Kader-Nominierung

Der DFB kreißte auf dem Berg und gebar eine Maus

Von Thomas Klemm

18. Mai 2008 Spätestens seit Jürgen Klinsmann Bundestrainer wurde, denkt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in den größten Dimensionen. Es wird nicht mehr gekleckert, nun wird gekickt und geklotzt. So lud der DFB früher, als Fußball noch ein Spiel und kein Event war, in seine Zentrale im Frankfurter Stadtwald, um seinen EM-Kader zu verkünden.

Damals genügte die S-Bahn, am Freitag mussten alle Geladenen in die Seilbahn steigen, um auf der Zugspitze an einer Show teilzunehmen, die die Mediendirektion des DFB monatelang ausgetüftelt hatte. Alles andere sei "nicht mehr zeitgemäß", verkündete der Verband.

Fußball können sie besser als Show

Und dann? Der DFB kreißte auf dem Berg, und er gebar eine Maus. Monatelang wurde geplant, tagelang geprobt, aber niemand schien bemerkt zu haben, dass ein Mediendirektor kein Showmaster ist und dass der Trainertisch zu kurz war für fünf Offizielle, so dass sich Teammanager Bierhoff an den Rand quetschen musste.

Der Regieplan umfasste neun Seiten, aber was folgte, war eine dröge Dramaturgie wie aus den siebziger Jahren, als Rudi Carrells Sendung "Am laufenden Band" ein Quotenknüller war. Statt Konsumgüter zogen diesmal Kinder in DFB-Trikots vorüber, und merken musste sich das Publikum nicht Staubsauger, Toaster oder Fragezeichen, sondern die Namen der Nominierten. Der Verband macht auf modern, seine Außendarstellung bleibt bieder. Die Botschaft des DFB nach der Bergshow hat auch etwas Tröstliches: Fußball können wir besser.




Text: F.A.S.
Bildmaterial: ddp

 
Aktuell keine Veranstaltungen
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche