12. März 2008 Bayern München gegen die Fußball-Nationalmannschaft: Am 2. September um 20.45 Uhr bekommt Oliver Kahn seinen ganz großen Abschied. Der Deutsche Fußball-Bund hat dem Antrag der Bayern auf eine gemeinsame Ausrichtung des Abschiedsspiels für den ehemaligen deutsche Nationaltorhüter entsprochen. DFB-Präsident Theo Zwanziger nimmt dazu Stellung.
Abschiedsspiele wurden vor zehn Jahren abgeschafft. Oliver Kahn wird es wieder zugestanden - warum ausgerechnet ihm?
Es ist und bleibt eine Ausnahmeregelung für Oliver Kahn - und dies ist der Person dieses großen Sportsmannes geschuldet. Es gibt dafür mehrere Gründe. Erstens: Er ist Torhüter, und die Torhüter müssen anders als Feldspieler in der Regel lange warten, bis sie in der Nationalmannschaft die Nummer eins sind. Zweitens: Er hat immer in Deutschland gespielt, das ist für mich ganz entscheidend. Er stand damit jede Woche im Fokus der deutschen Öffentlichkeit. Natürlich ist er ein Typ, der auch ein Stück spalten kann. Aber er hat eine unglaubliche Ausstrahlung auf Kinder, weil er Leistung von sich und seinen Mitspielern fordert. Dazu kommen natürlich seine besonderen Leistungen in der Nationalmannschaft. Ohne ihn hätten wir 2002 nicht das Finale der Weltmeisterschaft erreicht. Und dann gibt es noch diese außergewöhnliche Fair-Play-Geste bei der WM 2006, die man ihm eigentlich nicht zugetraut hat, nachdem Jens Lehmann den Vorzug erhielt. Das macht ihn in seiner Art einzigartig.
Es ist doch eine Selbstverständlichkeit, das man seinem Mannschaftskameraden im WM-Viertelfinale Glück für das Elfmeterschießen wünscht. Das hat nichts mit Fairplay zu tun.
Natürlich muss man das normalerweise erwarten. Aber man hat es ihm nicht zugetraut, weil er so ein leistungsbessesener Spieler ist. Es geht mir auch nicht so sehr um die Geste. Es geht viel mehr darum, dass er den schweren Rückschlag, nicht bei der WM im eigenen Land die Nummer eins zu sein, akzeptiert hat. Das ist nicht selbstverständlich.
Kahns Abschiedsspiel soll die Ausnahme bleiben - haben Sie nicht die Sorge, dass trotzdem eine große Diskussion entsteht. Warum etwa sollte Michael Ballack kein Abschiedsspiel bekommen?
Die Diskussion wird entstehen. Aber der DFB wird immer verantwortlich entscheiden. Die einfachste Lösung wäre zu sagen: Wir machen das nie mehr. Aber das wäre verantwortungslos. Das ist nicht mein Stil. Wir werden Abschiedsspiele nicht mehr zur Regel machen. Aber wenn es eine große Sportpersönlichkeit gibt, die aus dem Kreis der anderen so deutlich herausragt, dass wir nicht jedes Jahr ein Abschiedsspiel machen müssen, dann kann eine solche Ausnahmesituation wieder eintreten. Die Tür ist nicht zu. Die Ausnahmeregelung für Oliver Kahn ist nach meiner Sicht in hohem Maß in Ordnung. Ich weiß, dass andere das anders sehen werden.
Kahn ist Gegnern an die Gurgel gegangen und hat Mitspieler durchgeschüttelt. Er hat auch hässliche Bilder geliefert. Haben Sie das nicht im Blick gehabt?
Im Fußball gibt es immer wieder Bilder, die auch ein Stück hässlich sind. Für mich ist klar, dass jemand, der von sich und anderen Höchstleistungen fordert, in diesem unglaublich emotionalen Fußball auch überreagieren kann. Diese Situationen hat es bei Oliver Kahn auch immer wieder mal gegeben. Er ist ein Mensch, kein Gott. Er gibt Orientierung auch durch seine Schwächen.
Die Fragen stellte Michael Horeni
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: REUTERS