Ligapokal

Bayern-Jäger machen Appetit auf mehr

Mit breiter Brust: Kevin Kuranyi und der FC Schalke

Mit breiter Brust: Kevin Kuranyi und der FC Schalke

28. Juli 2005 Der eine führte sich gleich mit einem „Tor des Monats“ ein, die anderen kombinierten nach nur vier Tagen Training schon munter mit: Die Neuen weckten bei Schalke 04 gut eine Woche vor dem Bundesliga-Start die Vorfreude auf eine abermalige „Bayern-Jagd“.

Den Stareinkäufen Kevin Kuranyi und Fabian Ernst stahl beim 2:1 (1:0)-Sieg im Ligapokal-Halbfinale gegen Werder Bremen allerdings Zlatan Bajramovic die Show. „Sowas gelingt nicht alle Tage, das muß ich mir im Fernsehen noch mal anschauen“, sagte der Bosnier, der vom Absteiger SC Freiburg zu den „Königsblauen“ gekommen war, nach seinem fulminanten Volleyschuß zum 1:0 (34.). Daß sich ausgerechnet die vermeintlich unspektakulärste Neuverpflichtung ins Rampenlicht schoß, wunderte Trainer Ralf Rangnick nicht: „Ich bin froh, daß wir ihn gekriegt haben. An ihm waren auch andere dran.“ Kuranyi hingegen, für knapp sieben Millionen Euro vom VfB Stuttgart verpflichtet, blieb das erste Erfolgserlebnis noch verwehrt. „Das hole ich noch nach“, sagte der Nationalspieler, der die erste Großchance des Spiels vergeben hatte.

Tosender Applaus

Wichtiger war dem 23jährigen, daß das Zusammenspiel mit den neuen Kollegen nach nur vier Tagen im Team schon ordentlich klappte. „Das Spielverständnis war schon sehr gut“, meinte der frühere Stuttgarter, der bei seiner Auswechslung nach 58 Minuten mit tosendem Applaus bedacht worden war: „Wir haben schnell kombiniert, das war schön anzusehen.“ Auch der ehemalige Bremer Ernst, der bei seinem Debüt gar 90 Minuten durchspielte, war zufrieden: „Der Sieg versüßt einiges, da hat man nicht so schwere Beine. Der Ball ist schon ganz gut gelaufen.“

Die respektable Frühform des Meisterschaftszweiten, bei dem Spielmacher Lincoln in der ersten Partie nach dem Weggang seines Landsmannes Ailton glänzend Regie führte, gefiel auch Trainer Rangnick. Allerdings wurde der Schwabe nicht müde, auf die Notwendigkeit weiterer Neuverpflichtungen hinzuweisen. „Wir haben jetzt ein bißchen was in die Kasse bekommen“, sagte er mit Blick auf die drei Millionen Euro Ablöse für Ailton und die 1,2 Millionen Euro Prämie für den Einzug ins Ligapokal-Finale am Dienstag in Leipzig gegen Stuttgart. „Ich bin guter Dinge, daß wir in den nächsten Tagen in der Lage sind, noch den einen oder anderen Spieler zu holen.“

Hängepartie um Larsen

Der ins Auge gefaßte Niederländer Andre Ooijer scheint für die rechte Abwehrseite nicht mehr der erste Kandidat zu sein. „Es sieht eher nicht so aus, daß es klappt“, sagte Rangnick. Auch in der Hängepartie um den dänischen Nationalstürmer Sören Larsen gibt es noch neue Entwicklung. „Die Mühlen der Justiz mahlen langsamer, als ein Kaffee gekocht wird“, kommentierte der Trainer den Streit um die Ausstiegsklausel des 23jährigen bei Djurgarden Stockholm, in dem der schwedische Verband schlichten soll. Manager Rudi Assauer reagierte genervt auf die ständige Diskussion über weitere Transfers. „Wir haben keine Baustellen in der Mannschaft, auch wenn einige das schreiben und der Trainer das sagt“, erklärte der 61jährige und fügte an: „Mit dieser Mannschaft können wir oben mitspielen. Wenn wir noch etwas mehr tun mit unseren bescheidenen finanziellen Mitteln, dann können wir noch weiter oben mitspielen.“

Bremen enttäuschend

Dieses Ziel hat eigentlich auch der ehemalige Meister Bremen, der gut eine Woche vor dem Auftaktspiel am 6. August gegen Arminia Bielfeld aber noch vieles schuldig blieb und erst in der Schlußminute durch Nleson Valdez zum Anschlußtor kam. „Da bleibt noch viel Arbeit“, stellte Trainer Thomas Schaaf fest und kritisierte: „Man muß sich in den Zweikämpfen richtig durchsetzen, da kann man noch so gut kombinieren.“

Allerdings ärgerte sich der Werder-Coach vor allem über die Entscheidung von Schiedsrichter Helmut Fleischer beim 2:0 durch Ebbe Sand (71.). „Wenn das kein Foul ist, dann weiß ich auch nicht mehr“, kommentierte Schaaf den Zweikampf des Dänen mit Torhüter Tim Wiese, der den Ball nicht unter Kontrolle brachte. Auch der Keeper war sauer. „Das war ganz klar irregulär, eine Frechheit“, wetterte der frühere Lauterer, der im Kampf um die Nummer eins im Werder-Tor gegen Andreas Reinke ins Hintertreffen geraten ist: „Sand ist von hinten auf mich drauf gesprungen.“ Aus dem Rennen sieht sich der 23jährige aber noch nicht: „Der Trainer hat das genauso gesehen, deshalb hat das noch nichts zu sagen.“

Schalke 04 - Werder Bremen 2:1 (1:0)
Schalke: Rost - Altintop, Bordon, Krstajic, Kobiaschwili - Ernst, Poulsen (54. Varela), Bajramovic - Lincoln (85. Hoogland) - Sand, Kuranyi (58. Asamoah)
Bremen: Wiese - Davala, Fahrenhorst, Pasanen, Schulz - Frings, Baumann (79. Hunt), Borowski (46. Vranjes) - Micoud - Klasnic (46. Valdez), Klose
Schiedsrichter: Fleischer (Hallstadt)
Tore: 1:0 Bajramovic (34.), 2:0 Sand (71.), 2:1 Valdez (90.)
Zuschauer: 56.781
Gelbe Karten: - Baumann, Micoud, Davala



Text: FAZ.NET mit Material von dpa, sid
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb

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