Chelsea-Torwart Cech

Ramponiert im Kampfeinsatz

Von Christian Eichler

22. April 2008 Die härteste Währung des Fußballreporters, zumindest desjenigen, der tagtäglich über denselben Klub berichten muss, sind Zitate. Fußballerzitate. Wo nichts geschieht, muss wenigstens etwas gesagt werden. Bei Peter Cech ist in dieser Hinsicht derzeit leider nicht viel zu holen.

Und das nicht etwa, weil der Torwart des FC Chelsea die üblichen Tricks redeunwilliger Kollegen kopierte, also etwa unter riesigen Kopfhörern mit leerem Blick an den Mikrophonen und Aufnahmegeräten vorbeizutrotten; oder gar, das Handy am Ohr, so zu tun, als sei man auf dem ganzen Weg durch den Interview-Bereich mit Telefonieren beschäftigt. Nein, dafür ist der 25 Jahre alte Tscheche viel zu höflich. Er hat einen anderen Grund, keine großen Worte zu machen: Es tut einfach zu weh.

Eine fünf Zentimeter lange, klaffende Wunde

Auf dem Platz sieht er bald aus wie ein Kampfpilot. Fehlt nur der Schleudersitz, doch den gibt es natürlich nicht für einen Torwart, obwohl auch er sich im Luftraum gefährlichen Zusammenstößen aussetzt. Den 80 Gramm wiegenden Schutzhelm aus hochdichtem Schaumstoff mit Karbonrahmen, den ihm ein Rugby-Ausrüster maßschneiderte, trägt Cech seit seinem Schädelbruch im Oktober 2006. Damals hatte bei einer Kollision das Knie von Stephen Hunt vom FC Reading einen Teil des Schädelknochens nahe der rechten Schläfe eingedrückt, eine lebensgefährliche Impressionsfraktur, die zum Glück keine bleibenden Gesundheitsschäden hinterließ.

Letzte Woche ist ein zusätzlicher Schutz für den unteren Teil des Gesichts hinzugekommen, das vor zwei Wochen im Training schrecklichen Schaden genommen hatte. Cech war zu einem Ball getaucht, den der Kollege Tal Ben Haim gerade wegschlagen wollte - der Fuß traf ihn voll im Gesicht und riss von Lippe bis Kinn eine fünf Zentimeter lange, klaffende Wunde. Sie musste mit fünfzig Stichen genäht werden und erforderte eine zweistündige Operation durch einen plastischen Chirurgen.

„Welttorhüter“ mit 22

Schon eine Woche später stand Cech wieder im Tor, beim 1:1 gegen Wigan. "Die Ärzte waren nicht so glücklich", sagte er. Doch Trainer Avram Grant war es, denn auch Ersatzmann Carlo Cudicini war ausgefallen, und die Aussicht, mit dem dritten Torwart Hilario die drei saisonentscheidenden Spiele zu bestreiten, an diesem Dienstag in Liverpool in der Champions League (Siehe auch: FAZ.NET-Liveticker), am Samstag gegen Manchester United in der Premier League und nächste Woche das Rückspiel gegen Liverpool, erschien nicht sehr ermutigend.

Und Cech verspürt Nachholbedarf. Schon mit 22 Jahren wurde er "Welttorhüter des Jahres". Doch dann kostete ihn die Schädelfraktur fast die ganze letzte Saison. Und in dieser Spielzeit haben viele verschiedene Verletzungen ihn in 22 Spielen fehlen lassen. Dann, als er einmal doch dabei war in einem wichtigen Spiel, leistete er sich im Ligapokal-Finale gegen Tottenham einen ungewohnten Fehlgriff, und Chelsea verlor.

Der Zerberus als Lazarus

Es sei "ein gewisses Risiko" gewesen, so rasch wieder anzufangen nach der Gesichtsverletzung, sagte Cech letzte Woche, "aber ich habe Fußball so lange vermisst". Es geht ihm nicht nur darum, Chelsea zu helfen, er will sich auch beweisen für die Europameisterschaft im tschechischen Tor, wo er, falls fit, eine Bank ist.

Dass er das nun, da er durch Wundschmerz nicht so laut und klar reden kann, wie das Journalisten, aber auch Abwehrspieler gern hätten, ausgerechnet vor der lautesten aller Tribünen, dem Kop in Liverpool, tun muss, ist eine besonders harte Probe. Doch Cech kennt seine Rolle, er hat gelernt, die Krux seines Metiers mit einem leisen Lächeln zu ertragen: der Zerberus als Lazarus.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, REUTERS

 
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