Skandalspiel in Istanbul

„Jeder mußte um sein Leben rennen“

Bildergalerie Die Türkei muß nach den Ausschreitungen in Istanbul mit empfindlichen Strafen rechnen. „Sicherheitsleute und türkische Spieler haben uns angegriffen“, sagte der Schweizer Nationalspieler Marco Streller nach dem WM-Qualifikationsspiel.

Lesermeinungen zum Beitrag

20. November 2005 23:31

Spiel Türkei-Schweiz

www www (cetinyildirim)


Ich habe versucht einige der Kommentare aufmerksam zu lesen. Vielle der Kritiken sind richtig und angebracht.

Was weniger angebracht ist, sind Ausführungen einiger, die zunächst mit dem spiel und den Ereignissen primär nichts zu tun haben.

Hier hat die Türkei fehler gemacht und muß dafür einstehen. Es ging hier um ein Fußballspiel. Zuständig für die Aufarbeitung ist die Euefa und die Fifa. Nur die sollten im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Bestrafung vornehmen.

Forderungen, wie die EU sollte die Verhandlungen aussetzen, haben nichts mit dem Spiel zu tun. Einige nehmen alles was in der Türkei passiert zu Anlaß um die EU Verhandlungen zu blockieren.

Wir sollten nicht alles in ein Topf werfen. Hier ging es um ein Spiel und die anschließende Eskalation. Nicht um die EU Mitgliedschaft der Türkei, das steht gewiss auf einem anderen Blatt.

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20. November 2005 03:17

Kritik und Selbstkritik

Teoman Saygin (Teo44)

Mit jedem Tag der vergeht, wird zum einen die Schande, die ich empfinde, immer größer. Zum anderen, werde ich jeden Tag von Deutschen in einem unverschämten Ton zur Rechtfertigung gezwungen, was mich an die Grenzen meiner Geduld bringt. Der Gedanke, das eine Handvoll Idioten ihr Verhalten auf die Schulter meiner Landsleute abwälzen werden, macht mich verrückt. Denn sie werden es sein, die tag täglich mit den steigenden Antipathien umgehen müssen.

Die ach so Atatürk-Treuen haben seine Werte am Ende doch verraten. Nach der Befreiung von Izmir vor 80 Jahren hat man die griechische Fahne auf dem Boden ausgeweitet, wie es einst der griechische König mit der Unsrigen getan hat, damit Atatürk drüber laufen kann. Er empörte sich und sagte, dass man Falsches nicht mit Falschem vergelten kann.

80 Jahre später haben wir es dennoch getan. Nicht die Geduld bestimmte unser handeln, sondern die Emotionen, die vom Trainer und Verbandspräsi entfacht wurden. So wie sich sicher viele Schweizer geschämt haben, als unsere Hymne ausgepfiffen wurde, haben wir Falsches mit Falschen vergolten und haben uns auch geschämt.

Ich hoffe die beteiligten Personen nie wieder in ihren jetzigen Posten sehen zu müssen.

PS:Guten morgen Leser Hr. Fischbach, WM 02 haben Deutsche Köln-City verwüstet! Augen auf!

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19. November 2005 18:11

An Herrn Weinmann 3: Handlungsempfehlungen

Kamuran Sezer (Scoob1)

Wie gesagt sind verbale Bekundungen kein effizientes politisches Mittel, um Probleme in einer Gesellschaft zu lösen. Oder wird die Arbeitslosigkeit in Deutschland bekämpft, in dem Politiker sagen: "So, liebe Unternehmen, wir sehen die Notwendigkeit, dass ihr Arbeitsplätze schafft. Also, macht es!" Nein, die Politik hat eine Reihe von Instrumenten, die unter die Kategorien "Richtlininen/Anweisungen", "Geld" und "Macht" zusammengefasst werden können. Bei der Umgestaltung des dt. Arbeitsmarktes, sozialen Sicherungssysteme usw. werden diese Instrumenten mehr oder weniger erfolgreich angewandt. Im Falle einer Integrationspolitik hingegen bleibt es oft bei Feststellungen: "Die Türken in Deutschland müssen die deutsche Sprache lernen!", "Die Türken sollten sich stärker am politischen Diskurs beteiligen." u.ä.

