Blatter: „Beste WM aller Zeiten“

Ein Sommermärchen veränderte Deutschland

Sommer 2006: Deutschland eine Fanmeile

Sommer 2006: Deutschland eine Fanmeile

Das Sommermärchen Fußball-WM hat das Land der Dichter und Denker grundlegend verändert. Nach den Finalspielen der 18. Weltmeisterschaft steht der triumphale Erfolg der zweiten WM-Endrunde auf deutschem Boden nach 1974 außer Zweifel. „Dies ist die beste Weltmeisterschaft aller Zeiten. Noch nie ist ein Event so emotional und global dargestellt worden“, lobte Fifa- Präsident Joseph S. Blatter das Turnier der Superlative, das Deutschland vier Wochen in einen Fußball-Rausch versetzte.

Millionen Fans nahmen Anteil an dem Großereignis, es lieferte den Beweis dafür, daß auch die Deutschen begeisternd, ausgelassen und vor allem friedlich feiern können. „Es hat alles gepaßt. Bei den Fanfesten haben unterschiedliche Rassen und Religionen nebeneinander gestanden. So stellt sich der Liebe Gott die Welt vor, auch wenn wir in der Realität noch 100.000 Jahre davon entfernt sind“, resümierte Franz Beckenbauer, Präsident des deutschen WM-Organisationskomitees.

Auch der Sommer kam pünktlich

„Die Welt zu Gast bei Freunden“ - wohl noch nie wurde ein WM-Motto so überzeugend umgesetzt. Freundlichkeit, Fröhlichkeit und Kreativität wurden aller Orten gelebt. Weit über 32 Milliarden TV-Zuschauer weltweit nahmen Notiz von der größten Image- und Werbekampagne, die Deutschland je erlebt hat. „Kaiser Franz“ Beckenbauer hat sich dabei als Macher der WM 2006 in Deutschland endgültig ein Denkmal gesetzt, nachdem er als Kapitän der Weltmeistermannschaft von 1974 und Teamchef der Weltmeistertruppe von 1990 schon markante Triumphe vorzuweisen hatte.

Die Art und Weise, wie die WM organisiert und durchgeführt wurde, setzte Maßstäbe. „Alles hat gepaßt“, bilanzierte Beckenbauer und wies auch auf das Wetter hin: „Mit dem Eröffnungsspiel ist der Sommer eingezogen, nachdem wir vorher noch im Wintermantel rumgelaufen sind und die Schneefallgrenze bei 800 Metern lag“ - sicherlich auch ein Mosaiksteinchen im deutschen WM-Erfolgsgefüge.

„In die Herzen gespielt“

Ein weiteres wichtiges war das Auftreten der deutschen Nationalmannschaft. Die Ankündigung von Bundestrainer Jürgen Klinsmann bei seinem Amtsantritt knapp zwei Jahre zuvor („Wir wollen Weltmeister werden“) war keine Phrase. Mit begeisterndem Offensivfußball lösten Ballack und Co. nie erwartete Begeisterungswellen von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen aus. Selbst das Halbfinal-Aus gegen Italien, der zerstörte Traum vom vierten WM-Triumph, tat der Stimmung keinen Abbruch.

Bundespräsident Horst Köhler sprach den deutschen Anhängern mit seinem Fazit aus der Seele: „Es hat nicht gereicht - aber Sie haben sich trotzdem in die Herzen der Deutschen gespielt.“ Auch Kanzlerin Angela Merkel wurde während des deutschen Sommermärchens zum richtigen Fußball-Fan und empfing eine Abordnung der DFB-Auswahl im Bundeskanzleramt. „Sie haben sich um Deutschland unendlich verdient gemacht“, lobte Merkel. Das Auftreten der Nationalmannschaft habe Vorbildcharakter. Die „Klinsmänner“ sorgten im ganzen Land für eine Aufbruchsstimmung, die man den Deutschen als ständigen Nörglern und Pessimisten kaum noch zugetraut hatte.

Es ging auch um viel Geld

Die Milliardeninvestitionen in die WM erwiesen sich als gut angelegt. Für 1,5 Milliarden Euro wurde zwölf Stadien neu gebaut oder renoviert, 3,7 Milliarden Euro flossen in die Infrastrukturmaßnahmen. Das ursprünglich auf 430 Millionen Euro kalkulierte Budget des deutschen WM-OK wurde dank der nahezu 100prozentigen Stadionauslastung um 20 Millionen übertroffen.

Aber auch der Bund profitierte im Gegenzug. „Wir haben 40 Millionen Euro an Mehrwertsteuer bezahlt, 7,4 Millionen an Lohnsteuer und 6,5 Millionen an Sozialversicherung. Und wir haben die Forderung unseres Ehrenpräsidenten Egidius Braun erfüllt, für die Finanzierung der WM keine Steuergelder in Anspruch zu nehmen“, betonte der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger. Insgesamt sollen durch die WM 85.185 Arbeitsplätze geschaffen worden sein.

Darüber hinaus verlief die WM trotz großer Befürchtungen im Vorfeld in punkto Sicherheit reibungslos. „Bei der WM wurde der Beweis erbracht, daß Fröhlichkeit und Sicherheit nicht im Gegensatz zueinander stehen, sondern sich gegenseitig bedingen“, resümierte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. Das Sicherheitskonzept ging, die Zusammenarbeit mit ausländischen Polizeidelegationen funktionierte reibungslos. Englische und polnische Hooligans wurden frühzeitig aus dem Verkehr gezogen. Die meisten Probleme bereiteten einige wenige deutschen Randalierer, aber auch diese Splittergruppen konnten die gute WM-Stimmung nicht trüben.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa und sid
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, picture-alliance/ dpa, REUTERS

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