11. Juni 2007 Nach abermaligen Ausschreitungen in Ostdeutschland wird der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit Forderungen nach drakonischen Strafen für Problemvereine bis hin zum Ausschluss aus dem Spielbetrieb konfrontiert. Am Mittwoch will Klaus Reichenbach, Präsident des Sächsischen Fußball-Verbandes, mit DFB-Chef Theo Zwanziger in Frankfurt über entsprechende Maßnahmen diskutieren. Am selben Tag beginnt in Leipzig der erste Prozess gegen Hooligans, die bei Ausschreitungen im Februar in Leipzig 39 Polizisten verletzt hatten.
Diese Forderungen nach solchen Strafen gibt es bei der Mehrheit der Fußballfamilie, und DFB-Präsident Zwanziger selbst hat entsprechende Maßnahmen schon einmal für das Regelwerk ins Gespräch gebracht. Die Geldstrafen treffen die Vereine, aber sie bewegen bei den gewaltbereiten Tätern nichts. Diese Ausschreitungen schaden nicht nur dem Fußball, sondern ganzen Regionen wie Ostdeutschland, sagte Reichenbach dem Sport-Informations-Dienst (sid).
Weiß nicht mehr, wie wir das stoppen können
Er hatte als Zeuge miterlebt, wie es am Rande des sächsischen Landespokal-Finales zwischen dem Regionalligisten Dynamo Dresden und der Reserve des Zweitligisten Erzgebirge Aue (2:0) erneut zu Krawallen gekommen war. Nach dem Schlusspfiff stürmten Dresdner Fans das Spielfeld, bei den nachfolgenden Auseinandersetzungen mit der Polizei gab neben Sachschäden mehrere Verletzte. Reichenbach kündigte eine Sportgerichtsverhandlung an, bei der nach der derzeitigen Situation wohl aber nur eine Geldstrafe herauskommen werde.
Viele Menschen packen ihre ganze Freizeit in den Fußball, und dann wird es in ein paar Minuten von solchen Chaoten zunichte gemacht, meinte Reichenbach, der ab 1. Juli als Pilotprojekt einen eigenen Sicherheitsbeauftragten einstellen will. Trotzdem ist er mit Blick auf die Gewalt ratlos: Ich weiß nicht mehr, wie wir das stoppen können, das wird von bestimmten Fangruppen fast wie ein Kriegsspiel organisiert. Wir können doch nicht bei unterklassigen Spielen auf fünf bis zehn Zuschauer einen Polizisten stellen. Erst in der vergangenen Woche war ein Fußballverein aus dem sächsischen Wurzen mit einer Spielsperre bestraft worden, nachdem es bei einem Spiel der C-Jugend rassistische Vorfälle gegeben hatte.
Problemvereine Dresden und Lok Leipzig
Als besonders gewaltbereit gelten die Fans des früheren Bundesligiaklubs und achtmaligen DDR-Meisters Dynamo Dresden - zuletzt hatte es sogar eine Hetzjagd von vermummten Chaoten gegen die eigenen Spieler gegeben. Der DFB hatte nach diversen Ausschreitungen neben Geldstrafen schon einmal die Drohung nach einem Punktabzug ausgesprochen. Der Traditionsverein ist damit quasi vorbestraft. Dynamo-Geschäftsführer Volkmar Köster gab nach den Ausschreitungen in Aue zu, einfach ratlos zu sein.
Als zweiten Problemverein neben Dynamo Dresden (Es ist so traurig, weil da so eine tolle Jugendarbeit gemacht wird) nannte Reichenbach den in die Bezirksliga abgestürzten früheren Europacupfinalisten Lok Leipzig. Die Krawalle im Februar wurden vom sächsischen Verband nur mit einem Pokalspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit und 2000 Euro Geldstrafe geahndet. Die erste von bislang elf Anklagen der Staatsanwaltschaft wegen Landfriedensbruchs und versuchter schwerer Körperverletzung wird am Mittwoch vor dem Amtsgericht Leipzig verhandelt, weitere vier Termine sind für die Hooligan-Prozesse vorgesehen.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: ddp, dpa