Wortmanns WM-Film

„Das wird es nie wieder geben“

Die Popstars des Sommers: Lukas Podolski und David Odonkor

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04. Oktober 2006 Ein Sommermärchen mitten im Berliner Herbst: Als am Dienstag abend die Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft über den roten Teppich auf den Treppen des Berlinale-Palastes schritten, war noch einmal für wenige Stunden Weltmeisterschaft. Über 1.000 Fans kreischten und jubelten Michael Ballack und Co. auf dem Weg zur Premiere des Dokumentarfilms „Deutschland. Ein Sommermärchen“ zu wie in den unvergeßlichen Tagen des Fußball-Spektakels vor knapp einem Vierteljahr. (Siehe auch: FAZ.NET-Spezial: Wortmanns WM-Film)

Angeführt von Bundeskanzlerin Angela Merkel erlebten rund 2.000 Gäste, darunter auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und WM-Chef Franz Beckenbauer, sowie über 200 Medienvertreter die offiziellen Premiere des Films von Regisseur Sönke Wortmann in der deutschen Hauptstadt und wollten gar nicht mehr aufhören zu applaudieren, als sich die Mannschaft nach der Vorführung noch einmal vor der Leinwand versammelte. Mit stehenden Ovationen wurden die „Hauptdarsteller“ und der Regisseur minutenlang gefeiert. (Siehe auch: Video: Premiere für Wortmanns „Sommermärchen“ )

„Sönke war ein Teil unseres Erfolges“

„Deutschland ist bei der WM in einem wunderbaren Glanz erstrahlt. Ich bin gerne gekommen, um diese tollen Tage noch einmal Revue passieren zu lassen“, erklärte die Kanzlerin und schlug den Bogen vom Tag der Deutschen Einheit als Premieren-Datum und der Begeisterungswelle im Sommer 2006: „Schwarz-Rot-Gold ist etwas für den 3. Oktober, und Schwarz-Rot-Gold stand auch für diese WM. Aber die Nationalelf ist über die WM im Herzen geblieben.“

Bei der Premiere, die Beckenbauer als „einen weiteren würdigen Höhepunkt“ bezeichnete, fehlte lediglich Jürgen Klinsmann. Der frühere Bundestrainer übermittelte jedoch per Videobotschaft seine Grüße an das Publikum und seine ehemaligen Spieler: „Sönke war ein wichtiger Teil unseres Erfolges. Er wurde für uns zum Kumpel und Freund.“

„Es entsteht ein Schlüssellocheffekt“

„Ich hätte es schön gefunden, wenn Jürgen bei der Premiere dabei gewesen wäre, aber er wollte den anderen nicht die Schau stehlen“, meinte Wortmann, der auch vom ehemaligen Klinsmann-Assistenten und heutigen Bundestrainer Joachim Löw viel Lob einheimste: „Das hat es vorher nie gegeben und wird es nie wieder geben. Das ist völlig authentisch und ein klasse Zeitdokument. Sönke hat das super gemacht. Für die Zuschauer in Deutschland ist der Film unheimlich interessant. Es entsteht ein Schlüssellocheffekt, weil man sich als normaler Fan ein Bild machen kann von den Kabinen-Ansprachen Klinsmanns und von den privaten Momenten der Spieler.“

Auch die anderen Protagonisten hatten sich bereits im Vorfeld lobend über den Film geäußert, der mit dem traurigsten WM-Kapitel der deutschen Mannschaft beginnt: dem bitteren Halbfinal-Aus des Gastgebers gegen Italien. „Ich habe Gänsehaut bekommen, als ich den Film gesehen habe. Sönke hat wirklich einen Riesen-Job gemacht. Wir Spieler mußten im Kino sehr viel lachen. Dieser Film wird viele Menschen begeistern“, meinte Bastian Schweinsteiger, der mit seinen Kollegen das Projekt letztlich abgesegnet hatte.

„Ich hätte es nicht besser erfinden können“

„Das ist eine einzigartige Dokumentation, die in erster Linie den Fans einen neuen Blickwinkel vermittelt, aber auch für uns Spieler viele interessante Details beinhaltet, die wir bei der WM so gar nicht mitbekommen haben“, würdigte auch der nach dem Turnier zurückgetretene Torwart Oliver Kahn das Werk und betrieb gemeinsam mit Wortmann am Samstag abend noch einmal bei „Wetten daß?“ Werbung für den Film.

„Deutschland. Ein Sommermärchen“ hat das Zeug zum Kassenschlager. Die Vorpremieren am Tag der Deutschen Einheit und auch am 4. Oktober, einen Tag vor dem offiziellen Kinostart, waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft.

„Ich erlebe eine unheimliche Neugier auf den Film. Jeder spricht mich darauf an. Wenn ich diese Begeisterung zum Maßstab nehme, wird er ein großer Erfolg“, sagte Wortmann und fügte an: „Ich hätte das gar nicht besser erfinden können. Das war ideal, was da passiert ist.“ Viel Lob hat er auch für seine „Hauptdarsteller“ übrig: „Ich habe mich vor allem nach dem Halbfinale mies gefühlt. Da war die Stimmung schockierend schlecht. Aber keiner hat gesagt: Mach endlich das Ding aus. Das zeigt auch die Größe dieser Mannschaft.“

Der Regisseur („Wunder von Bern“, „Der bewegte Mann“) bringt am 5. Oktober zeitgleich mit dem Film auch sein gleichnamiges Tagebuch auf den Markt. Ende des Jahres soll der Dokumentarfilm auch in der ARD gezeigt werden, ehe das Werk am 8. Februar 2007 auf DVD erscheint. Der Erlös des 108minütigen Streifens kommt den SOS-Kinderdörfern zu Gute. „Das war unser Wunsch und der Wunsch der Spieler“, erläuterte der Filmemacher.

Text: FAZ.NET mit Material vom sid
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, REUTERS

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