In meinen versch. Beiträge habe ich mich mehrfach an die Deutschen gewandt, daher möchte ich den Schlussteil an die Türken richten:

Der Nationbuilding-Prozess Atatürks ist vor langer Zeit abgeschlossen. Keine ernsthafte Kraft in der Welt will und wird die Türkei nicht teilen. Die Türkei ist längst ein souveräner Staat. Die Zerschlagung der Türkei ist ein paranoider Hirngespinst, dessen Wurzeln in der Gründung der modernen Türkei gelegt wurde, um Stabilität und Ordnung herzustellen. Entgegnet Provokationen mit kühler, selbstsbewußter und überzeugender Sachlichkeit. Nur mit Mitteln der pol. Auseinandersetzung können wir unsere Lebensqualität und unserer Kinder verbessern.

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19. November 2005 17:47

An Herrn Weinmann 2: Die Multi-Kulti-Gesellschaft ist nicht tot!

Kamuran Sezer (Scoob1)

Im ersten Beitrag habe ich versucht Ihnen eine andere Erklärung für die angeblich rassistische Grundhaltung der Türken zu geben. Das Fazit lautet: Die Türken in Deutschland und Europa fühlen sich ausgegrenzt und ihr türkischer Hintergrund ist die naheliegendste identitätsstiftende Quelle.

In Deutschland wird das Verhältnis der Türken und Deutschen polarisiert. Die Türken leben in einer Parallelgesellschaft (Danke, Herr Schröder!), außerdem sei der Traum einer multikulturellen Gesellschaft geplatzt (Danke, Herr Schily!). Ich danke auch Spiegel, Focus, FAZ, Rheinische Post, ARD und ZDF. Ich danke auch jenem Reporter vom Morgenmagazin, der vor dem Hintergrund eines möglichen Beitritts der Türkei in die EU aus der Türkei berichtet und folgenden Schlusssatz gesagt hat: Zumindest wären die Kurden in Sicherheit!

Die multi-kulturelle Gesellschaft ist nicht gescheitert. Tatsache ist, dass es in Europa geschweige denn in Deutschland jemals eine solche Gesellschaftsform gegeben hat. Türken und Deutschen lebten stets nebeneinander. Mit unbedeutend wenigen Ausnahmen gab es in Deutschland sowas wie eine Integrationspolitik nicht. Es waren bloß verbale Bekundungen. Ein gescheiter Politiker weiß, dass verbale Äußerungen kein effizientes Instrument zur Gestaltung einer Gesellschaft ist.

Die multikulturelle Gesellschaft ist nicht tot, sondern muss erst hergestellt werden. Aber wie?

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19. November 2005 17:10

An Herrn Weinbach 1: Das ist nicht Rassismus sondern Zweck-Nationalismus

Kamuran Sezer (Scoob1)

Hallo Herr Weinbach,

die "Mentalität der Türken" begründet sich nicht auf eine rassistische Grundeinstellung der Türken oder eines überzogenen Nationalismus - höchstens eines Zweck-Nationalismus!!

Unabhängig vom Spiel kann das Verhalten bzw. die Mentalität der Türken auf dem ersten Blick (!) als rassistisch bewertet werden. Aber ein genauer Blick in die Lebenswelt/-umstände der Türken insbesondere jener in Deutschland oder in Europa eröffnet ganz andere Perspektiven auf die Problematik und offenbart eine ganz andere Grundlage, auf der eine Diskussion über das Verhältnis zwischen Türken und Deutschen geführt werden muss.

Herr Weinmann, ein 1/3 von ca. 3,5 Mio. Türken in Deutschland lebt unterhalb des Existenzminimums, ein weiteres 1/3 gilt als arm. Die PISA-Studie führt vor, dass sehr viele türkische Jugendliche aus dem deutschen Bildungssystem ausgeschlossen werden.

