Commerzbank-Arena

„Das Stadion ist absolut sicher“

Die Commerzbank-Arena ist aus Sicht der Warentester nicht sicher genug

Die Commerzbank-Arena ist aus Sicht der Warentester nicht sicher genug

10. Januar 2006 Die Kritik der Stiftung Warentest an Sicherheitsmängeln in der Frankfurter Commerzbank-Arena ist von der Stadt entschieden zurückgewiesen worden. Er habe „allergrößte Zweifel an der Seriosität“ des Urteils, sagte Sportdezernent Joachim Vandreike (SPD). Die Stiftung spricht in ihrem gestern vorgestellten Bericht zur Sicherheitslage in den zwölf WM-Stadien im Fall der Commerzbank-Arena von „deutlichen Mängeln“. Es gebe vermeidbare Brandlasten, vor allem in der Businesslounge.

Vor allem für den Fall einer Massenpanik, der im Zentrum des Tests stand, sahen die Gutacher Defizite. So seien die Fluchtwege teilweise schlecht geführt, der Eingang sei unübersichtlich, der Oberrang sehr steil und die Treppen hätten eine geringe Stufentiefe. Die Brüstungen im Rang seien zu niedrig ausgelegt. Bei den Rettungstoren zum Innenraum könne ein bedrohlicher „Staudruck“ entstehen.

„Fluchtwege zur Businesslounge doch gesichert“

Vandreike sagte, man werde alle Kritikpunkte noch einmal sorgfältig prüfen. Nach einer ersten vorläufigen Prüfung sei jedoch keinerlei Handlungsbedarf zu erkennen. Vielmehr habe die Stiftung ihrem Urteil zum Teil falsche Angaben zugrunde gelegt. Die Behauptung, daß Treppenstufen im Oberrang nur 22 Zentimeter tief und damit kleiner als gesetzlich erlaubt seien, treffe nicht zu. Die Stufen mäßen statt dessen 28,6 bis 30 Zentimeter. „Das Stadion ist nach menschlichem Ermessen absolut sicher.“ Auch der Vorwurf, der Fluchtweg in der Businesslounge sei ungesichert, treffe schlicht nicht zu.

Was die angeblich zu niedrigen Brüstungen angehe, so sei darauf hinzuweisen, daß diese mit Gittern in allen möglichen Gefahrenzonen erhöht worden seien. Alle Tore zum Innenraum seien bei Spielen mit einem Ordner besetzt, der sie im Gefahrenfall sofort öffne. Vandreike wies darauf hin, daß an jedem Planungs- und Bauschritt des neuen Frankfurter Stadions Experten der Bauaufsicht, der Feuerwehr und der Polizei beteiligt gewesen seien. Alle Anforderungen seien erfüllt worden.

Reinhard Ries, Leiter der Frankfurter Berufsfeuerwehr, kritisierte die Methodik der Untersuchung. Was die Simulation einer „Entfluchtung“ von Großbauten angehe, gebe es verschiedene Computerprogramme angesehener Institute. Andere Anbieter hätten ein solches Renommee nicht, dazu gehöre das von der Stiftung beauftragte Institut. Ohne den Namen zu nennen, zielte Ries auf Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen. Ries hielt der Stiftung außerdem vor, einzelne Aspkete herausgegriffen zu haben, ohne den ganzheitlichen Ansatz von Brandschutz zu beachten. Dieser sei ein kompliziertes Zusammenspiel von baulichen, gebäudetechnischen und betrieblichen Vorsichtsmaßnahmen. Technik allein sei nicht ausreichend, entscheidend sei auch, wie die Sicherheitskräfte im Notfall reagierten. Zudem müßten Abwägungen zwischen Sicherheitsüberlegungen und Komfortansprüchen getroffen werden. In der Businesslounge tobe ja nicht der Mob, dort müsse nicht alles aus unbrennbaren Materialien sein.

„Warentester nur wenige Stunden im Stadion“

Nach Angaben von Patrik Meyer, Geschäftsführer der Commerzbank-Arena, war die Arbeitsgruppe der Stiftung im Oktober nur wenige Stunden im Stadion, sie habe aus einer Projektleiterin, einem „Panikforscher“ und einer Brandschutzsachverständigen bestanden. Meyer wies darauf hin, daß der Spielbetrieb im Stadion seit Juni ohne Störungen verlaufe. Die Deutsche Fußball-Liga habe das Sicherheitskonzept bei einer Tagung im Dezember als vorbildlich dargestellt.

Ablehnende Reaktionen auf den Test waren aus allen Städten zu hören, die im Test schlecht abgeschnitten hatten. Auch das WM-Organisationskomitee hat die Vorwürfe der Stiftung zurückgewiesen. „Unsere WM-Stadien sind sicher“, sagte Vizepräsident Horst Schmidt in Frankfurt. Er bemängelte, daß sich die Studie auf den Aspekt der Paniksicherheit konzentriere, nicht aber auf den gesamten Sicherheitsbereich. Sein Amtskollege Wolfgang Niersbach meinte: „Wir sind sehr für Panikforschung, aber nicht für Panikmache.“ Man werde nicht sklavisch alles umsetzen, was die Stiftung fordere. Es werde aber überprüft, ob Verbesserungen möglich seien.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

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