Europapokal-Kommentar

Zum Kuscheln ab in die Bundesliga

Von Roland Zorn

Erfolg ohne Geld: Rosenborg Trondheim

Erfolg ohne Geld: Rosenborg Trondheim

08. November 2007 Bloß nicht auffallen, nur nicht den Meister herauskehren: Der VfB Stuttgart, der zu seiner eigenen Überraschung im Mai als Bundesliga-Bester ans Ziel kam, hat in der Champions League konsequent die Tarnkappe aufgesetzt. Mit schwäbischer Genügsamkeit ging beim internationalen Kräftemessen Spiel auf Spiel verloren, bis der VfB am Mittwoch, zwei Runden vor Schluss der Gruppenphase, alle europäischen Perspektiven aus den Augen verlor.

Ab sofort darf sich der deutsche Fußballmeister endlich und ausschließlich wieder daheim fühlen in der kuscheligen Bundesliga – wo die Zuschauer unverdrossen die Stadien füllen, die Qualitätsfrage nicht so streng gestellt wird und das Klassenbewusstsein eng begrenzt ist.

Zwölf Spiele, zwei deutsche Siege

Dass die Stuttgarter personell geschwächt und dazu reichlich unerfahren durch die Champions League stolperten, wird nach ihrer Bildungsreise durch unebenes Gelände bald nur noch eine Episode sein. Mit ihrer Naivität vis-à-vis dem europäischen Spitzentempofußball standen sie schließlich nicht alleine da.

Wo auch immer der VfB, Werder Bremen und Schalke 04 in dieser Champions-League-Spielzeit aufkreuzten, durfte die Gegnerschaft meist mit reicher Beute rechnen. Zwölf Spiele, zwei deutsche Siege, das ist die desaströse Wirklichkeit nach dem vierten Spieltag der „Königsklasse“, in der die Bundesliga-Repräsentanten den Part des Bettelmanns übernommen haben.

Vielleicht wird anderswo härter gekämpft

Warum nur so bescheiden, warum so armselig? Natürlich heißt es jetzt wieder reflexartig, dass die Bundesliga-Topklubs mit dem Geld der Großen aus der ersten englischen, spanischen und italienischen Fußballliga nicht gesegnet seien und dafür einen sportlichen Preis bezahlen müssten. Das stimmt auch, erklärt aber längst nicht alles.

In dieser ChampionsLeague-Serie spielt beispielsweise Rosenborg Trondheim bisher eine ausgezeichnete Rolle. Den Norwegern glitzernden Reichtum zu unterstellen wäre sicher wagemutig. Auch andere Vereine, die sich auf den besseren Tabellenplätzen ihrer Gruppen tummeln wie der FC Porto, Olympique Marseille, Olympiakos Piräus, Lazio Rom, Celtic Glasgow oder die Glasgow Rangers, repräsentieren nicht Europas De-Luxe-Kategorie. Vielleicht wird anderswo im Augenblick einfach nur härter gekämpft um die Chance weiterzukommen.

Dagegen hat Werder Bremen zum Beispiel seine Hoffnungen auf mehr mit Füßen getreten; dafür hat Schalke 04 ein torloses Remis gegen den FC Chelsea ein bisschen zu laut gefeiert; dafür hat Stuttgart seine Talente mit dem Hang zum Jugendfußball unter Erwachsenen verschleudert. Die deutsche Sehnsucht nach dem FC Bayern ist in dieser national verkorksten Champions-League-Saison groß. Ein Verein allein aber kann die Liga auf Dauer nicht voranbringen.

Wer jetzt nur über die fehlende Finanzkraft jammert, programmiert schon die nächsten Niederlagen. Der Geist von Trondheim, also der Eroberermut der Wikinger, täte den Besten der Bundesliga gut. Auch Standortnachteile können bis zu einem gewissen Grad kompensiert werden: mit Trotz, mit Stolz, mit Qualität im Kollektiv. Daran vor allem fehlt es diesem Bundesliga-Jahrgang auf Europas großen Spielfeldern. Deutsche Erfolge im Uefa-Pokal-Wettbewerb bieten nur billigen Trost und schon gar keinen Ersatz. Was längst nicht mehr 1a ist, kann mit dem Siegel 1b nicht aufgefangen werden.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Glück im Unglück: Schützen Sie sich vor den finanziellen Folgen eines Unfalls. Jetzt Unfallversicherungen vergleichen!

Nach dem 2:2 gegen Bolton

Hitzfeld kontert Rummenigge-Kritik

Ottmar Hitzfeld muss seine Entscheidungen verteidigen

Zum ersten Mal seit der Rückkehr von Ottmar Hitzfeld zum FC Bayern ist offener Streit über die Arbeit des Trainers ausgebrochen. Das Spiel gegen Stuttgart sei das „noch wichtigere Spiel“, sagte er zur Kritik von Karl-Heinz Rummenigge, er habe zu viele Spieler geschont.

