Italiens Fußballskandal

Die Chronologie einer beispiellosen Manipulationsaffäre

Die Täter: Moggi, Giraudo, Mazzini (oben, vlnr), Pairetto, De Santis, Carraro (unten, vlnr)

Die Täter: Moggi, Giraudo, Mazzini (oben, vlnr), Pairetto, De Santis, Carraro (unten, vlnr)

16. Juli 2006 Der erste Schock über die Urteile im italienischen Manipulationsskandal ist verdaut, nun kämpfen Juventus Turin, Lazio Rom und der AC Florenz mit aller Macht gegen den beschlossenen Zwangsabstieg. Eine Chronik der Ereignisse von FAZ.NET.

3. Mai: Italienische Zeitungen veröffentlichen Abhörprotokolle von Telefongesprächen des Sportdirektors von Juventus Turin, Luciano Moggi, mit dem früheren Schiedsrichter-Koordinator Pierluigi Pairetto. Daraus geht hervor, daß in der Saison 2004/2005 mehrere Spiele in der Serie A manipuliert wurden.

8. Mai: Franco Carraro, der Präsident des italienischen Fußball-Verbandes, reicht seinen Rücktritt ein.

11. Mai: Insgesamt neun Vereine der Serie A und B geraten in den Verdacht der Absprache, darunter Juventus Turin, AC Mailand, Lazio Rom und AC Florenz. Der Aufsichtsrat von Juventus tritt zurück.

12. Mai: Die Polizei durchsucht die Zentralen des Verbandes und der Schiedsrichtervereinigung. Nationaltrainer Marcello Lippi gerät in Verdacht, Spieler zu begünstigen, die bei der Agentur GEA seines Sohnes Davide unter Vertrag standen.

13. Mai: Nationaltorhüter Gianluigi Buffon wird von der Turiner Staatsanwaltschaft vernommen. Er wird beschuldigt, illegale Wetten abgeschlossen haben. Der italienische Schiedsrichter Massimo De Santis wird von der WM in Deutschland ausgeschlossen.

16. Mai: Wirtschaftsexperte Guido Rossi aus Mailand wird zum kommissarischen Verbandspräsidenten ernannt.

18. Mai: Die Steuerfahndung durchsucht die Geschäftsstelle von Juventus Turin. Auch die Wohnungen des Nationalmannschaftskapitäns Fabio Cannavaro und des früheren Juventus-Geschäftsführers Antonio Giraudo werden inspiziert.

24. Mai: Der Turiner Staatsanwalt Bruno Tinti prüft die Bilanzbücher von insgesamt 71 Profiklubs. Der Verdacht auf Bilanzfälschung und Steuerbetrug lastet auf 16 der 18 Klubs der Serie A, darunter Juventus, Milan, Florenz und Lazio. Die Ermittlungen gegen die übrigen Klubs wurden von den Verfahren gegen die "großen Vier" abgekoppelt und dauern an.

26. Mai: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Lippis Sohn Davide.

30. Mai: Die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen gegen den Klubpräsidenten und Hauptaktionär von Lazio Rom, Claudio Lotito, auf.

3. Juni: Cannavaro und der französische Juventus-Stürmer David Trezeguet werden von der römischen Staatsanwaltschaft als Zeugen vernommen.

14. Juni: Die Staatsanwaltschaft von Neapel nimmt Ermittlungen gegen den Präsidenten des Berufungsgerichts des Verbands, Cesare Martellino, auf. Er wird beschuldigt, auf Druck von Moggi Urteile zugunsten von Juventus gefällt zu haben.

22. Juni: Untersuchungsrichter Stefano Palazzi beschließt die Aufnahme von Verfahren gegen Juventus Turin, den AC Mailand, den AC Florenz und Lazio Rom sowie gegen 26 Einzelpersonen. Liga-Chef Adriano Galliani tritt zurück.

27. Juni: Gianluca Pessotto, früherer Nationalspieler und Generalmanager von Juventus Turin, unternimmt in Turin offenbar einen Selbstmordversuch. Die Gründe sollen jedoch privater Natur sein.

28. Juni: Fabio Capello, Trainer von Juventus Turin, wird von der Staatsanwaltschaft in Rom vernommen.

29. Juni: In Rom beginnt der Hauptprozeß im Wett- und Manipulationsskandal.

5. Juli: Capello verläßt Juventus und wechselt zu Real Madrid. Sein Nachfolger wird der Franzose Didier Deschamps.

7. Juli: Justizminister Clemente Mastella fordert eine Amnestie für die beschuldigten Personen und Vereine.

9. Juli: Italien wird Weltmeister. Forderungen nach Amnestie werden lauter.

13. Juli: Silvio Berlusconi, früherer Ministerpräsident und Klub-Chef des AC Mailand, verlangt den Meisterschaftsbeginn in alter Besetzung und den Verzicht auf Zwangsabstieg der verdächtigten Klubs.

14. Juli: Juventus Turin, der AC Florenz und Lazio Rom werden nach dem Urteil des Sportgerichts mit dem Zwangsabstieg in die Serie B bestraft. Juventus verliert die Meistertitel 2005 und 2006. Dem AC Mailand bleibt der Gang in die Zweitklassigkeit erspart, dem Klub werden aber rückwirkend 44 Punkte für die Saison 2006 abgezogen. Zahlreiche Funktionäre werden mit Berufsverboten zwischen einem und viereinhalb Jahren belegt.

Bildmaterial: dpa

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