Spielabbruch im DFB-Pokal

„Eine Katastrophe“ - Empörung nach Stuttgarter Skandalspiel

Opfer eines “gesellschaftlichen Phänomens“: Kai Voss

Opfer eines "gesellschaftlichen Phänomens": Kai Voss

26. Oktober 2006 Das Skandalspiel zwischen den Stuttgarter Kickers und Hertha BSC Berlin hat im deutschen Fußball für Empörung gesorgt und wird den schwäbischen Regionalliga-Klub teuer zu stehen kommen. Den mutmaßlichen Täter, der Linienrichter Kai Voss aus Großhansdorf mit einem gefüllten Hartplastikbecher am Nacken traf, hat die Polizei nach Ende des abgebrochenen Zweitrunden-Spiels im DFB- Pokal festgenommen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nahm an diesem Donnerstag die Ermittlungen auf. „Der Fall wird dem Kontrollausschuß unterbreitet“, sagte ein DFB-Sprecher.

Den Kickers drohen Geldstrafe und Platzsperre. Über die Spielwertung entscheidet nach einer DFB-Mitteilung das Sportgericht unter dem Vorsitz von Rainer Koch. Beide Vereine mußten noch an diesem Donnerstag eine Stellungnahme abgeben. Sanktionen gegen die Stuttgarter würde der Kontrollausschuß einleiten, indem er beim Sportgericht Anklage erhebt.

„Ein gesellschaftliches Phänomen“

Voss war in der 80. Minute zu Boden gegangen und einige Momente benommen. Er wurde noch auf dem Platz ärztlich behandelt. Sieben Minuten später erklärte Fifa-Schiedsrichter Michael Weiner die Partie beim Stande von 2:0 für die Berliner für beendet (Siehe auch: DFB-Pokal: Spielabbruch nach Wurfgeschoß). Voss mußte nicht ins Krankenhaus und konnte nach Angaben von DFB-Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel selbst nach Hause fahren. Weiner wollte sich nicht zu den Vorfällen äußern, weil es sich um ein schwebendes Verfahren handle. „Michael Weiner hat absolut korrekt gehandelt. Wenn das Spiel nicht abgebrochen worden wäre, hätte ich die Welt nicht verstanden“, sagte Strigel.

Bei dem Festgenommenen handelt es sich nach Polizeiangaben um einen 38 Jahre alten Stuttgarter. Hertha-Manager Dieter Hoeneß geht davon aus, daß die Begegnung zu Gunsten des Bundesligisten gewertet wird und nahm den Gegner in Schutz: „Der Verein Stuttgarter Kickers hat überhaupt keine Schuld. Das ist ein gesellschaftliches Phänomen, daß ein paar Wahnsinnige alles zerstören.“

Geldstrafe würde die Kickers hart treffen

Kickers-Präsident Hans Kullen und Trainer Robin Dutt sprachen von einer „Katastrophe“. „Das macht alles kaputt, was wir in den letzten drei Jahren hier aufgebaut haben. Das ist ein unglaublicher Rückschlag für den Verein“, sagte Dutt, der sich ebenso wie Kullen beim Schiedsrichtergespann entschuldigte. Der Kickers-Präsident kündigte zudem rechtliche Schritte gegen den Übeltäter an und forderte für ihn ein lebenslanges Stadionverbot. „Das hatte das Spiel einfach nicht verdient“, sagte Berlins Trainer Falko Götz. „Auch die Stuttgarter Mannschaft hat so einen Abgang nicht verdient.“

Dutt hatte noch auf dem Platz in ein Mikrofon gesprochen und versucht, die Anhänger zu beruhigen. Die Partie vor 10.500 Zuschauern im ausverkauften Gazi-Stadion war durch zwei Platzverweise für den Stuttgarter Moritz Steinle (44.) und Ellery Cairo (Hertha/63.) sowie einigen Rangeleien aufgeheizt. Solomon Okoronkwo (58.) und Yildiray Bastürk (74./Handelfmeter) hatten die Berliner in Führung geschossen (Siehe auch: DFB-Pokal: Überraschungen in Runde zwei - Skandal in Stuttgart).

Die finanziell nicht auf Rosen gebetteten Kickers fürchten nun, daß sie die etwa 200.000 Euro an Einnahmen aus den beiden Pokalspielen gegen den Hamburger SV und gegen Hertha gleich wieder als Geldstrafe verlieren. Eine Platzsperre droht, da der Verein wegen Zuschauerausschreitungen im Punktspiel gegen den 1. FC Saarbrücken am 16. September vorbelastet ist. Diese Partie wurde damals zwei Mal unterbrochen. Die Kickers mußten zusätzlich 3000 Euro Strafe zahlen.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: AP, ddp, dpa

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