Fußball-Skandal in Italien

Juve, Mailand, Lazio und Florenz vor Gericht

Keine neuen Enthüllungen, nur ein paar dürre Zeilen

Keine neuen Enthüllungen, nur ein paar dürre Zeilen

22. Juni 2006 Nach dem 2:0-WM-Triumph gegen Tschechien folgte die kalte Dusche für den italienischen Fußball: Im Skandal um Liga-Manipulationen müssen sich die Vereine Juventus Turin, AC Mailand, Lazio Rom und AC Florenz vor dem Sportgericht verantworten.

Insgesamt gebe es 30 Beschuldigte, darunter die zurückgetretenen Juve-Manager Luciano Moggi and Antonio Giraudo, verlautete am Donnerstag abend in Rom. Zugleich erklärte Liga-Präsident Adriano Galiani (AC Mailand), der ebenfalls unter den Beschuldigten ist, seinen Rücktritt.

Keine Einzelheiten - keine Namen

Die Verfahren unter anderem wegen „Sportvergehen“ sollen bereits kommende Woche beginnen und in erster Instanz noch vor dem Ende der WM am 9. Juli abgeschlossen werden. Den hauptbeschuldigten Vereinen droht als schwerste Strafe der Zwangsabstieg in die dritte Liga, heißt es inoffiziell in Rom. Neben den verbandsinternen Ermittlungen fahndet auch die Staatsanwaltschaft in dem Skandal.

Einzelheiten über die Anklagen wurden am Donnerstag zunächst nicht bekannt. In den italienischen Medien herrschte darüber offene Enttäuschung. „Man hat eine Liste mit Namen und Vergehen der Beschuldigten erwartet“, sagte ein TV-Kommentar. „Stattdessen gab es nur acht dürre Zeilen in der Erklärung des Verbandes.“ Angeblich wolle der Verband die Privatsphäre der Beschuldigten schützen, hieß es.

Der Skandal rückte in die zweite Reihe

Unterdessen blühten die Spekulationen: Italienischen Medien hatten im Vorfeld immer wieder schwere Strafen an die Wand gemalt. Neben dem Zwangsabstieg aus der Serie A drohe dem hauptverdächtigen Verein Juve die Aberkennung der Meistertitel der beiden letzten Jahre und damit auch Ausschuß aus der Champions League. Alles in allem allerdings dominierte im italienischen Fernsehen am Donnerstag abend eindeutig die Freude über den Einzug ins WM-Achtelfinale - der Skandal rückte in die zweite Reihe.

Der Skandal war vor gut einem Monat über den italienischen Fußball hereingebrochen. Im Zentrum der Ermittlungen wegen Liga- Manipulationen steht Rekordmeister Juve und dessen ehemaligen Manager Luciano Moggi. Er soll auch über Jahre hinweg die Entscheidungen beeinflußt haben, welche Schiedsrichter wichtige Juve-Spiele pfeifen. Auch Nationaltrainer Lippi sowie mehrere Nationalspieler wurden verhört. Es heißt, Moggi solle unter anderem Sonderbehandlungen für Juve-Spieler in der Nationalmannschaft gefordert haben. Die Prozesse sollen in erster Instanz spätestens am 9. Juli abgeschlossen werden - der Tag des WM-Endspiels.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: REUTERS

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