Der Türke wird in den deutschen Medien als ein frauenschlagende, töchtereinsperrende/-ehrenermordende, kurdenfolternde, armeniervölkermordende
Barbar und Undemokrat dargestellt. Die Kern-Botschaft einer solchen Einstellung wird wahrgenommen als "Ihr seid anders! Ihr gehört nicht zu uns! Wir wollen euch nicht!" Der Türke entgegnet dann: "Wenn ihr uns nicht wollt, dann sind wir halt das, was uns niemand nehmen kann: Wir sind Türken! Ne mutlu Türküm diyene! - Froh ist der, der sich Türke nennt!"

- halt Zweck-Nationalismus!

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19. November 2005 00:28

ANGEBLICE zivilisation von europäern

mehmet gündogdu (eses)

liebe deusche,
Keine sorge für die EU mietgliedschaft der Türkei.ich als türke sterbe nicht für die verdorbene EU.ja sie haben in einem sinne recht, dass wir nicht zu EU gehören.wir haben einfach viel mehr Stolz und Ehre als Europäern .ausserdem ist EU für uns nicht so wichtig ,wie sie übertrieben haben.Wir haben sowieso seit jahren ekonomische beziehungen mit europa.keine angst davon,wenn eines tages die türkei in die Eu beitritt,stürmen die türken nicht nach deuschland. wir sind zufrieden mit unserem land.
was für eine rassistisch ausläderfeindliche darstellungen gibt es hier in forum. alle diese sind kaum zu fassen.
Die Türken sind seit 40 jahre in deuschland.es wurde bisher nie erreignisse wie in frankreich erlebt.obwohl die türken immer von den deuschen herabgesetzt wurde.

was mich eigentlich ständig nervt,sind die Arroganz und die Eitelkeit der europäern.sie machen niemals selbskritik ,sie haben immer recht.

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19. November 2005 00:15

???

Teoman Saygin (Teo44)

Vorweg, ich reagiere nur auf die Leserbriefe.
Was nach dem Spiel passiert ist, beschämt mich als Fußballfans. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen, der eine mehr, der andere weniger. Hoffe, die richtigen werden am Ende bestraft.

Aber die Parallelen sind absurd. Als Kölner weiß ich nur zu gut, welche Landsleute hier das Stadtzentrum nach dem WM Finale 2002 aufgemischt haben. Und die Leute, die die Stühle und Tische auf ihre Köpfe bekamen, noch besser als ich. Es waren die einzigen Ausschreitungen hier!

Daher können die verpeilten Kreuzritter vielleicht mal das Visier hochklappen und realisieren, dass das Ausscheiden der Türken bei der WM sie vor gar nichts bewahren kann.

Und das die EU-Beitrittgegner Gewehr-bei-Fuß bereitstehen ist auch klar. Die Frage ist nur, ob sie diese fundierte;-),weitreichende und vernichtende Kritik über Herkunft, Kultur, Gesellschaft etc. ausüben, wenn der Böse mal aus Ihren Reihen kommt. Man hat ja sein Feindbild.

Schade, grad in der WM in Deutschland hätte ich die Türken gerne gesehen. Nun sind es die Schweizer, Viel Glück ihnen.

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18. November 2005 21:45

An Herrn Sezer: Medien und Minderheiten

Michael Weinmann (weinmmic)

Sehr geehrter Herr Sezer
Ich gebe Ihnen Recht, dass wohl die erste Reaktion vieler Leser nicht die Überraschung sondern ein Gefühl der Bestätigung war. Ich selber bin Schweizer und habe deshalb die Medienberichterstattung hierzulande direkt mit erlebt. Beängstigenderweise wurde auch hier der Konlikt um das Fussball-Spiel auf eine andere Ebene gebracht. So hiess es beispielsweise am Tag nach der Ankunt in Istanbul in der grössten Schweizer Zeitung Blick (analog Bild in Deutschland) auf der Titelseite "Schämt euch ihr Türken!" Das war meiner Meinung nach fehl am Platz, da solche Kommentare, wie sie richtig sagen, das Verhalten einzelner Türken als typisch für alle Türken verurteilen. Das ist falsch.

