Von Michael Horeni, Wien
07. Februar 2008 Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Im ersten Länderspiel des EM-Jahres siegte die deutsche Nationalmannschaft in Wien gegen Österreich 3:0. Thomas Hitzlsperger (53. Minute), Miroslav Klose (63.) und Mario Gomez (80.) gelangen die Treffer zu einem Sieg in einem lange schwachen deutschen Spiel, das erst nach der Pause die erhoffte Wendung nahm.
Vor der Pause wirkte das Team von Löw ohne Dynamik und Durchsetzungskraft mitunter sogar gegen ein österreichisches Team überfordert, dem die ganz große internationale Klasse nun schon seit einigen Jahren abhanden gekommen ist. Nach der glücklichen Führung aber setzte sich dann - auch unterstützt durch die Abschlussschwäche der EM-Gastgeber - dann doch immer mehr die größere individuelle Klasse der Deutschen durch.
Das Ergebnis spiegelt das Spiel nicht vollständig wider
Es wurde daraus am Ende sogar noch ein souveräner Sieg, nachdem es eine Stunde lang überhaupt nicht danach ausgesehen hatte. In den entscheidenden Momenten waren wir kaltschnäuziger als die Österreicher. Aber das Spiel war sehr holprig und gar nicht flüssig. Das Ergebnis spiegelt das Spiel nicht vollständig wider, sagte Mannschaftskapitän Michael Ballack.
Es dauerte nur neunzehn Sekunden, da hatten die EM-Gastgeber schon ihre erste Chance mit einem Torschuss abgeschlossen, ohne dass ein deutscher Spieler störend eingegriffen hätte. Was kollektiv spannungsarm begann, setzte sich individuell fort. Bastian Schweinsteiger verlor unkonzentriert den Ball in seiner ersten Aktion mit einem Fehlpass, danach verschluderte Michael Ballack ein Anspiel bei seinem ersten Ballkontakt nach seiner fast einjährigen Länderspielpause. Da war noch immer keine Minute rum - und nur ganz kurz später beging Manuel Friedrich bei seinem ersten Eingreifen einen Stellungsfehler, und die Österreicher kamen zu ihrer zweiten Chance.
Westermann sieht sich mehr Angriffen ausgesetzt als erhofft
Damit waren schon früh einige Komponenten für einen deutschen Fehlstart am künftigen EM-Endspielort zusammengekommen. Und tatsächlich nahm die Partie in der ersten Halbzeit genau den Verlauf, der sich nach wenigen Minuten angedeutet hatte. Die Auswahl von Löw konnte von Glück sprechen, dass sie zur Halbzeit nicht in Rückstand geraten war.
Die mit Friedrich als Innenverteidiger und Debütant Heiko Westermann auf der rechten Abwehrseite neu formierte Viererkette sah sich viel mehr Angriffen ausgesetzt, als ihr lieb sein konnte. Das mit den altbewährten, aber zuletzt lange verletzen Stammkräften Michael Ballack und Bernd Schneider besetzte Mittelfeld schaffte es im ersten Teil überhaupt nicht, die Partie gegen den Außenseiter und letzten Gruppengegner bei der EM-Vorrunde zu dominieren.
Österreich legt den Respekt vor dem WM-Dritten ab
Die Stürmer Miroslav Klose und Kevin Kuranyi blieben weitgehend auf sich allein gestellt und kamen bei dem enttäuschenden deutschen Auftritt bis zur Pause zu keiner einzigen Tormöglichkeit. Löw stand zunächst kopfschüttelnd und später dann auch gegen die Trainerbank tretend am Rand und konnte nicht fassen, wie nachlässig seine Spieler die erste Partie des Jahre angegangen waren.
Spätestens als Rene Aufhauser dem Münchner Bastian Schweinsteiger den Ball bei einem Zweikampf durch die Beine spielte, hatten die Österreicher ihren Respekt vor dem WM-Dritten abgelegt. Nach gut zwanzig Minuten kamen sie zu ihren ersten Gelegenheiten, und Torwart Jens Lehmann wird sich wohl noch ein bisschen länger an seine drei Auftritte in der 22. Minute erinnern.
