Stimmen zur EM-Auslosung

„Das ist ein großes Los für uns“

02. Dezember 2007 Während Deutschland mit Polen, Kroatien und Österreich eine vermeintlich leichte EM-Vorrundengruppe erwischt hat, treffen Frankreich, Italien und die Niederlande schon zu Beginn des Turniers aufeinander. Die Reaktionen bei FAZ.NET:

Bundestrainer Joachim Löw: „Ich bin froh, dass wir nicht in die Gruppe C gekommen sind. Ansonsten sind die anderen Gruppen sehr ausgeglichen. Die Kroaten haben England eliminiert. Polen kennen wir noch aus dem WM-Spiel, wie schwer wir uns getan haben und gegen den Gastgeber zu spielen ist immer ein Highlight. Österreich spielt mit der ganzen Nation im Rücken, das ist nicht zu unterschätzen. Wir haben gute Chancen, die nächste Runde zu erreichen. Egal gegen welchen Gegner wir spielen, so nehmen wir es. Die Reihenfolge der Spiele spielt keine Rolle. Wir müssen uns da durchsetzen. Das Vorbereitungsspiel gegen Österreich werden wir trotzdem machen. Es sind dann ja noch vier Monate Zeit bis zum Turnier. In der Gruppe C treffen die Top-Mannschaften Europas aufeinander. Da wird es schwer, sich durchzusetzen. Ich bin froh, dass wir da nicht zugelost wurden.“

Oliver Bierhoff (DFB-Teammanager): „Bei einer EM-Endrunde hat man immer starke Gegner, aber wir haben natürlich die Daumen gedrückt. Frankreich und Holland wären natürlich Hammergegner gewesen. Polen war bei der WM das wohl wichtigste Spiel. Es war ein Befreiungsschlag und hat der Mannschaft einen Schub gegeben. Außerdem hat es die Bindung zu den Zuschauern geschaffen. Und Polen hat damals auch gezeigt, was es für eine gute Mannschaft hat. Wir sind gewarnt. Kroatien ist ein unangenehmer Gegner, meiner Meinung nach auf dem Papier der stärkste. Die Kroaten haben gute Fußballer, die Leidenschaft, Herzblut und Vaterlandstreue mitbringen. Wir rechnen mit einem kampfbetontem und aggressiven Spiel. Die Kroaten werden ein starkes Selbstbewusstsein haben, nicht zuletzt durch den Sieg im eigentlich bedeutungslosen letzten Spiel in England. Österreich ist von der spielerischen Qualität her die schwächste Mannschaft in der Gruppe. Österreich hat Probleme im Fußball, aber den Heimvorteil. Mit Blick auf die Euphorie ist das erste Spiel besonders wichtig für Österreich.“

Josef Hickersberger (Teamchef Österreich): „Das ist ein großes Los für uns. Wir hoffen auf eine ähnliche Euphorie in Österreich, wie sie Deutschland 2006 bei der WM im eigenen Land hatte.“

Andreas Herzog (Co-Trainer Österreich): „Deutschland ist in unserer Gruppe Favorit, wir rechnen uns aber auch etwas aus und möchten auf jeden Fall auch Deutschland schlagen, dass das schwierig wird, ist uns klar. Wir rechnen uns insgeheim schon gute Möglichkeiten aus. Wir waren in den letzten Jahren und Jahrzehnten nicht erfolgreich und das muss auch mal wieder aufhören. Wir rechnen uns gegen Polen und Kroatien gute Chancen aus.“

Andreas Ivanschitz (Kapitän der österreichischen Nationalmannschaft): „Deutschland ist in der Gruppe natürlich haushoher Favorit. Viele in Österreich haben sich Deutschland als Gegner gewünscht, da freuen sich alle, aber es ist natürlich ein sehr schweres Los. Für uns wird viel von unserem Eröffnungsspiel abhängen. Aber ich rechne mir im Kampf um den zweiten Platz in unserer Gruppe schon Chancen aus.“

Alfred Gusenbauer (österreichischer Bundeskanzler): „So haben wir uns die Gruppe nicht gewünscht, aber das Spiel gegen Deutschland findet fast auf den Tag genau 30 Jahre nach dem Wunder von Cordoba statt. Ich hoffe, die Leidenschaft und die Erinnerung werden uns helfen. Die Chance lebt. Angesichts der Gruppe C sind wir noch gut davongekommen.“