Andererseits ist es wohl schlicht unmöglich die Geschehnisse zu thematisieren, ohne dass die Aussagen als rassistisch bewertet werden könnten. Die Vergangenheit der Türken ist mir sehr wohl bewusst. Ich bin aber nicht der Meinung, dass die Kultur vergangener Zeiten hier einen Einfluss auf die Beurteilung der Vorkommnisse haben sollte. Es geht um das Verhalten, ja um die Mentalität, der heutigen Generation. Hier genauer um die Mentalität dieser einzelnen gewaltbereiten Fussballer, Fans und Funktionäre.

Ist es nun rassistisch, von der "Mentalität der Türken" zu sprechen im Zusammenhang mit Gewalttaten? Altintop selbst hat mit der anderen Mentalität argumentiert. Diese Unterschiede gibt es, auch wenn Kunst und Kultur ein prägender Teil der Vergangenheit sind.

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18. November 2005 18:40

Unerträglich

Hendrik Fischbach (cujo1303)

Natürlich wird "vereinfachend" diskutiert. Dennoch ist die Selbstgerechtigkeit, mit der türkische Offizielle die Schuld auf angebliche Schweizer Provokationen und die FIFA schieben unerträglich.
Wer die Bilder von der Ankunft der Schweizer Mannschaft am Flughafen gesehen hat, weiß genug!

"gekränkte Ehre, verletzter Stolz" soll so etwas rechtfertigen!

Ich lebe in Köln und habe jetzt eine Sorge weniger. Die Türken schauen sich die WM - wenn überhaupt - am TV an! Das schlimmste, was hätte passieren können, eine direkte Begegnung zwischen der türkischen und der deutschen Mannschaft bleibt uns erspart!

Danke Schweiz!

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18. November 2005 15:32

Rekordzahl an Leserkommentaren

gisbert heimes (gisbert4)

Erstaunlich, und auch wieder nicht, was dieses Ereignis für ein Echo auslöst. Da sieht man mal, was die FAZ-Leser wirklich bewegt :-) - doch keineswegs zu Unrecht.

Man sieht, was auf beiden Seiten passiert, wenn der zivilisatorische Firnis bröckelt und die Emotionen hie und die Attitüden da plötzlich unverhüllt sind.

Keine hoffnungsvolle Momentaufnahme, am Beginn des 21. Jahrhunderts. Wobei ich in der überwiegend krass negativen Reaktion der europäischen, insbesondere der deutschen Medien, das größere Problem sehe. Für die Türken ist Fußball mehrheitlich noch ein wichtigeres Identifikationsmerkmal als beispielsweise für die Deutschen. Ich bin überzeugt, daß viele Türken sich schämen und wir der Sache erheblich mehr dienen, wenn wir ihnen die Aufarbeitung der Vorgänge getrost selbst überlassen. Statt mit erhobenem Zeigefinger herum zu dozieren.

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18. November 2005 15:05

gefundenes Fressen...

Selen Sezen (Selen)

