FC Barcelona

Bojan Krkic: Mit Leichtigkeit in die Lücke

Von Paul Ingendaay

09. April 2008 Es fällt schwer, den Aufstieg von Bojan Krkic beim FC Barcelona nicht mit dem Abdanken der großen Figuren in Zusammenhang zu bringen. Soeben wird gemeldet, nicht nur der AC Mailand, sondern auch Manchester City seien an dem deprimierten, dauerverletzten Ronaldinho interessiert, und ernsthafte Gespräche von Ronaldinhos Bruder und Agent sollen bereits im Gange sein. Niemand glaubt mehr an eine Zukunft des Brasilianers bei Barça, und das bedeutet: Es ist viel Platz im Sturm, wo auch der alternde Thierry Henry nicht unumstritten ist. Im Lauf der Saison haben die Verletzungen der Stürmer Eto'o und Messi weitere Lücken gerissen.

In diese Lücken ist der siebzehnjährige Bojan Krkic Pérez, Sohn eines ehemaligen serbischen Spielers und Talentspähers, mit verblüffender Leichtigkeit hineingestoßen. Die spielerische Krise des Teams, der Autoritätsverlust von Trainer Rijkaard, die verbalen Ungeschicklichkeiten des Präsidenten Laporta, all das hat den Ruf nach einem Retter zum Chor anschwellen lassen. Was das Herz der Fans betrifft, ist ihnen ein katalanisches Eigengewächs natürlich am liebsten.

Als locke er Verteidiger absichtlich nach draußen

Im Umfeld des Klubs bewundert man den freundlich lächelnden Stürmer, den sie nur Bojan nennen, schon seit seiner frühen Jugend. Egal in welcher Kategorie, er war stets der Jüngste und schoss immer die meisten Tore, durchschnittlich etwa drei pro Partie. Die grobkörnigen Videos aus jener Zeit zeigen ein merkwürdiges Phänomen: Der kleinste Spieler weit und breit zieht den Ball an wie ein Magnet. Das ist in der Primera División so geblieben.

Die entscheidende Szene im Hinspiel: Bojan Krkic trifft zum 1:0 für Barcelona Dank von Trainer Frank Rijkaard während des Hinspiels in der Schalker Arena Krkic und Samuel Eto'o (r.) kommen auf gemeinsam 20 Tore in der Primera Division Im Gegensatz zu Thierry Henry (r.) gilt Krkic als Hoffnungsträger beim FC Bar... Noch verletzt: Lionel Messi

Bojan nutzt die ganze Breite des Feldes und holt sich die Bälle auch auf den Flügeln. Sein Gespür für den Raum ist so phänomenal, dass er den Pass des Mitspielers viel früher erahnt als der Gegner. Manchmal scheint es, als locke er die Verteidiger absichtlich nach draußen, um für Barças bevorzugtes Spiel Platz zu schaffen: hochtourig, mit vielen Ballkontakten, Doppelpässen und raschen Positionswechseln. Beim Vollenden schließlich besitzt er eine Kaltschnäuzigkeit, für die es kaum Parallelen gibt. Nicht einmal Raúl, der mit 17 Jahren bei Real Madrid debütierte und gerade seinen 290. Treffer in der Primera División erzielte, war in diesem Alter schon so weit.

Schalkes Verteidigung wirkte peinlich

Als Kostprobe genügt Bojans Tor gegen Villarreal im letzten Herbst. Es war das erste Ligaspiel, bei dem der damals 17 Jahre und 51 Tage alte Stürmer von Anfang an dabei war. Bojan Krkic fügte sich bei seinem Debüt so nahtlos ein, als stünde er schon jahrelang in der ersten Mannschaft. Durch geschicktes Freilaufen erwischte er einen Pass von Messi, ließ den Verteidiger stehen und traf mit einem trockenen Schuss ins kurze Eck. Es sah so einfach aus, wie es sich für Strafraumspieler gehört.

Die Aktion eines Instinkttäters, der keinerlei Eingewöhnungszeit beansprucht. Gemessen an seinen Spielminuten, ist Krkic in seiner ersten Profi-Saison bei weitem der erfolgreichste Stürmer seines Klubs. Auch die Verteidiger von Schalke 04, die es an diesem Mittwoch beim Champions League-Rückspiel wieder mit ihm zu tun haben, kennen den fixen 1,72-Meter-Mann inzwischen. Bei seinem Treffer zum 1:0 im Hinspiel schaltete Bojan Krkic so deutlich schneller als Schalkes Verteidigung, dass es peinlich wirkte.

Krkic und Messi: Die begabtesten Stürmer der Primera Division

Solange der argentinische Wunderstürmer Leo Messi verletzt ist, ruhen die Hoffnungen also auf ihm, Bojan Krkic. Und kommt Messi wieder, wird man eher von den "phantastischen Zwei" reden als von irgendetwas anderem. Dass beide klein sind, dribbel- und laufstark, ist nur ein verbindendes Merkmal.

Das andere ist, dass die beiden größten Sturmbegabungen der spanischen Liga behutsam gefördert und sorgfältig beobachtet, aber nie überfordert wurden. Bojan Krkic hat vorläufig einen Vertrag bis 2011. Die Ablösesumme beträgt 60 Millionen Euro. Manche in der Barça-Führungsetage dürften schon an einen Kontrakt denken, der ihn für den Rest seiner Karriere an den FC Barcelona bindet.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, ddp, picture-alliance/ dpa, REUTERS

 
Rubriken

Fußball-Übertragungen

Bundesliga scheitert mit TV-Plänen am Kartellamt

 
Video in voller Größe
Aktuell keine Veranstaltungen

Sollte im TV mehr „Randsport“ gezeigt werden?

Ergebnis
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche