25. April 2008 Ohne Torjäger Luca Toni ist Pokalsieger FC Bayern München gegen Zenit St. Petersburg nicht über ein enttäuschendes 1:1 (1:0) hinausgekommen und muss nun um den Einzug ins Uefa-Pokal-Finale zittern. Wie schon im Viertelfinale gegen den FC Getafe verspielte der designierte deutsche Fußball-Meister im Halbfinal-Hinspiel eine Führung und muss nun wieder auswärts für das Weiterkommen sorgen.
Franck Ribéry (18.) sorgte vor 66.000 Zuschauern mit einem im Nachschuss verwandelten Foulelfmeter für das verdiente 1:0 der bis zur Pause überzeugend aufspielenden Bayern, die anschließend gleich einen doppelten Schock verkraften mussten. Erst traf Lucio (60.) per Kopf ins eigene Tor, dann schied Torhüter Oliver Kahn aus. Wegen eines eingeklemmten Nervs im Lendenwirbelbereich musste der Keeper seinen Platz für Michael Rensing räumen. In der Schlussphase zog sich Miroslav Klose bei einem Zweikampf einen Nasenbeinbruch zu.
Hitzfeld: Das kann passieren
Zenit fehlen im Rückspiel am kommenden Donnerstag in Ricksen, Sirl und Arschawin gleich drei Spieler wegen Gelb-Sperren. Im zweiten Halbfinale hat sich der AC Florenz durch ein torloses Remis bei den Glasgow Rangers eine gute Ausgangsposition für das Erreichen des Endspiels verschafft.
In der ersten Halbzeit sind wir hohes Tempo gegangen, haben flüssig kombiniert und ein gutes Spiel gezeigt. Nach der Pause waren wir zunächst zu defensiv und haben St. Petersburg ins Spiel kommen lassen, dann sind sie gefährlich, sagte Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld. Das Eigentor war unglücklich, das kann passieren. Auswärts sind wir immer für ein, zwei Tore gut - und Luca Toni ist dann wieder da.
Klose weiter ohne Torgefahr
Der nach seiner fünften Gelben Karte im Wettbewerb gesperrte Toni musste von der Tribüne aus machtlos mit ansehen, wie seine Teamkollegen erneut einen Vorsprung aus der Hand gaben. Als Torschütze für den Weltmeister sprang diesmal Ribéry in die Bresche, dagegen fand Miroslav Klose auch gegen St. Petersburg nicht zu seiner alten Torgefährlichkeit zurück. Der WM-Torschützenkönig, der trotz seiner kaum ausgeheilten Blessur am Fuß zum Einsatz kam, und sein Sturmpartner Lukas Podolski kamen nicht annähernd an die Qualität des Italieners heran. Für Kahn endete sein 141. Europacup-Spiel besonders unglücklich. Wegen einer Blessur musste der Torhüter in der 67. Minute den Platz für Michael Rensing räumen.
Die Münchner waren von Beginn an die tonangebende Mannschaft und ließen den russischen Meister mit Konzentration und Cleverness nicht zur Entfaltung seines in Leverkusen so erfolgreichen Kombinationsspiels kommen. Die erste Schusschance bot sich Bastian Schweinsteiger nach nur 62 Sekunden, doch der Ball flog am Tor von Wjatscheslaw Malafejew vorbei. Als der Bayern-Druck nachzulassen schien, verhalf der ungestüme Fernando Ricksen den Gastgebern zur Führung. Ein Foul des Niederländers an Ze Roberto ahndete Schiedsrichter Lubos Michel mit Strafstoß, den Ribery im Nachsetzen zum 1:0 im Tor unterbrachte, nachdem Malafejew den schwach geschossenen ersten Versuch des Franzosen ohne Mühe pariert hatte.
Gegentor lähmt Münchener
Auf der Gegenseite musste Oliver Kahn erstmals in der 23. Minute bei einem Flachschuss von Konstantin Zyrijanow eingreifen. Mehr ließ die vor der Pause aufmerksame Defensive der Bayern zunächst nicht zu. Martin Demichelis und Lucio getatteten dem achtfachen Uefa-Cup-Torschützen Pawel Pogrebnjak praktisch keine Chance, und auch der gefürchtete Andrej Arschawin war bei Philipp Lahm in besten Händen. Als guter Organisator in der Rückwärtsbewegung erwies sich Mark van Bommel, der trotz seines Nasenbeinbruchs aus dem Pokal-Finale keinem Zweikampf aus dem Weg ging. Das 2:0 für die Münchner vergab in der 27. Minute Ze Roberto, der nach Kloses Pass freie Bahn zum Tor hatte, aber daneben zielte.
Nach Wiederbeginn spielten die Bayern jedoch nicht mehr entschlossen genug nach vorne und luden ihren Gegner förmlich dazu ein, mutiger zu werden. Und wie schon gegen Getafe wurde die Nachlässigkeit der Münchner bitter bestraft. Nach einer scharfen Hereingabe von Viktor Fajzulin lenkte Lucio den Ball per Kopf am verdutzten Kahn vorbei zum Ausgleich ins Netz. Der zu diesem Zeitpunkt überraschende Treffer hinterließ Spuren bei den Münchnern, die lange Zeit benötigten, um wieder auf Touren zu kommen. In der 79. Minute hätte Lucio sein Missgeschick beinahe wieder wettgemacht, doch Malafejew lenkte den 16 Meter-Kracher des Brasilianers über die Latte.
Bayern München - Zenit St. Petersburg 1:1 (1:0)
München: Kahn (67. Rensing) - Lahm (80. Kroos), Lucio, Demichelis, Jansen - Schweinsteiger (66. Lell), van Bommel, Zé Roberto, Ribéry - Klose, Podolski
St.Petersburg: Malafejew - Ricksen, Schirokow, Krizanac, Sirl - Denisow, Timoschtschuk, Syrijanow - Faysulin, Arschawin, Pogrebnjak
Schiedsrichter: Michel (Slowakei)
Zuschauer: 66.000 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Ribéry (18./Foulelfmeter/Nachschuss), 1:1 Lucio (60./Eigentor)
Gelbe Karten: - / Arschawin, Sirl, Faysulin, Ricksen
Glasgow Rangers - AC Florenz 0:0
(Rückspiele 1. Mai)
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, ddp, dpa, REUTERS