Als erstes möchte ich sagen, dass ich die Geschehnisse in Istanbul nicht in Ordnung fand.
Es kann zwar sein, dass die Türken bzw. die Südländer allgemein die emotionaleren Menschen sind, allerdings ist das natürlich keine Entschuldigung für das, was passiert ist. Man muss, und das gilt nicht nur für die Türken, versuchen die Emotionen unter Kontrolle zu halten.
Ich erinnere mich an den französischen Polizisten, den man 1998 niedergtrampelt hat und der nun als Folge mit einer Schwerbehinderung leben muss.
Hat man damals die Deutschen disqualifiziert?
Hat man damals die Deutschen als Barbaren betitelt?
Nein, das waren ja nur Hooligans! Natürlich....
Es ist wieder ein gefundenes Fressen für die deutschen Medien. Der ARD Moderator hat es natürlich super geschickt gemacht mit seinem "Unser Kameramann wird gerade von Türken geschlagen". Eine super Gelegenheit Werbung gegen die Türken zu machen. Sehr gut!
Warum werden eigentlich immer nur negative Aspekte in den Medien ausgestrahlt? Gibt es wirklich keine positiven Beispiele? Habe eben mal den Artikel "Du bist zu deutsch" gelesen.
Auch hier: Wieder eine Gelegenheit die Türken schlecht zu machen. Aber eines hat mich ja schon gewundert: Die Frauen auf den Fotos waren ja gar nicht verschleiert? So kenne ich die Medien ja gar nicht? Normalerweise werden doch alle türkischen Frauen verschleiert dargestellt, wenn es mal wieder "negatives" über die Türken zu berichten gibt!

Viele Grüsse


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18. November 2005 14:52

Fairness

Dominik Schneider (dominikschneider)

Ich aeussere mich nur zu den Geschehenissen im Stadion am Mittwoch zwischen den Mannschaften. Es gab viele haessliche Fouls auf beiden Seiten, welche man wohl mit der Bedeutung des Spiels erklaeren kann. Die tuerkischen Spieler waren es aber vor allem, die nach jeder Schiedsrichterentscheidung mit Traubenbildung (viele Spieler umringen den Schiedsrichter) versuchten, Entscheidungen zu ihren Gunsten zu provozieren. Der belgische Unparteiische hat in dieser stressigen Situation jedoch die Ruhe bewahrt und verdiente sich somit meine Bewunderung. Ich erinnere in diesem Zusammenhang auch an die korrekten Nachspielzeiten von 4 Minuten, die pikanterweise auch durch die Versuche, den Schiedsrichter zu beeinflussen entstanden sind.

Die Sicht des tuerkischen Teams bzw. Medien, dem Schiedsrichter die Entscheidung des Spiels vorzuwerfen ist meiner Meinung nach falsch.

Es kann sicher sein, dass ich in meiner Interpretation falsch liege. Aber was ich mir hier ueberhaupt nicht erklaeren kann ist die Tatsache, dass man nicht auf den Schiedsrichter losgegangen ist, sondern sich die Schweizer als Pruegelknaben ausgesucht hat.

Der Schweizer Huggel richtet sich aufgrund seiner Unbeherrschtheit nach Spielschluss schon auf eine 100-jaehrigen Sperre (O-Ton) ein.

Man darf gespannt sein, ob/wann die andere Seite ob des Skandals auch mal Reue zeigt.

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18. November 2005 14:52

An Herrn Weinmann 2: Der Sinn als Filterfunktion in der Beobachtung

Kamuran Sezer (Scoob1)

Nun, Herr Weinmann, richteten sich meine vorigen Beiträge auf den problematischen Automatismus in der Erwartung einiger Deutschen.

Welchen Deutschen hat das Verhalten der Türken überrascht!? Wohl nur ganz wenigen. Es wird von den Türken automatisch ein solches Verhalten erwartet. Der Meinung dieser Gruppe nach stehen die Türken abseits der Tradition der europäischen Aufklärung. Wir hauen drauf und sind nicht imstande "zivilisiert" und nach demokratischen Maßstäben zu diskutieren. Schnell geht man dazu über, die Ursachen für ein solches Verhalten in der Mentalität dieser Menschen zu finden.

Aber diese Perspektive, die hier von einigen deutschen Lesern eingenommen wird, ist zu einseitig, zu kurzsichtig und vor allem undifferenziert.

Kann man ernsthaft davon ausgehen, dass ein 70 Mio. großes Volk nur aus unzivilisierten, ungebildeten und undemokratischen Menschen besteht? Wohl kaum. Der Blick in die Geschichte der Türken bis ins Osmanische Reich hinein zeigt auf, dass wir sehr wohl ein Volk von stolzen Kriegern sind, aber wir sind zugleich ein Volk von Philosophen und Dichtern. Kunst, Kultur, Literatur, Dichtung, Musik, sportlicher Ehrgeiz, politische Talente und begabte Wissenschaftler sind ebenso feste Bestandteile der türkischen Kultur. Aber diese Aspekte werden nicht wahrgenommen, weil die Erwartungshaltung einger Deutscher nur den Türken als ungehaltenen Schläger filtert.