Lehmann patzt erst und ist dann schnell zur Stelle
Zunächst eilte er aus dem Strafraum und verschätzte sich um einige Meter. Martin Harnik legte den Ball an ihm vorbei, und den Schuss von Roland Linz auf das verlassene Tor konnte Per Mertesacker in höchster Not noch abwehren. Danach griff der Ersatz-Torwart von Arsenal London bei zwei Ecken im Sekundentakt vorbei. Erst kam er gegen Linz zu spät, dann gegen den Bremer Harnik, dessen Kopfball an der Latte landete. Sieben Minuten später allerdings war Lehmann wieder erstklassig zur Stelle, als Christian Fuchs frei vor ihm auftauchte.
Er wehrte den Ball reaktionsschnell mit dem Fuß ab. In der 40. Minute wäre dann auch Lehmann machtlos gewesen, wenn Aufhauser nach einem schönen Angriff den Ball aus fünf Metern genauer getroffen hätte. So verpasste er die Führung nur knapp. Der Applaus des entzückten Publikums war den aggressiver auftretenden Österreichern dennoch gewiss.
Löws Signale zeigen Wirkung im deutschen Spiel
Zählbares brachte aber nur der Favorit zustande. Die erste gelungene Aktion nach dem Wechsel wurde auch gleich mit der deutschen Führung belohnt. Eine Kopfballabwehr der Österreicher nach einer Flanke Westermanns landete bei Thomas Hitzlsperger, dessen Schuss aus zwanzig Metern zwischen zwei Österreichern den Weg genau in die Torecke fand. Die 1:0-Führung in der 53. Minute war ein unverdienter Lohn für lange nur halbherzige Bemühungen. Aber der Treffer bedeutete die Wende. Löw reagierte nach knapp einer Stunde und brachte Mario Gomez und Lukas Podolski für Schneider und Kuranyi ins Spiel.
Das Signal zeigte schnell Wirkung. Nach einem schönen Angriff über Ballack erzielte Klose in der 63. Minute das 2:0. Die Österreicher kämpften zwar weiter, doch der Glaube, gegen den großen Favoriten bestehen zu können, schwand zusehends. Als Mario Gomez schließlich auch noch der dritte Treffer glückte, war das für die EM-Gastgeber ein sehr ernüchterndes Ergebnis - und für die Deutschen trotz aller Schwächen ein doch noch sehr vorzeigbares Ergebnis.
Österreich - Deutschland 0:3 (0:0)
Österreich: Manninger (AC Siena/30 Jahre/26 Länderspiele) - Prödl (Sturm Graz/20/7), Stranzl (Spartak Moskau/27/43), Pogatetz (FC Middlesbrough/25/24) - Standfest (Austria Wien/27/28), Aufhauser (Red Bull Salzburg/31/49 - 70. Prager/SC Heerenveen/22/13), Säumel (Sturm Graz/23/8), Ivanschitz (Panathinaikos Athen/24/36), Fuchs (SV Mattersburg/21/15) - Linz (SC Braga/26/28 - 82. Kavlak/Rapid Wien/19/4), Harnik (Werder Bremen/20/6 - 74. Kienast/Ham-Kam Fotball/23/5)
Deutschland: Lehmann (FC Arsenal/38/52) - Westermann (FC Schalke 04/24/1), Mertesacker (Werder Bremen/23/40), Manuel Friedrich (Bayer Leverkusen/28/9 - 74. Hilbert/VfB Stuttgart/23/8), Lahm (Bayern München/24/38) - Schneider (Bayer Leverkusen/34/81 - 53. Podolski/Bayern München/22/45), Ballack (FC Chelsea/31/78 - 87. Rolfes/Bayer Leverkusen/26/8), Hitzlsperger (VfB Stuttgart/25/31 - 82. Jones/FC Schalke 04/26/1), Schweinsteiger (Bayern München/23/48) - Klose (Bayern München/29/73), Kuranyi (FC Schalke 04/25/45 - 53. Gomez/VfB Stuttgart/22/8)
Schiedsrichter: Dondarini (Italien)
Zuschauer: 48.500
Tore: 0:1 Hitzlsperger (53.), 0:2 Klose (63.), 0:3 Gomez (80.)
Gelbe Karten: Aufhauser, Linz / Manuel Friedrich, Mertesacker, Ballack
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: ddp, dpa, REUTERS