Slaven Bilic (Nationaltrainer Kroatien): „Wir haben sehr viel Respekt vor den Deutschen, aber wir haben eine gute Mannschaft, voller Qualität. Wir können gegen jede Mannschaft in Europa spielen und werden gut sein.“

Leo Beenhakker (Trainer Polen): „Es ist eine große Ehre für uns gegen den Gastgeber zu spielen. Da herrscht immer eine besondere Atmosphäre. Deutschland eines der besten Teams der Welt und Kroatien hat eine fantastische Qualifikation gespielt. Das wird eine große Herausforderung für uns, aber wir lieben Herausforderungen.“

Marco van Basten (Trainer Niederlande): „Das ist eine sehr schwere Gruppe. Es geht immerhin gegen die beiden Finalisten der letzten Weltmeisterschaft, Italien und Frankreich. Das sind große Fußball-Nationen, die über eine sehr große Erfahrung verfügen.“

Roberto Donadoni (Trainer Italien): „Eine Europameisterschaft ist nie leicht. Man kann sich die Gegner halt nicht aussuchen, wir müssen es so nehmen.“

Raymond Domenech (Nationaltrainer Frankreich): „Es gibt sicher Trainer, die jetzt glücklicher sind. Italien und Holland sind Mannschaften, denen ich gerne ausgewichen wäre. Aber jetzt ist es eben so.“

Marcello Lippi (Italiens Weltmeistertrainer): „Bei der WM- Auslosung hatten wir Glück, diesmal ein bisschen weniger, aber das macht nichts. Italien ist stark, wir sollten gelassen bleiben. Wenn alle Spieler fit sind, haben wir gegen keinen Gegner Probleme.“

Otto Rehhagel (Nationaltrainer Griechenland): „Alle Mannschaften, die sich qualifiziert haben, sind erstklassig, somit werden also alle Spiele schwer. Jetzt zu spekulieren bringt nichts, wichtig ist nur, dass ich meine Leute gesund an den Start bringe, dann wird man weitersehen. Und was 2004 war, zählt nicht mehr hier, die EM findet 2008 statt.“

Guus Hiddink (Nationaltrainer Russland): „Gegen Griechenland habe ich schon gespielt, als ich noch australischer Teamchef war. Es gibt zwar keinen Außenseiter in dieser Gruppe, aber ich denke, die anderen drei Teams sind froh, dass sie uns als Gegner haben. Doch uns genügt die Qualifikation nicht, wir wollen auch hier überraschen und ins Viertelfinale kommen.“

Jean-Pierre Escalettes (Präsident französischer Fußballverband): „Natürlich wird jetzt hier wieder von einer Todesgruppe geredet, aber die anderen 12 Mannschaften werden auch sehr motiviert zu dieser EM kommen. Von daher ist es egal, gegen wen wir spielen müssen. Das ist eben eine Auslosung, es kommt, wie es kommt. Wir bleiben in der Kontinuität. Wir haben gegen Italien das WM-Finale bestritten und treffen in der Qualifikation für Südafrika auf Rumänien.“

Markus Weissenberger (Österreich/Eintracht Frankfurt): „Wir hatten in Österreich gehofft, Deutschland zu bekommen, das natürlich Favorit ist vor Kroatien. Wir und die Polen, mit denen ich uns auf Augenhöhe sehe, sind die Außenseiter. Vielleicht können wir im Auftaktspiel gegen Kroatien für eine Überraschung sorgen. Wir spekulieren darauf, dass Deutschland seine ersten beiden Spiele gewinnt und dann vielleicht seine Stars gegen uns schonen wird.“

Ioannis Amanatidis (Griechenland/Eintracht Frankfurt): „Wir haben eine relativ ausgeglichene Gruppe erwischt, in der Spanien eine leichte Favoritenrolle einnimmt. Es erinnert mich an die EM 2004, als wir auch Spanien und Russland in der Gruppe hatten. Wenn wir eine ähnliche Leistung abrufen wie 2004, dann werden wir unser erstes Ziel Zwischenrunde erreichen.“

Christoph Spycher (Schweiz/Eintracht Frankfurt): „Unsere Gruppe ist sehr ausgeglichen und verheißt spannende Spiele. Mit dem Heimvorteil können wir etwas reißen. Die Türkei ist nicht unbedingt mein Wunschgegner, aber man sollte sich nicht mehr mit den Ereignissen der Vergangenheit beschäftigen.“



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa

 
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