Von Christian Kamp
16. Juli 2008 Kurios muten beide Fälle an - zumindest auf den ersten Blick: Da ist einmal der Fußballtrainer Klaus Toppmöller, der ein mögliches Engagement als tschechischer Nationalcoach platzen lässt, weil er sich nicht auf eine Verbandsabstimmung zwischen ihm und den beiden anderen Kandidaten einlassen mag.
Und da ist der Fußballtrainer Mirko Slomka, dessen Karriereschritt auf den Posten des österreichischen Teamchefs nicht gelingt, weil sein Klub Schalke 04, bei dem er noch bis Juni 2009 unter Vertrag steht, ihm nicht die Freigabe erteilt. So lauten zumindest die Begründungen, die die beiden Fachkräfte aus Deutschland in diesen Tagen verbreiteten. Aber scheitert daran wirklich ein Vertragsabschluss? Man sollte meinen: Nein.
Toppmöller oder die Frage, wer wem abgesagt hat?
Toppmöller hat selbst schon angedeutet, dass auch andere Punkte eine Rolle gespielt haben: die Frage des Wohnsitzes und die Hoheit über die Besetzung der Assistentenstellen. Kleinigkeiten eigentlich für jemanden, der einen attraktiven Job vor Augen hat (und gerade aus dem fernen Georgien zurück ist). Dass dies dennoch die Knackpunkte waren, wie der tschechische Verband bestätigte, lässt schon eine gesunde Einschätzung zu, wer hier wem abgesagt haben dürfte.
Der Trainer Toppmöller jedenfalls ist trotz seiner (inzwischen schon etwas welken) Erfolge mit Leverkusen gewiss nicht in einer Verhandlungsposition, die ihn sämtliche Bedingungen unwidersprochen diktieren ließe. Gut möglich, dass der Sechsundfünfzigjährige, der sich von der Klubebene längst verabschiedet hat, die Entwicklung bald bereut.
Slomka kann es sich vielleicht leisten
Slomka auch? Da darf man sich nicht so sicher sein. Es ist tatsächlich, wie er sagte, relativ selten, dass ein junger Trainer so eine Anfrage - als Nationaltrainer zu arbeiten - erhält. Doch das Unternehmen, Österreich gegen Frankreich, Rumänien und Serbien zur WM 2010 nach Südafrika zu führen, ist, so viel hat die vergangene Europameisterschaft gezeigt, mehr Risiko als Chance.
Ob Slomka das nachbarschaftliche Engagement vielleicht gar nicht mit letzter Konsequenz angestrebt hat? Dass Slomka die Vertragsauflösung auf Schalke trotz des neuen Jobs noch mit einer (vertraglich nicht vorgesehenen) Abfindung versüßt haben wollte, lässt jedenfalls vermuten, dass Österreich für ihn nicht zuletzt eine Frage des Preises war. Und der muss so hoch gewesen sein, dass Schalke sich nicht einmal das nun noch zu zahlende Jahresgehalt von geschätzt 1,1 Millionen Euro sparen mochte.
Slomka kann es sich, anders als Toppmöller, vielleicht leisten. Es sollte nicht allzu lange dauern, bis ein unverbrauchter und zugleich erfahrener Mann wie er einen anderen begehrenswerten Posten in Aussicht hat - womöglich sogar einen, bei dem sich die Preisfrage gar nicht erst stellt. Doch der Versuch, den Schwarzen Peter für die Absage (in diesem Fall kam sie tatsächlich von ihm selbst) allein Schalke zuzuschieben, verriet keinen guten Stil. Ob andersherum die Schalker Verantwortlichen diesen gewahrt haben, als sie den einst hochgeschätzten Slomka erst vertrösteten und dann - nach dessen Empfinden - schroff abblitzen ließen, ist ein ganz anderes Thema.
Text: F.A.Z.