Fußball-Kommentar

Schalker Zickzackkurs zum Zwischenziel

Von Thomas Klemm

06. März 2008 Als letzter Bundesliga-Vertreter in der Champions League hat sich der FC Schalke 04 in den vergangenen Tagen wie der erstbeste Botschafter des deutschen Fußballs gefühlt; allerdings weiß selbst nach dem glücklichen Erfolg von Porto niemand so recht, welche Botschaften eigentlich von den „Königsblauen“ ausgehen: dass ein Treffer im Hinspiel und jede Menge Glück reichen können, um das Achtelfinale in der europäischen Königsklasse gegen einen in allen Belangen überlegenen Gegner zu überstehen?

Oder dass man einen Trainer getrost so lange kleinreden kann, bis sogar ein Zittersieg wie der große Befreiungsschlag daherkommt? Oder dass es eigentlich völlig gleichgültig ist, wie sich ein Klub nach außen hin darstellt, solange nur der sportliche Erfolg einkehrt? Den schlechtesten aller Schlüsse, die Schalke 04 nach dem sportlichen Überraschungserfolg in Portugal ziehen könnte, wäre jener, dass ein Sieg alle Mittel heilige.

Die rechte Hand Schusenbergs weiß nicht, was die linke tut

Obwohl nun unter die besten acht Mannschaften Europas eingezogen, zeugte das Schalker Auftreten in den vergangenen Tagen beileibe nicht von Champions-League-Reife. Die Kakophonie der „Königsblauen“ war groß, eine Selbstbeschränkung, wie sie die Profis in Porto spielerisch zeigten, hätte auch der allzu redseligen Klubführung gutgetan. Doch vor allem Präsident Josef Schnusenberg arbeitete mit lauter unbedachten Wortmeldungen daran, den angeschlagenen Trainer Mirko Slomka von Tag zu Tag weiter zu schwächen.

Selbst eine gemeinsame Aussprache am vergangenen Sonntag, die als vertrauensbildende Maßnahme verkauft wurde, hielt Schnusenberg nicht davon ab, seine Treue zum Trainer zwei Tage später schon wieder zu relativieren; und das, während zur gleichen Zeit ein paar Meter weiter Manager Andreas Müller den „Schulterschluss“ aller Beteiligten lobte. Die rechte Hand des Präsidenten weiß offenbar nicht, was die linke gerade tut.

Keinerlei Verlässlichkeit in den eigenen Reihen

Dabei hat Schnusenberg gute Gründe auf seiner Seite, die Arbeit des Trainers – intern – zu kritisieren. Die Mannschaft hat sich unter Slomka, der sich selbst noch als „Lernender“ sieht, in dieser Saison keinen Deut weiterentwickelt; im Gegenteil, als Tabellensechste der Bundesliga hinkt sie den eigenen Ansprüchen deutlich hinterher. Auch dass der einst über Nacht vom Co-Trainer zum Chef beförderte Slomka seiner Mannschaft ständig einen Systemwechsel abverlangt, sorgt nicht gerade für Verlässlichkeit in den eigenen Reihen.

Mit seinen taktischen Eingebungen hat er zuletzt sogar seinen Kapitän Marcelo Bordon irritiert, der in der Mannschaft bisher als mächtiger Fürsprecher des Trainers galt. Dass Nationalstürmer Kevin Kuranyi dem Trainer nach seiner Auswechslung den Handschlag verweigerte, zählt auch zu den vielen kleinen Auffälligkeiten, durch die die Autorität des Trainers angekratzt wird.

Sollte sich der Schalker Schlingerkurs in den kommenden Wochen fortsetzen, dann wird es vermutlich den einen oder anderen bald aus der Bahn werfen. Die Mannschaft hat in Porto noch die Kurve gekriegt; ob der Trainer in dieser Saison die Ziellinie erreicht, ist trotz aller Beteuerungen noch längst nicht ausgemacht. Dass der Zickzackkurs noch ein Weilchen anhält, das ist wohl die einzige Botschaft, die derzeit von Schalke 04 ausgeht.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

 
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