Es gibt unzählige Türken, die einen wertvollen Beitrag für Deutschland leisten.

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18. November 2005 14:33

An Herrn Weinmann 1: Türken und türkische Medien

Kamuran Sezer (Scoob1)

Hallo Herr Weinmann,
ich danke Ihnen für Ihren Beitrag, denn nun verlassen wir die Sphären isolierter Beiträge und können uns diskursiv an eine sachliche Diskussion annähern.

Es ist richtig, dass Teile der türkischen Spieler und der türkischen Fußballfunktionäre an diesem Tag sich - gelinde gesagt - nicht richtig verhalten haben. Es ist ebenso richtig, dass Teile der türkischen Medien, die angeblich entscheidende Szene verkürzt und - meinetwegen - auch manipuliert haben. Aber neben diesen Medienvertreter gibt es eine Reihe von anderen Fernsehanstalten, die seriösen Journalismus betreiben und das Verhalten aller Akteure kritisieren. Unter den Türken gibt es keine eindeutigen und einstimmigen Solidaritätsbekundungen. Das Verhalten insbesondere von Alpay und die Schuldzuweisungen von Fatih Terim wird von großen Teilen der türkischen Fangemeinde stark kritisiert. Die Komplottvorwürfe der Türken gegen die FIFA steht ebenfalls unter Beschuss. Aber zugleich wird die legitime und richtige Frage seitens der Türken aufgeworfen, welchen Beitrag die Schweizer bereits im Hinspiel und später im Rückspiel geleistet haben. Ich unterstelle ihnen eine Systematik im Verhalten, nämlich gezielt das Nationalgefühl der Türken anzugreifen. Ja, die Schweizer waren am Mittwoch in der "Hölle von Istanbul", aber die entsprechende Tür haben sie selber geöffnet.

Soweit diese Ausführungen, um ihnen nur einen kleinen Einblick in die durchaus differenzierten Gedankengänge der Türken zu geben.

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18. November 2005 12:59

Bitte an Herrn Sezer

Michael Weinmann (weinmmic)

Sehr geehrter Herr Sezer
Es ist wohl richtig, dass ich der türkischen Sprache nicht mächtig bin. Deshalb beziehe ich mich tatsächlich auf Berichte über die türkische Berichterstattung und gehe gutgläubig davon aus, dass diese sinngemäss richtig wiedergegeben wird. Natürlich dürfen sie daran zweifeln.

Tatsache ist aber, dass Aufnahmen bestehen, die den Sachverhalt aufzeigen. Es gibt Zeugen, es gibt Opfer. Tatsache ist auch, dass das türkische Fernsehen eine Aufnahme bewusst gekürzt, also maipuliert hat, um den Anschein zu erwecken, die Schweizer hätten die Ausschreitungen zu verantworten. Ich kann solches Verhalten nicht verstehen, und ich könnte es auch nicht, wenn ich türkisch sprechen würde.

Noch zu Ihrem Vorwurf, dass es bei Kritikern dieser Vorfälle um Verschwörungstheoretiker handle: Ich war gestern auf der Onlinie-Ausgabe der türkischen Zeitung "Fanatik". Dort wurde eine Auflistung der Funktionäre bei der FIFA gezeigt, natürlich nur dieser Funktionäre, welche aus der Schweiz sind. Ich muss kein Türkisch verstehen, um zu erkennen, welche Verschwörungstheorie diese Zeitung propagiert.

Zum Schluss noch eine Bitte: Das "Ihr seid nicht besser"-Verhalten ist alles andere als konstruktiv. Das meinte ich, wenn ich schrieb, eine sachliche Diskussion sei nicht möglich.

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