Champions League

Deutsche Klubs so schlecht wie nie

Stuttgart: Vier Spiele, null Punkte

Nach zwei Dritteln der Gruppenspiele der Champions League steht Deutschlands Fußball-Eliteklasse so schlecht da wie nie zuvor. „Man muss sich ernsthaft Gedanken machen“, sagte Bundestrainer Löw. Franz Beckenbauer befürchtet, dass die deutschen Teams weiter an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.

0:2 gegen Everton

Nürnberg weiter auf Talfahrt

Hängende Köpfe bei den Club-Spielern

Beim Start in die Gruppenphase des Uefa-Cups verlor der Club mit 0:2 gegen den Favoriten FC Everton. „Diese Niederlage war absolut selbst gemacht“, bilanzierte Trainer Meyer - denn die Nürnberger hatten couragiert und offensiv gespielt.

Uefa-Pokal

Bayer Leverkusen erstarrt in Moskau

Zwei Elfmeter, zwei Tore: Adler lässt sich jeweils verladen

Bei Eisfach-Temperaturen hat Bayer Leverkusen im zweiten Gruppenspiel des Uefa-Cups eine 1:2- Niederlage gegen Spartak Moskau hinnehmen müssen. Zwei Strafstöße entschieden die Partie auf Kunstrasen.

Champions League

Das Debakel des deutschen Meisters

Thomas Hitzlsperger nach seinem verschossenen Elfmeter

Nach der vierten Niederlage im vierten Gruppenspiel ist der VfB Stuttgart in der Champions League gescheitert. Das 2:4 in Lyon bedeutet zudem, dass auch der dritte Platz in der Gruppe E und damit der Trostpreis Uefa Cup für den deutschen Meister nunmehr unerreichbar ist.

VfB-Sportdirektor Heldt im Interview

„Unser Niveau hat für diesen Wettbewerb nicht gereicht“

Horst Heldt: “Enttäuscht und verärgert“

Nach vier Spielen ohne Sieg ist der VfB Stuttgart in der Champions League gescheitert. Sportdirektor Horst Heldt im Interview über die Gründe für das Ausscheiden des deutschen Meisters und die Vorteile der europäischen Konkurrenz.

Champions League

ManU und Arsenal im Achtelfinale

Barcelona kann mit Thierry Henry für die nächste Runde planen

Ohne Jens Lehmann hat der FC Arsenal London gemeinsam mit dem englischen Rivalen Manchester United vorzeitig das Achtelfinale in der Champions League erreicht. Beste Chancen auf das Weiterkommen haben auch die spanischen Teams FC Sevilla und Barcelona.

Champions League

Noch ein Rekord mit Ewigkeitswert

Liverpools neuer Liga-Rekord: Acht Tore Unterschied

Vor zwei Jahren gewann der FC Liverpool nach 0:3-Rückstand noch das Finale. Diesen Dienstag schaffte es der Club von der Anfield Road als erstes Team, ein Champions-League-Spiel mit acht Toren Differenz zu gewinnen.

Das Europacup-Gespräch

„So gewinnen wir kein Spiel mehr“

An den Rand gedrückt: Werder Bremen in der Champions League

„Es spricht für ihn, dass er sich nicht den Gegner, sondern die Bande für die Aktion ausgesucht hat“, sagte Trainer Schaaf zum Platzverweis für Diego im Champions League-Spiel bei Lazio Rom. Sonst sprach nicht viel für Werder an diesem Abend.

Champions League

Schalke verpasst den Sieg gegen Chelsea

Der Verzweiflung nahe: Schalkes Trainer Mirko Slomka

Sie hatten genügend Chancen, aber trafen das Tor einfach nicht. Schalke kam in der Champions League gegen Chelsea nicht über ein torloses Remis hinaus. Die „Königsblauen“ sind damit Dritter ihrer Gruppe - haben aber doch noch Chancen auf den Einzug ins Achtelfinale. Mit FAZ.NET-Bildergalerie.

Champions League

1:2 - Bremen verliert bei Lazio Rom

Das 1:0 - Rocchi im Elfmeter-Nachschuss gegen Torwart Wiese

Jetzt wird es sehr schwer für Werder: Nach dem 1:2 bei Lazio Rom sind die Chancen, ins Achtelfinale der Champions League einzuziehen, gesunken. Rocchi traf doppelt, Diego war per Elfmeter erfolgreich - und sah dann Rot.

Champions League

Torfestival in Liverpool - Blamage für Valencia

Einer der Liverpooler Torschützen: Stürmer Peter Crouch

Überzeugende Frustbewältigung an der Anfield Road: Mit einem 8:0 ließ der FC Liverpool die schlechten Leistungen der vorherigen Spiele vergessen. Auch Milan siegte, während Valencia sich mit Timo Hildebrand gegen Trondheim blamierte.