanderrappeln." So wie es aussieht, wird es auch nicht der letzte Konflikt in der komplizierten Dreiecksbeziehung zwischen DFB, Adidas und Nike bleiben.
Text: F.A.Z., 06.02.2007, Nr. 31 / Seite 36
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