Reinhold Fanz trainiert für die WM 2010

Fußball in Kuba, made in Germany

Von Knut Henkel

17. Juli 2008 Baseball und Boxen sind die Nationalsportarten in Kuba – nun wollen sich die Kubaner auch im Fußball für eine Weltmeisterschaft – 2010 – qualifizieren. Fußbälle sind in Kuba Mangelware, doch gekickt wird zwischen Havanna und Santiago de Cuba nahezu an jeder Ecke. Getreten wird alles, was rollt, vom Knäuel alter Socken bis zum verschlissenen Volley- oder Basketball.

Talente finden sich an der heruntergekommenen Prachtstraße Havannas, dem Prado, genauso wie am Strand von Guanabo. „Seit auch in der Schule gebolzt wird, ist das Niveau spürbar nach oben gegangen“, sagt William Bennett. Der Technische Leiter des kubanischen Verbandes und einer der besten Trainer Kubas datiert den Beginn des Booms auf die WM 1998.

Das erste Mal seit 1938

„Die wurde erstmals komplett übertragen und da sind wir auf den Geschmack gekommen“, sagt Bennet, der ein Jahr später die Mannschaft von Ciudad Habana zum kubanischen Meistertitel führte und später für die Nationalmannschaft zuständig war. „Seitdem träumen wir davon, uns auch mal für die Endrunde zu qualifizieren.“ Es wäre das erste Mal seit 1938. Damals in Frankreich mussten die Kubaner mit einem 0:8 gegen Schweden nach der zweiten Runde schon wieder nach Hause fahren.

„Aber in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 scheiterten wir nur aufgrund des Torverhältnisses an den Ticos aus Costa Rica“, sagt ein Fan im Parque Central von Havanna. Dort an der Esquina Caliente, der „heißen Ecke“, wird tagtäglich lautstark über Sport diskutiert und neuerdings auch über Fußball. „Die Ticos durften dann prompt das Eröffnungsspiel gegen die Deutschen bestreiten, was für ein Ärger“, sagt ein anderer. Nun setzt Kubas Verbandspräsident Luis Hernández Hérez, selbst ehemaliger Nationalspieler, auf einen deutschen Trainer, auf Reinhold Fanz. Das sei ein akribischer Arbeiter, so der 58 Jahre alte Hérez in einem Interview in der kubanischen Parteizeitung „Granma“. Im Januar unterzeichnete Fanz seinen Vertrag und leitete im März das erste Training im Estadio Pedro Marrero in Havannas Stadtteil Miramar.

„Wir müssen raus aus der Karibik“

Dass Fanz seinen Spielern schon einiges beigebracht hat, deuten die Ergebnisse der letzten Spiele im Rahmen der WM-Qualifikation an. 4:3 wurde das Team aus Antigua, in dem immerhin acht Profis aus den englischen Ligen spielten, im Juni im Auswärtsspiel niedergekämpft. Im Rückspiel im Estadio Pedro Marrero von Havanna ließ man den Gästen keine Chance.

Nach dem 4:0 war Fanz recht zufrieden. Im Offensivverhalten und in der Abstimmung der Defensive hat Fanz angesetzt und seiner Mannschaft obendrein Luftveränderung verordnet. „Wir müssen raus aus der Karibik, Erfahrung sammeln und gefordert werden“, sagt er. Dem ersten fünfwöchigen Trainingslager vom Mai in Süddeutschland folgt nun ein zweites mit Testspielen auch gegen Klubs aus den deutschen Bundesligen.

Wiedersehen mit alten Bekannten

Besonders interessant ist für Spieler und Offizielle die Partie beim FC St. Pauli an diesem Freitag – zur Eröffnung der neuen Südtribüne am Millerntor. Es wird ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Der FC St. Pauli absolvierte im Januar 2005 als erste deutsche Fußballmannschaft ein Trainingslager in Kuba und trat dort auch gegen die Selección an.

In Fanforen wird derweil schon über die Spielstärke der selbsternannten „Löwen aus der Karibik“ spekuliert. Derartige Fragen lassen Fanz nur schmunzeln. Für ihn spielt seine Mannschaft auf einem Niveau mit Costa Rica, Guatemala oder Trinidad & Tobago. „Klare Favoriten in unserer Region sind hingegen die Vereinigten Staaten und Mexiko.“ Den Platz hinter den beiden Fußballgroßmächten will Fanz mit seinem Team erobern.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, picture-alliance / dpa/dpaweb, picture-alliance/ dpa, picture-alliance/ dpa/dpaweb

 
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