16. Oktober 2008 Dem teils glanzvollen 2:1 gegen Russland (siehe auch: FAZ.NET-Spezial: Alles zum 2:1 gegen Russland) folgte das hart erkämpfte 1:0 gegen Wales (siehe auch: 1:0 gegen Wales: Trochowskis Schussgewalt gegen walisische Zerstörungswut). Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft geht in ihrer Gruppe als Tabellenführer in die Winterpause der WM-Qualifikation. Bundestrainer Joachim Löw sprach im Interview nach dem Arbeitssieg von Mönchengladbach über Torschütze Trochowski, die Ausgangssituation mit Blick auf Südafrika und Bankdrücker Frings.
Wie beurteilen Sie den knappen Sieg?
Zunächst einmal möchte ich ein Fazit zu beiden Spielen gegen Russland und Wales ziehen: Es war unser Ziel, sechs Punkte zu erreichen aus den Heimspielen und eine gute Basis für das nächste Jahr zu schaffen. Ich wäre vor dem Spiel gegen Wales jede Wette eingegangen, dass es ein knappes Ergebnis gibt. Ich wusste, dass die Waliser in der Lage sind, dem Gegner das Leben wahnsinnig schwer zu machen. Ich habe vorher gesagt, wir müssen planvoll handeln, nicht mit dem Kopf durch die Wand. Wir haben das Spiel absolut verdient gewonnen.
Der Erlöser war Piotr Trochowski mit seinem Tor. Was ist der Grund für seine rasante Entwicklung?
Seine Entwicklung beurteile ich positiv. Er war bei uns immer schon ein guter Fußballer, aber er hatte es nicht geschafft, sein ganzes Potential auch im Spiel zu zeigen. Er hat in dieser Saison mehr Selbstvertrauen. Es ist imponierend, mit welcher Ballsicherheit er mit Philipp Lahm auf der linken Seite spielt. Es ist ihm zu gönnen, dass er jetzt auch einmal ein Tor erzielt hat, und dann auch noch das entscheidende. Aber beide Außenbahnen waren stark. Auch Bastian Schweinsteiger hat immer wieder kluge Sachen gemacht. Aber Trochowski hat einen klaren Sprung nach vorne gemacht, auch in der Nationalmannschaft. Er ist ein absoluter Leistungsträger geworden.
Was haben Sie ihm nach der EM, wo er nicht spielte, gesagt?
Ich habe mit ihm ein längeres Gespräch geführt. Ich habe ihm klar gemacht, an was er noch arbeiten kann und was ich von ihm sehen möchte, nämlich, dass er seine Aktionen zum Abschluss bringt; der letzte Pass, der Torabschluss. Er hat rechts wie links eine klasse Schusstechnik. Er ist unmittelbar am Abschluss beteiligt.
Wie beurteilen Sie vor der Winterpause die Situation in der Gruppe?
Es ist schon einiges passiert. Wir haben jetzt eine längere Qualifikationspause bis März. Das gibt uns die Möglichkeit, in den Testspielen wie gegen England dem einen oder anderen Spieler, der jetzt nicht gespielt hat, eine Chance zu geben. Ich denke, die Bilanz ist mit drei Siegen und einem Unentschieden absolut zufriedenstellend. Wir haben zehn Punkte, wir sind Tabellenführer.
Torsten Frings hatte schon nach dem Russland-Spiel einen dicken Hals. Haben Sie noch mal mit ihm gesprochen, weil er wieder draußen sitzen musste? Und wenn ja, wie hat er das aufgenommen?
Ich habe noch einmal grundsätzlich mit ihm gesprochen. Ich habe ihm meine Wertschätzung mitgeteilt. Logischerweise sind Spieler unzufrieden, wenn sie nicht spielen, aber das ist eine Situation, die ich möchte. Torsten Frings hat knapp 80 Länderspiele gemacht, er hat trotz allem einen hohen Stellenwert. Torsten Frings ist für mich als Trainer wichtig. Er hat sich vorbildlich verhalten. Ich weiß, dass er seine Leistung noch bringen kann und bringen wird. Jetzt muss er diese Pille eben auch mal schlucken. Ich setze weiter auf ihn.
Was waren für Sie die erfreulichsten Erkenntnisse der letzten zehn Tage mit der Mannschaft?
Eine erfreuliche Erkenntnis war, dass die Mannschaft vom ersten Tag an eine wahnsinnig gute Einstellung hatte. Die Mannschaft hat gebrannt, das Feuer hat man gespürt. Es ist einiges passiert, nicht nur die Geschichte Kuranyi. Es war zu spüren, wir wollen eine gute Basis für die WM schaffen. Jeder von uns will zur WM. Es gab die Situation mit Kevin Kuranyi, es gab einige Härtefälle, aber die Spieler haben das weggesteckt. Die mentale Stärke war gut, nach dem Russland-Spiel auch dieses Spiel zu gewinnen.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: dpa