Andrej Arschawin

Der Zar des Petersburger Fußballs

Von Gregor Derichs

24. April 2008 Richtig ins Schwärmen geraten sind sie, die Verantwortlichen von Bayer Leverkusen, obwohl sie doch eine bittere Niederlage hinnehmen mussten. Aber wie dieser Andrej Sergejewitsch Arschawin am 3. April beim 1:4 im Viertelfinal-Hinspiel des Uefa-Pokals in Leverkusen aufgetrumpft hatte, das war schon überragend.

Mit dem 4:1 legte der russische Meister den Grundstein für den Einzug in das Halbfinale, in dem er es an diesem Donnerstag in der Allianz-Arena mit dem FC Bayern München zu tun bekommt (20.45 Uhr / Live bei Premiere, Sat.1 und im FAZ.NET-Liveticker). „Arschawin ist unglaublich schnell und technisch sehr stark. In dieser konterstarken Mannschaft war er der Beste“, sagte Bayer-Trainer Michael Skibbe.

Euro-Nominierung trotz seiner Klasse ist ungewiss

Arschawin gilt als der Zar des Petersburger Fußballs. Kein russischer Fußballprofi verdient mehr. Mit einem Gehalt von 3,7 Millionen Dollar übertrifft er seinen im Ausland beschäftigten Kollegen Alexander Kerschakow. Zusammen mit dem Angreifer von Uefa-Pokalsieger FC Sevilla und Roman Pawljtschenko von Spartak Moskau wird Arschawin als bester russischer Stürmer eingestuft. Der 1,72 Meter große Wirbelwind wäre eigentlich ein Mann, um bei der Europameisterschaft für Furore zu sorgen.

Reich, bekannt, erfolgreich - Arschawin feiert sein Tor in der BayArena Bayer freute sich auf ein Halbfinale gegen die Bayern - es kam anders In Leverkusen führten die Russen die Hausherren beim 1:4 vor Träumen vom Uefa-Cup-Finale: St. Petersburgs Trainer Dick Advocaat Kein Ort für schöne Fußballspiele? Das Stadion von Zenit Wie sich die Zeiten ändern: Ende 2004 traf Zenit im Uefa-Cup noch auf Alemann...

Doch trotz seiner unbestrittenen Klasse ist seine Nominierung ungewiss. Im letzten Qualifikationsspiel in Andorra (1:0) sah er wegen einer dummen Tätlichkeit die Rote Karte. Damit ist er bei den EM-Spielen gegen Spanien und Griechenland gesperrt und wäre erst in der letzten Gruppenbegegnung gegen Schweden spielberechtigt. Guus Hiddink, der Nationaltrainer der Russen, hat es bisher offengelassen, ob er Arschawin nominieren wird. Als Kapitän komme er jedenfalls für längere Zeit nicht mehr in Frage.

Kein Schwung auf dem eigenen Rasen

Während die Leverkusener nach der Sternstunde von Zenit den meist über die Außenpositionen angreifenden Stürmer und dessen Kollegen Pawel Pogrebnjak mit Anerkennung überhäuften, machte Trainer Dick Advocaat auf die äußeren Umstände aufmerksam.

Er lobte das Spielfeld in Leverkusen, das englischen Maßstäben standhalten könnte. „Auf diesem Rasen konnten wir unser Spiel sehr gut entfalten“, sagte auch Arschawin. Im eigenen Stadion kommt die Angriffsmaschinerie oft nur schwer in Schwung. St. Petersburg wurde in den Sumpf des Newa-Deltas gebaut, das betagte, 21.500 Zuschauer fassende Petrowsky-Stadion liegt auf einer kleinen Insel in einem der Arme der Newa, besonders an feuchten Tagen ähnelt der Rasen im Stadion einem Schlammfeld. Ihr schnelles, technisch anspruchsvolles Spiel können die Petersburger vermutlich besser im Münchner Hinspiel entfalten als zu Hause.

Arschawins Verbleib in St. Petersburg ist ungeklärt

33 Länderspiele hat Arschawin in der „Sbornaja“ bestritten. Im Mai 1981, als die Stadt noch Leningrad hieß, wurde er geboren. Er hat die straffe sportliche Ausbildung der Sowjetunion als Kind noch durchlaufen. Als Zenit im November 2007 erstmals nach 23 Jahren wieder Meister wurde, hatte er zehn Treffer dazu beigetragen. Nächste Saison tritt das Team in der Champions League an, womit weitere Duelle gegen den FC Bayern München möglich werden. Ob Arschawin nächste Spielzeit noch für Zenit spielen wird, ist indes unsicher. Tottenham, Arsenal und Newcastle haben ihr Interesse an einer Verpflichtung schon offiziell bekundet, auf 14 Millionen Euro wird sein Transferwert taxiert.

„Wenn ich jetzt nicht gehe, werde ich bei Zenit sterben“, sagte Arschawin, der sich politisch engagiert, gerne öffentlich auftritt und ein Studium als Modedesigner abgeschlossen hat. Der Typ mit der Nummer 10 auf dem Trikot, der 2005 und 2006 zu Russlands Fußballer des Jahres gewählt wurde, ist die Galionsfigur von Zenit. Geld, um seinem Wunsch nach einer ordentlichen Gehaltssteigerung nachzukommen, hat der Verein genug. Dank des Energiekonzerns Gasprom beträgt der Jahresetat rund 40 Millionen Euro. Mit dem Bezug eines neuen, 60.000 Besucher fassenden Stadions soll das Budget sogar noch wachsen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp, picture-alliance/ dpa, picture-alliance/ dpa/dpaweb, REUTERS

 
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