Iranische Fußballerinnen

Neunzig Minuten Freiheit, Teil zwei

Von Swantje Karich

Vor einem Jahr jubelten im Arrarat-Stadion in Teheran erstmals Frauen für Frauen

Vor einem Jahr jubelten im Arrarat-Stadion in Teheran erstmals Frauen für Frauen

08. Mai 2007 Als sich die Spielerinnen des türkischen Fußballvereins AL-Dersimspor aus Kreuzberg im April vergangenen Jahres von der iranischen Frauen-Nationalmannschaft in Teheran verabschiedeten (siehe auch: Frauenfußball in Iran: Neunzig Minuten Freiheit), versprachen sie immer wieder, dass es ein Rückspiel in Berlin geben werde und das schon bald. Der Ausdruck in den Gesichtern der Iranerinnen offenbarte damals ihre Skepsis und doch auch ihre Sehnsüchte.

Noch euphorisch vom gemeinsamen Erfolg, galt es zu hoffen und sich ein neues Ziel zu stecken. Sie hatten gerade das erste öffentliche Frauen-Fußballspiel in einem iranischen Stadion seit der Revolution 1979 bestritten und eine gewaltiges Medienecho ausgelöst - sowohl in Iran als auch in Deutschland. 2:2 lautete damals das freundschaftliche Ergebnis.

30 Iranerinnen unterwegs nach Kreuzberg

Jetzt - etwas mehr als ein Jahr nach dem Spiel in Teheran - scheint es so, als würden Susu, Safiye, Mehtap, Paros, Silke, Conny, Friederike und die anderen Spielerinnen von AL-Dersimspor das zweite Mal etwas Unmögliches möglich machen: Die Frauen-Nationalmannschaft Irans will am 1. Juni um 18.30 Uhr in Berlin gegen die Fußball-Damen des Kreuzberger BSV AL-Dersimspor antreten. Zweiundzwanzig Spielerinnen und acht Betreuerinnen - dreißig iranische Frauen, die in ihrer Heimat nur in geschlossenen Hallen Sport treiben dürfen - haben bei der deutschen Botschaft ein Visum beantragt, um hier in einem öffentlichen Stadion Fußball zu spielen. Hinzu kommt, dass die Deutschen anders als in Teheran ohne Kopftücher und speziellen Trainingsanzug auflaufen wollen.

Männer und Frauen werden als Zuschauer im Stadion sein. In Teheran hatte sich die deutsche Mannschaft an die Sitten des Landes angepasst und unter anderem ausschließlich vor Frauenpublikum gespielt. Die Iranerinnen werden in Berlin natürlich mit Kopftuch und Anzug antreten. Die Initiatoren Marlene, Valerie und Corinna Assmann hatten gemeinsam mit ihrer Kreuzberger Mannschaft und dem iranischen Theater- und Filmregisseur Ayat Najafi bereits für das Hinspiel kämpfen müssen. Ein Jahr verging und eine endlose, nicht nur bürokratische Odyssee, bis ihr Traum Wirklichkeit wurde.

„Iran, Iran, Aleman, Aleman“ - Hoffentlich singen sie wieder

Nach monatelangem Bemühen kam es am 28. April 2006 zu der Premiere im Teheraner Arrarat-Stadion. Und auch für das Rückspiel hat es nun sechs Monate gedauert, bis sich der iranische Fußballbund zur Kooperation in der Lage sah. Die Kompromisse: Aus ihrer Heimat bekommen die iranischen Spielerinnen Sittenwächterinnen an die Seite gestellt. Das Programm wird immer wieder überprüft, um nicht mit den Auflagen in Konflikt zu geraten. Doch all diese Hürden und die schwierige Kommunikation mit dem iranischen Fußballbund können das Vorhaben nicht mehr ernsthaft in Gefahr bringen, davon sind sie bei AL-Dersimspor überzeugt. Ihre Planung steht: Am 31. Mai erwarten sie die Iranerinnen in Berlin, und sie sollen bis 4. Juni ihre Gäste sein.

Und so kommt es hoffentlich zu einem ähnlich spektakulären iranisch-deutsch-türkischen Fußballfest wie in Teheran, wo die Chöre „Iran, Iran, Aleman, Aleman“ sangen. Fünftausend Sitze bietet das Katzbach-Stadion in Kreuzberg. Schon bald soll der Ticketverkauf über die Website der Frauenmannschaft von AL-Dersimspor beginnen.

Text: F.A.Z., 09.05.2007, Nr. 107 / Seite 48
Bildmaterial: Gelareh Kiazand

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