DFB-Pokalfinale

Nach den frühen Schocks siegt Frankfurt souverän

19. April 2008 Der 1. FFC Frankfurt hat am Samstag zum siebten Mal den DFB-Pokal der Frauen gewonnen und den ersten Schritt zum angestrebten zweiten Triple nach 2002 gemacht. Die Seriensieger bezwangen Außenseiter 1. FC Saarbrücken in Berlin nach mühevoller erster Halbzeit sicher mit 5:1 (1:1). Vor 20.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion erzielten Petra Wimbersky (22.), Conny Pohlers (51., 59.), Kerstin Garefrekes (54.) und Birgit Prinz (75.) die Treffer für den Sieger. Natalie Budge hatte die Saarbrücker nach vier Minuten in Führung gebracht.

Nach ihrer zehnten Finalteilnahme nacheinander soll nun mit dem Gewinn der Meisterschaft und dem Uefa-Cup im Finale gegen Schwedens Team Umea IK die Saison für den 1. FFC im „goldenen Mai“ ihre Krönung erfahren. Allerdings müssen die Frankfurterinnen den Schlussspurt ohne Renate Lingor bestreiten, die nach einem Foul unglücklich gefallen war.

Trotz des Sieges: Sorgen um verletzte Renate Lingor

Die Weltmeisterin zog sich in der zweiten Halbzeit eine schwere Schulterverletzung zu und musste vom Platz getragen werden. Nach ersten Untersuchungen handelt es sich bei der Blessur um einen Schlüsselbeinbruch. Das erklärte Trainer Hans-Jürgen Tritschoks. Damit wird die 32-Jährige wohl in den beiden Endspielen um den Uefa- Cup gegen Umea IK am 17. und 24. Mai fehlen. Zudem muss sie um ihre Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Peking bangen.

In der 12. Minute war Renate Lingor noch mit einem Foulelfmeter an Saarbrückens Torfrau Romina Holz gescheitert. „Wir haben keinen Grund, den Gegner leicht zu nehmen“, hatte Trainer Hans-Jürgen Tritschoks noch unmittelbar vor dem Match seine Spielerinnen eingeschworen. Seine mit Weltmeisterinnen gespickte Top- Mannschaft startete auch offensiv und hatte bereits nach Sekunden nach einem Lattentreffer von Conny Pohlers die Riesenchance zum 1:0, doch Schiedsrichterin Daniela Schneider gab den Treffer nicht, weil aus ihrer Sicht der Ball nicht im vollen Umfange die Linie überschritten hatte.

Petra Wimbersky trifft nach schönem Pass zum Ausgleich

Doch fast im Gegenzug der Schock für Frankfurt, als Natalie Budge nach vier Minuten das überraschende 1:0 für den Underdog erzielte. Kapitän Nadine Keßler hatte das Tor mit einem glänzenden Pass in den freien Raum vorbereitet. Erwartungsgemäß bestimmte der 1. FFC danach optisch das Geschehen, entwickelte aber vor dem Tor zunächst nur wenig Gefährlichkeit.

So dauerte es nach Lingors Elfmeter-Fehlschuss bis zur 22. Minute, ehe Petra Wimbersky der Ausgleich gelang. Nach schönem Doppelpass lupfte sie den Ball über die Saarbrücker Torhüterin ins Netz. Kurz vor der Pause verschärfte der Favorit noch einmal den Druck, doch wieder war es Natalie Budge, die einen Kopfball von Pohlers von der Linie holte. Sechs Minuten nach dem Wechsel war es dann aber die Torjägerin vom Dienst, die mit ihrem Kopfball-Tor die Führung des Favoriten besorgte.

Birgit Prinz schraubt das Resultat in „normale“ Höhen

Damit brach sie den Bann: Die Treffer von Weltmeisterin Kerstin Garefrekes nur zwei Minuten später und ein weiterer Abstauber von Pohlers stellten die Weichen endgültig in Richtung Pokalsieg. Auswahl-Kapitän Birgit Prinz schraubte das Resultat schließlich in standesgemäße Höhen. „Jetzt wollen wir unbedingt das Triple“, sagte Petra Wimbersky. Und Conny Pohlers meinte: „Der Anschiss des Trainers in der Pause hat Wirkung gezeigt.“

Das junge Team des Bundesliga-Achten aus dem Saarland, das mit einem Durchschnittsalter von knapp 19 Jahren die Zukunft vor sich hat, war das erstmalige Erreichen des Pokal-Finales bereits der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Da die am Kreuzband verletzten Stammspielerinnen Meike Dinger und Stephanie Kaiser ersetzt werden mussten, hatte der von Anbeginn defensiv eingestellte Außenseiter vor allem in der zweiten Halbzeit große Probleme, die permanenten Angriffe der Frankfurterinnen abzuwehren.

„Die Enttäuschung hält sich heute in Grenzen“

„Ich habe auch nach dem verschossen Elfmeter immer gedacht, dass wir noch gewinnen“, sagte Birgit Prinz sichtlich gelassen: „Es war noch früh im Spiel, und wir sind es gewohnt, Rückstande umzubiegen. Wenn es in der 80. Minute gewesen wäre, dann wäre ich vielleicht nervös geworden.“ Auch die Saarbrücker Torfrau Romina Holz war trotz der am Ende deutlichen Niederlage zufrieden. „Wir haben alles gegeben und gezeigt, was wir können. Ich bin stolz auf meine Mannschaft“, sagte Holz.

„Die Enttäuschung hält sich heute in Grenzen“, sagte Saarbrückens Trainer Guido Mey. „Vielleicht haben wir beim Halbzeitstand von 1:1 angefangen zu träumen. Aber dann hat uns Frankfurt ganz schnell in die Wirklichkeit zurückgeholt. Vom Spiel her bin ich nicht unzufrieden, höchstens von Ergebnis.“ Sein Frankfurter Kollege Hans-Jürgen Tritschoks meinte: „Die leichten Aufgaben sind meistens die schwersten, das hat man auch heute gemerkt. Der Gegner wuchs vor der Pause über sich hinaus. In der zweiten Halbzeit haben wir aber dann annähernd das gespielt, was unser Anspruch ist. Im Endeffekt sind wir verdient als Sieger vom Platz gegangen.“

DFB-Pokalfinale der Frauen in Berlin:

1. FC Saarbrücken - 1. FFC Frankfurt 1:5 (1:1)
Saarbrücken:
Holz - Kraus (74. Meyer), Hinsberger (70. Leykauf), Henning, Blank - Wagner, Karnbach, Keßler, Budge - Marozsan, Schwab (76. Arend). - Trainer: Mey
Frankfurt: Rottenberg - Kliehm, Tina Wunderlich, Lewandowski, Krieger - Garefrekes, Thomas, Lingor (73. Weber), Wimbersky (73. Smisek) - Prinz, Pohlers. - Trainer: Tritschoks
Schiedsrichterin: Daniela Schneider (Limbach)
Tore: 1:0 Budge (4.), 1:1 Wimbersky (22.), 1:2 Pohlers (50.), 1:3 Garefrekes (54.), 1:4 Pohlers (59.), 1:5 Prinz (75.)
Zuschauer: 20.000
Gelbe Karte: Henning
Besonderes Vorkommnis: Holz hält Foulelfmeter von Lingor (12.)



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, ddp, dpa, REUTERS

 
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