Von Christian Eichler
14. Mai 2008 Seit der Uefa-Cup die Zweitverwertung gescheiterter Champions-League-Teilnehmer übernehmen muss, hat er an sportlicher Integrität eingebüßt. Eine Mannschaft, die zu schlecht war, die Vorrunde im Kampf um den großen Europapokal zu überstehen, wird dafür belohnt, indem sie den kleinen gewinnen darf - wie 2002 Feyenoord Rotterdam oder 2005 ZSKA Moskau.
So wäre es auch diesmal, sollten die Glasgow Rangers (als Gescheiterte der Champions League und Uefa-Cup-Quereinsteiger im Februar) den Pokal gewinnen, gegen Zenit St. Petersburg, das sich seit September brav durch alle Runden gearbeitet hat. Dann aber wäre das Finale um den Uefa-Cup (heute live bei Sat.1, Premiere und im FAZ.NET-Liveticker) nichts anderes mehr als das Spiel um Platz 17 in Europa, der anders als die Ränge zwei bis 16 mit einem Pokal belohnt wird - einmalig im Sport.
Ein großer Moment, aber wohl kein Trost
Viele nennen den Wettbewerb deshalb einen "Trostpreis". Aber ist er das wirklich? Man sollte mit dem Wort vorsichtig umgehen, wenn man die Lebensgeschichte zweier Final-Spieler kennt.
Die von Jean-Claude Darcheville, 32-jähriger Franzose im Glasgower Sturm. Er verlor Frau und Kind vor zehn Jahren bei einem Autounfall. Und die von Konstantin Zirianow, 30-jähriger Mittelfeldspieler von Zenit - seine Frau sprang mit der vierjährigen Tochter vor sechs Jahren aus dem achten Stock. Einer der beiden wird den Uefa-Cup gewinnen. Es wird für ihn der größte Moment als Fußballspieler sein. Ein Trostpreis aber wohl nicht.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP
