12. Januar 2007 Fußball-Popstar David Beckham verlässt Real Madrid und geht mit seiner Ehefrau Victoria in die Vereinigten Staaten. Becks unterschrieb am Donnerstag einen Fünfjahresvertrag beim zweimaligen amerikanischen Meister Los Angeles Galaxy und kehrt Spanien im Sommer den Rücken; ab August geht er für Galaxy auf Punktejagd.
Real hat mich aufgefordert, eine Entscheidung über meine Zukunft zu fällen und mir ein Angebot über einen Vertrag bis 2008 vorgelegt. Aber nach Rücksprache mit meiner Familie und trotz der Optionen, zu einem großen europäischen oder englischen Verein zu wechseln, habe ich mich für Los Angeles entschieden, erklärte der englische Nationalspieler, der in Südkalifornien eine Sportakademie besitzt.
Weißes Ballett hat ausgetanzt
Beckham kam mit dem Wechsel zum Champion der Major League Soccer (MLS) von 2002 und 2005 einer weiteren Degradierung durch General Fabio Capello zuvor. Unter dem italienischen Real-Coach hatte Beckham seinen Stammplatz im weißen Ballett genannten Millionenensemble verloren und war zuletzt aus dem Kader für das Pokal-Achtelfinale gegen Betis Sevilla am Donnerstag gestrichen worden.
Nach den desolaten Auftritten des Achtelfinal-Gegners von Bayern München in der Champions League bei Deportivo La Coruna (0: 2) und gegen Recreativo Huelva (0:3) versucht der in die Kritik geratene Trainer Capello auf Kosten prominenter Namen die Wende herbeizuführen und seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Wir haben zuletzt unseren Siegeswillen verloren, sagte Capello, der auch Ronaldo sowie Antonio Cassano und Michel Salgado vorerst abservierte. Flankengott Beckham wurde zum Bauernopfer.
Mit Beckham blieb Real ohne Titelgewinn
Beckhams spektakulärer Transfer zu Real für 35 Millionen Euro von Manchester United hatte 2003 in Madrid für unvergleichliche Hysterie und Euphorie gesorgt. Trikots mit der Nummer 23 gingen zu Zehntausenden über die Ladentische der Hauptstadt, der 31-Jährige hielt gemeinsam mit Victoria und seinen Kindern Brooklyn, Romeo und Cruz die spanische Boulevardpresse in Atem. Becks stieg endgültig zur Fußball-Ikone auf.
Sportlich lief es an der Seite von Weltstars wie Zinedine Zidane, Ronaldo, Luis Figo, Roberto Carlos und Co. jedoch desolat. Real spielte zwar immer an der Spitze mit, verlor die Vorherrschaft in Spanien und Europa aber an den Erzrivalen und amtierenden Champions-League-Sieger FC Barcelona. Mit Beckham blieb Real ohne Titelgewinn.
Rückkehr der Operettenliga
Auch in der Nationalmannschaft blieb Beckham, dem von der Yellow Press auf der Insel die Schuld am Scheitern Englands bei der WM 1998 und der EM 2004 gegeben wurde, der große Erfolg verwehrt. Am 2. Juli 2006 gab der 94-malige Auswahlspieler die Kapitänsbinde ab. Englands neuer Teammanager Steve McClaren verzichtete als Nachfolger von Sven-Göran Eriksson seit dieser Saison auf die Dienste des Real-Asses.
Die MLS, einst als Operettenliga verschrien, kehrt mit dem spektakulären Transfer zu ihrem alten Erfolgsmodell zurück. In den 70er Jahren hatten Stars wie Franz Beckenbauer, Pele und Gerd Müller einen Fußball-Boom in den Staaten ausgelöst, der jedoch schnell wieder verebbte. Beckham, der es dem niederländischen Fußball-Genie Johan Cruyff (einst Los Angeles Aztecs) gleichtut, könnte jetzt für eine Soccer-Renaissance sorgen.
Ronaldo nach Saudi-Arabien?
Ohne Beckham ist der vor der Saison von Juventus Turin als Heilsbringer gekommene Capello in Madrid mehr denn je zum Siegen verdammt. In den Medien wird bereits über mögliche Nachfolger spekuliert, am häufigsten fallen die Namen Vicente del Bosque, der den Klub zwischen 2000 und 2003 zu sieben Titeln geführt hatte, sowie von Chelsea-Trainer Jose Mourinho. Capello aber will um seine Zukunft kämpfen: Ich werde jetzt noch mehr Herz in die Arbeit legen. An einen Rücktritt habe er noch nicht gedacht, nicht mal für den Bruchteil einer Sekunde.
Die Kluft zwischen Stars und Trainer wird auf jeden Fall immer größer. Auch wenn Capello glaubt, dass die Mehrheit der Spieler nach wie vor hinter ihm als Trainer stehe, scheint der Rausschmiss von Beckham und Co. nicht bei allen Profis gut anzukommen. Wir sind eine Mannschaft. Mich ärgert es, dass eine schwarze Liste existiert, sagte Linksverteidiger Roberto Carlos. Der frühere Weltfußballer Ronaldo klagte: Ich bin es leid, dass man nicht mehr mit mir plant. Nach Medienberichten soll ihm bereits ein lukratives Angebot von Al-Ittihad in Dschidda aus Saudi Arabien vorliegen.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa, sid
Bildmaterial: AFP, AP, ddp, dpa, REUTERS