Von Daniel Schleidt
01. Oktober 2007 Es gab keine Autokorsos, keine Riesenleinwände und auch keine siegestrunkenen Fans, die am Sonntag jubelnd durch die Stadt gezogen wären. Auch die schwarz-rot-goldenen Fahnen, die vor einem Jahr aus Anlass der Erfolge der Männer-Nationalmannschaft aus vielen Fenstern hingen und an zahlreichen Autos wehten, wurden kaum gesichtet. Nein, der Hype“, den die Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land und der dritte Platz der deutschen Männer im vergangenen Jahr verursacht haben, blieb zum Titelgewinn der Fußballfrauen aus.
Dennoch hat der Frauenfußball im Land mit der Titelverteidigung einen großen Schritt nach vorn getan. Dass rund 15.000 Menschen am Montagabend die Weltmeisterinnen auf dem Frankfurter Römerberg empfingen, zeugt von der Anerkennung, die ihnen mittlerweile allenthalben entgegengebracht wird. Birgit Prinz, Renate Lingor und Co. haben mehr erreicht als nur“ die Weltmeisterschaft: Sie haben wichtige Aufbauarbeit geleistet für den Frauenfußball, der in Deutschland zwar nach und nach hoffähiger wird, aber an Bedeutung und Außenwirkung dem der Männer noch weit nachsteht.
Gute Chancen für eine WM 2011 in Deutschland
Immerhin sind inzwischen die Namen der Spielerinnen vielen Sportfans schon ein Begriff, die Medienpräsenz ist merklich gestiegen, das Interesse der Öffentlichkeit ebenso. Das Finale am Sonntag erreichte im Fernsehen einen Marktanteil von beachtlichen 50 Prozent, in Spitzenzeiten verfolgten knapp zwölf Millionen Zuschauer den 2:0-Sieg der Mannschaft gegen Brasilien.
Das nationale Zentrum dieses Aufschwungs liegt in Frankfurt. Sechs deutsche Meisterschaften, sechs DFB-Pokalsiege, zwei Erfolge im Uefa-Cup: Der 1. FFC Frankfurt ist der erfolgreichste Klub im deutschen Frauenfußball. Darüber hinaus ist er auch in jeder Hinsicht ein Prototyp der Liga, der in Sachen Professionalisierung immer wieder in die Rolle des Vorreiters schlüpft. Der Verein des umtriebigen Managers Siegfried Dietrich war in China mit Birgit Prinz, Renate Lingor, Sandra Smisek und Kerstin Garefrekes gleich mit vier Spielerinnen in der Stammelf vertreten – und ist damit eine wichtige Stütze der Nationalelf. Man muss folglich kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass der WM-Triumph dem Frankfurter Frauenfußball einen weiteren Schub verleihen wird. Die Türen der regionalen Wirtschaft dürften dem Klub nach dem Titel wieder ein Stückchen weiter offen stehen als zuvor, die Jugendmannschaften werden erhöhten Zulauf verzeichnen, und wenn der FFC am Sonntag bereits zum nächsten Bundesligaheimspiel ruft, werden sicherlich mehr Zuschauer ins Stadion am Brentanobad kommen als gewöhnlich.
Eine Entscheidung gibt es, die für den Fußball hierzulande wohl noch bedeutender wäre als dieser Titelgewinn: Wenn die Fußball-WM 2011 nach Deutschland vergeben würde. Die Chancen dafür sind gut. Und vielleicht werden dann auch die Siege der Frauen-Nationalelf mit Autokorsos und Fahnen gefeiert.
Text: F.A.Z.