Auf den Tag genau einen Monat nach dem Sieg bei der Weltmeisterschaft in Schanghai hat sich der deutsche Frauenfußball in Zürich seine dickste Prämie abgeholt. Der Internationale Fußball-Verband hat am Dienstag die Weltmeisterschaft 2011 nach Deutschland vergeben, und man ist geneigt zu sagen: ins Mutterland des Frauenfußballs. Zwar liegen die Wurzeln dieses noch recht jungen Sports etwas weiter im aufgeklärten Norden, aber in den vergangenen Jahren hat es in kaum einem anderen Land solche Anstrengungen gegeben, den Frauenfußball in der gesellschaftlichen Breite so intensiv zu fördern und gleichzeitig an der internationalen Spitze zu etablieren.
Dieses Engagement ist auch der Fifa nicht verborgen geblieben, und wie professionell sich das Land, aus dem das Fußball-Sommermärchen stammt, im Spätherbst 2007 wieder in Zürich präsentierte, das war auch eine Garantieerklärung für eine finanziell und politisch rundweg abgesicherte Weltmeisterschaft. Bundeskanzlerin Angela Merkel, auf die laut DFB-Präsident Theo Zwanziger die Idee der Bewerbung zurückgeht, grüßte per Videobotschaft, und Familienministerin Ursula von der Leyen war auch mit von der Fußballpartie, als höchste staatliche Repräsentantin – wenn man mal von Franz Beckenbauer absieht, dessen Rolle sich protokollarisch ohnehin nur unzureichend fassen lässt. In Zürich kam ihm sogar die etwas sonderbare Doppelrolle zu, zum einen die deutsche Bewerbung zu unterstützen und wenig später als Mitglied der Exekutive der Fifa auch darüber abzustimmen.
In den kommenden Jahren wird in Deutschland nun ein erstaunliches Experiment zu beobachten sein: ob es dem DFB, unterstützt von der Politik, gelingen wird, den Frauenfußball als weiblichen Sport Nummer eins in diesem Land zu verankern. Der Wille und die Mittel jedenfalls sind vorhanden, und das Zugpferd Weltmeisterschaft schafft dafür auch den nötigen Resonanzboden bei den Medien.
Der WM-Zuschlag ist der Beginn für ein Langzeitprojekt des DFB und seines Präsidenten Zwanziger, aus dem Fußball in Deutschland wirklich einen Sport für Männer und Frauen zu machen. Darin liegt das große gesellschaftliche Potential. An der Nachhaltigkeit, mehr als nur während einer Welt- oder Europameisterschaft Zuschauer in die Stadion und vor die Fernseher zu locken, hat es bisher gefehlt, und das wird sich wohl auch bis 2011 nicht so schnell ändern lassen.
Es ist jedoch erstaunlich, dass die Vergabe der Frauen-WM in Deutschland ein größeres Echo gefunden hat als die Wahl Brasiliens für die Titelkämpfe der Männer im Jahr 2014. Man kann das ruhig als Anfangszeichen eines möglichen Booms werten. Ein Scheitern in Zürich wäre daher für den deutschen Frauenfußball ein großer Rückschlag gewesen – mehr als jedes verlorene Finale.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, REUTERS