Champions League

Kasernenhofboden statt Schalker Arena

Von Daniel Meuren

Die Spieler von Anorthosis Famagusta bejubeln in Athen die Qualifikation zur Champions League

Die Spieler von Anorthosis Famagusta bejubeln in Athen die Qualifikation zur Champions League

28. August 2008 Real Madrid, FC Barcelona, Manchester United, FC Chelsea. Die Champions League ist reserviert für namhafte Klubs. In dieser Saison sind auch der FC Bayern München und Juventus Turin zurück im ganz großen Geschäft. Und dann gehören da doch Klubs hin wie FC Liverpool, Arsenal London, Milan und , na ja, Schalke 04, oder?

Umso verwunderlicher scheint es deshalb in Zeiten der keineswegs gebremsten Kommerzialisierung des europäischen Vereinsfußballs, dass auf einmal Fußballzwerge wie der weißrussische Meister BATE Barisau oder Anorthosis Famagusta in die Elite der 32 Spitzenklubs des Kontinents aufrücken, während selbsternannte königsblaue Stammgäste nach dem Debakel in Madrid in den Uefa-Cup absteigen.

Wird der Koloss von Rhodos zum Zyklopen von Zypern?

Champions League wir kommen! Anorthosis-Schlussmann Arian Geqai freut sich

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Famagusta - das klingt höchst exotisch, auch wenn mancher Erklärungsansatz den Glauben an ein Fußballwunder wieder geschwind zunichte machen kann. In Griechenland meint man zu wissen, dass es sich bei dem Klub, Sieger im Qualifikations-Duell gegen Olympiakos Piräus, den Bremen-Bezwinger des Vorjahres, um das Geldwäscheobjekt eines zyprischen Geschäftsmanns handelt. Vor dieser Spielzeit ging dank dieser Finanzspritzen der griechische Europameister Trajanos Dellas und andere einigermaßen begabte Kicker wie einst Venus auf Zypern an Land.

Aber sollen Sportfans, im Olympia-Sommer zur Genüge geplagt wurden vom bösen Doping-Dämon, nicht endlich wieder an das Gute im Spiel glauben dürfen? An die Romantik des Europapokals, wie er in der Erinnerung weiterlebt? Dellas, 2004 noch Otto Rehhagels Koloss von Rhodos, könnte zum Zyklopen von Zypern werden und zum Entzücken der Fußballromantiker womöglich wieder einmal der Stürmerelite das Fürchten lehren.

Gibt es den „Kasernenhofboden“ noch?

Und vielleicht findet sich auf Zypern ja noch der legendäre Fußballplatz, auf dem sich die deutsche Nationalmannschaft 1968 beinahe großartig blamiert hätte. Bundestrainer Helmut Schön, im Jahr zuvor nach einem 0:0 gegen Albanien in Tirana als bislang einziger DFB-Trainer an der Qualifikation für ein Europameisterschafts-Endturnier gescheitert, bezeichnete den graslosen, knochenharten und mit Steinen übersäten Hartplatz in der Hauptstadt Nikosia einst jedenfalls als „Kasernenhofboden“.

Ein solches Geläuf bräuchten die tapferen Spieler des wegen der Teilung der Insel in den siebziger Jahren von Famagusta nach Larnaka umgesiedelten Klubs womöglich im Kampf gegen die richtig Großen des Kontinents. Gegen Schalke 04 hätte wahrscheinlich schon der weit weniger holprige Rasen genügt, auf dem Jogi Löws Team vor zwei Jahren in der EM-Qualifikation ein schmeichelhaftes 1:1 erspielte. Aber Schalke spielt ja nicht in der Champions League.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: REUTERS

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