Von Ulrich Friese
06. Dezember 2006 Der Verkaufsreigen im britischen Profi-Fußball setzt sich fort. Nach Angaben des FC Liverpool strebt jetzt Dubai International Capital (DIC) eine Komplettübernahme des englischen Traditionsklubs an.
Der Investor aus dem Wüstenstaat ist angeblich bereit, 450 Millionen Pfund (660 Millionen Euro) in bar für den Kauf des mehrfachen Meisters der englischen Premier League zu investieren, hieß es am Dienstag in London.
David Moores, Chairman und Großaktionär des nordenglischen Fußballklubs, räumte den Unterhändlern von DIC eine Frist von drei Wochen ein, um Bücher und Vermögen des Unternehmens einzusehen. Je nach Ergebnis dieser "Due-Dilligence"-Prüfung sei noch bis Jahresende mit einem verbindlichen Übernahmeangebot zu rechnen, teilte das Management mit.
200 Millionen Pfund für Stadionausbau
Danach ist der staatliche Investor aus Dubai wohl bereit, zunächst 85 Prozent am FC Liverpool für 170 Millionen Pfund zu erwerben. Die restlichen Anteile verbleiben vorerst im Besitz von Moores und Mitgliedern seiner Familie. Gleichzeitig tilgt DIC die Schulden des Klubs in Höhe von 80 Millionen Pfund.
Der Löwenanteil des vereinbarten Kaufpreises soll indessen mit 200 Millionen Pfund in den Ausbau des klubeigenen Stadions fließen. Binnen zwei Jahren, so der Plan der neuen Eigentümer, soll die Zahl der Sitzplätze in der legendären Fußballarena an der Anfield Road von 44 000 auf über 60 000 wachsen.
Übernimmt der Investor aus Dubai tatsächlich bei den "Reds aus Liverpool", die unternehmerische Regie, befindet sich nunmehr der siebte Fußballklub der Premier League in ausländischem Besitz.
Britische Clubs sind begehrt
Den Anfang machte der ägyptische Millionär Mohamed Al-Fayed, der Ende der achtziger Jahre den damaligen Regionalligisten FC Fulham kaufte und den Klub aus dem Londoner Südwesten schließlich in die englische Spitzenliga beförderte. Vor drei Jahren sorgte der russische Milliardär Roman Abramowitsch für einen Paukenschlag in der Branche, als er den FC Chelsea kaufte.
Den Beispielen von Al-Fayed und Abramowitsch sind vor allem Investoren aus Übersee gefolgt. Der amerikanische Milliardär Malcolm Glazer verleibte sich im vergangenen Jahr Manchester United für 1,2 Milliarden Euro ein. Vor wenigen Monaten folgte ihm Landsmann Randy Lerner in die Premier League. Der 44 Jahre alte Amerikaner, dessen Privatvermögen auf rund 1 Milliarde Euro geschätzt wird, kaufte sich für 93 Millionen Euro beim englischen Traditionsklub Aston Villa ein.
Auch der FC Liverpool war bislang in Kreisen amerikanischer Geschäftsleute heiß begehrt. Neben dem Investor aus Dubai fühlte bis zuletzt Milliardär Robert Kraft wegen einer Übernahme vor.
Text: F.A.Z., 06.12.2006, Nr. 284 / Seite 19
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb
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