Celia Okoyino da Mbabi

„Es ist das Größte, für Deutschland zu spielen“

Von Gregor Derichs, Tampere

27. August 2009 Sie lacht hell und laut, pure Lebensfreude spricht aus der jungen Frau. „Ich gehöre immer noch zu den Jüngsten und muss immer noch die Bälle tragen“, sagt Celia Okoyino da Mbabi vergnügt. Sie steht wieder auf der Sonnenseite, die Einundzwanzigjährige hat die lange Leidenszeit eines Leistungssportlers mit den großen Zweifeln nach einer schweren Verletzung erfolgreich überstanden. „Das Mädchen hat es nach der langen Verletzung sehr verdient, bei uns zu sein“, sagt Bundestrainerin Silvia Neid.

Bei der Fußball-Europameisterschaft der Frauen rückte Celia da Mbabi am Montag in den Blickpunkt, als sie nach ihrer Einwechslung entscheidende Impulse für das 4:0 der deutschen Nationalmannschaft gegen Norwegen gab (siehe auch: 4:0 gegen Norwegen - DFB-Frauen: Hoch gewonnen und lange gezittert). Das zweite Gruppenspiel an diesem Donnerstag gegen Frankreich (16.30 Uhr) ist der bisherige Höhepunkt in der Karriere der jungen Frau, die schon früh als das größte Talent des deutschen Frauenfußballs bezeichnet wurde, aber durch einen Beinbruch und eine Erkrankung aus der Bahn geworfen wurde.

“Für mich ist es das Größte, für Deutschland zu spielen“: Celia Okoyino da Mbabi
„Für mich ist es das Größte, für Deutschland zu spielen”: Celia Okoyino da Mbabi

„Zu Hause in Bonn führe ich mit meinen Eltern eigentlich ein französisches Leben. Mit meiner Mutter spreche ich französisch, mit meinem Vater deutsch und mit meinen Geschwistern einen Mischmasch“, sagt Celia da Mbabi. Bis vor vier Jahren besaß sie nur einen französischen Pass. Jetzt ist sie im Besitz zweier Staatsbürgerschaften. „Ich wurde damals zu den DFB-Sichtungslehrgängen eingeladen, und irgendwann kam es zur Sprache, ob ich mir nicht einen deutschen Pass machen lassen könnte“, erklärt sie. Sie war Feuer und Flamme.

„Sie dachten, ich gehöre zum Personal, weil ich immer da war“

In der deutschen Nationalmannschaft zu spielen war für das sportliche Allroundtalent ein Traum. Es gab nur einen Haken an der Sache, die eine nicht ganz typisch deutsche Multikulti-Geschichte ist. Da sie noch nicht volljährig war, mussten auch ihre Eltern die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen. „Ich bin ihnen dafür sehr dankbar. Meine Mutter durfte ihren französischen Pass behalten, aber mein Vater musste für mich schweren Herzens seinen kamerunischen Pass abgeben. Er hat es nur gemacht, damit ich für Deutschland spielen kann und glücklich bin“, sagt sie. Es war die Grundlage für eine Laufbahn, von der sich nicht nur Silvia Neid Großes verspricht.

Ihre Perspektiven im Team des Europa- und Weltmeisters sind glänzend. Spätestens bei der WM 2011 in Deutschland plant Silvia Neid mit ihr als Stammspielerin. Auch ihre Aussichten, bei der EM in Finnland einmal von Beginn zu spielen, seien sehr gut, betonte die Bundestrainerin. Aber da Birgit Prinz schon 31 Jahre alt ist, Inka Grings 30 und Martina Müller auch schon 29, wird sie irgendwann sowieso dran sein. Gerade erst 16 Jahre alt geworden, war Celia da Mbabi 2004 daran beteiligt, dass die deutsche „U19“-Juniorinnen in Thailand Weltmeister wurden.

2007, wenige Monate vor dem WM-Titelgewinn des A-Teams in China, stand sie auf dem Sprung zur Stammkraft. Doch vor zweieinhalb Jahren zog sie sich einen sehr komplizierten Schienbeinbruch zu, der nach einem Jahr eine Nachoperation erforderte. „In der Reha war sie so oft und lange, dass ich von Patienten angesprochen wurde, ich solle ihnen helfen. Sie dachten, ich gehöre zum Personal, weil ich immer da war.“ Nach der langen Rehabilitation erkrankte sie am Pfeifferschen Drüsenfieber Erst seit Mai spielt die beim Bundesligaklub SC Bad Neuenahr unter Vertrag stehende Offensivspielerin wieder.

„Weil sie selbst lieber weiter vorne spielt, haben wir das probiert“

Angefangen hat sie in der Abwehr, aber nun ist sie nach vorne gerückt. „Weil sie selbst lieber weiter vorne spielt, haben wir das probiert“, sagt Silvia Neid. „Ich bin von Natur aus offensiv. Deswegen bin ich froh, dass ich auf der Position spielen darf“, erklärt die neue Stürmerin, die mittlerweile in Koblenz wohnt. Dort schloss sie kurz vor der Europameisterschaft ihre Ausbildung als Kauffrau für Marketing und Kommunikation bei Lotto Rheinland-Pfalz ab. Nun hofft die sprachgewandte Kosmopolitin, in Koblenz im Wintersemester einen Platz im neugeschaffenen Studiengang für Kulturwissenschaften zu bekommen.

Während ihre Mitspielerin Simone Laudehr die Französinnen, die in Tampere im selben Hotel wohnen, ziemlich komisch und etwas arrogant findet, ist Celia da Mbabi mit einigen von ihnen eng befreundet. Ihre Partie gegen diese Freundinnen werden große Teile ihrer Verwandtschaft in Frankreich am Fernsehen erleben. Falls sie ein Tor schießen sollte, wird sie aber keinen Gewissenskonflikt durchleben. „Ich bin in Deutschland geboren“, sagt Celia Okoyino da Mbabi. „Für mich ist es das Größte, für Deutschland zu spielen.“

“Zu Hause in Bonn führe ich mit meinen Eltern eigentlich ein französisches Leben“
„Zu Hause in Bonn führe ich mit meinen Eltern eigentlich ein französisches Leben”

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, dpa

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2010.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Suchen Sie einen Spezialisten? Krebs, Herz, Orthopädie, Plastische Chirurgie, Neurologie, Gastrologie, u.a. Hier Informieren!

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche