Cristiano Ronaldo

CR9 steigt auf die Real-Erde hinab

Die neue Real-Ikone Cristiano Ronaldo

Die neue Real-Ikone Cristiano Ronaldo

07. Juli 2009 Es war groß. Es war schön. Es war voll. Und es besaß das ideale Mischungsverhältnis aus Popkonzert, Pilgerreise und kollektivem Freudentaumel, das man für solche Ereignisse braucht. Cristiano Ronaldo ist in Madrid gelandet. Er wird die Nummer 9 tragen und darf sich jetzt „CR9“ nennen. An einem heißen Tag im Juli stieg der teuerste Fußballspieler der Geschichte zu den Real-Fans auf die Erde hinab, streifte sich das weiße Trikot über, leistete eine Unterschrift, küsste das Wappen und animierte die mehr als achtzigtausend Anhänger im Estadio Santiago Bernabéu, mit ihm zu rufen: „Eins, zwei drei, hala Madrid!“ Selbst sein Agent, der mit dem 94-Millionen-Deal zwischen Manchester United und Real Madrid rund zehn Millionen Euro verdient hat, will gerührt gewesen sein.

Erst in einigen Tagen werden die Menschen wirklich begriffen haben, was da mit ihnen geschehen ist. Selbst als Diego Armando Maradona in Neapel anheuerte, kamen nicht so viele Fans. Das mediale Großereignis mit Menschenschlangen seit den frühen Morgenstunden und fünfhundert akkreditierten Journalisten gibt einen kleinen Vorgeschmack auf das, was von der „Florentino-Show“ in der nächsten Zeit zu erwarten ist: ein enormer Wirbel.

Der Wahnsinn von Santiago Bernabéu: Cristiano Ronaldos erste Schritte im Stadion von Real Madrid
Der Wahnsinn von Santiago Bernabéu: Cristiano Ronaldos erste Schritte im Stadion von Real Madrid

Spielerpräsentation als eigene Show

Gestammelte Heiratsanträge. Tausende entblößte Mädchenbäuche mit Piercings und roten Herzen für das Idol. Es tobt das totale Ronaldo-Fieber. Und bevor der vierundzwanzigjährige Portugiese, der bei Real neun Millionen Euro netto jährlich verdienen soll, auch nur ein einziges Tor geschossen hat, spricht schon niemand mehr vom grandiosen Sportjahr des Dreifachsiegers FC Barcelona. Die Barça-Vergangenheit war nur glänzender Fußball. Die Real-Zukunft verheißt die Apotheose des Starwesens, gewaltige Marketingeinnahmen und einen Hype ohnegleichen.

Es war auch der Abend von Florentino Pérez. Der alte und neue Vereinspräsident kam mit Cristiano Ronaldo, so wie er 2001 mit Zidane und 2003 mit David Beckham gekommen war. Dass der sportliche Ertrag dieser Verpflichtungen bestenfalls gemischt genannt werden kann, erwähnt man in diesen Tagen besser nicht. Um die symbolische Bedeutung des Starts in ein neues Zeitalter der Starvermarktung zu unterstreichen, lässt Pérez die Spielerpräsentation inzwischen als eigene Show inszenieren. Grünes Podium in mehreren Stufen, Riesenleinwand, auf der die Vereinsgeschichte abrollt, dröhnende Musikuntermalung und freier Eintritt für alle, bis kein Knopf mehr hineinpasst. Gut fünftausend hungrige Fans mussten die Veranstaltung draußen auf dem Bildschirm verfolgen.

Das große Ziel: Champions-League Finale im Bernabéu

Damit ganz klar wurde, wer auf diesem Planeten Fußballgeschichte schreibt, sekundierte beim feierlichen Akt nicht nur Reals Ehrenpräsident Alfredo di Stéfano, sondern auch die portugiesische Fußballlegende Eusebio. Alle sind davon überzeugt, dass jetzt große Zeiten anbrechen. „Guten Abend“, sagte Cristiano Ronaldo scheu, als er an der Reihe war. „Ich bin sehr glücklich darüber, dass sich ein Traum erfüllt, den ich hatte, seit ich Kind war: Spieler von Real Madrid zu sein.“

Ronaldo wirkte sympathisch, etwas unsicher und „sehr menschlich“, wie es am Morgen danach in der Sportpresse hieß. Er versprach den Fans, alles dafür zu tun, dass sein neuer Verein die spanische Meisterschaft und die Champions League gewinnt. Das würde passen. Im Mai 2010 wird das Finale der europäischen Königsklasse im Bernabéu-Stadion stattfinden, auf jenem Boden, den „CR9“ am Montagabend zum ersten Mal in seinem Leben betrat. Es sind große Ankündigungen, die da gemacht werden. Doch manche sehen Ronaldo noch längst nicht in seinem Zenit. Und das wäre tatsächlich eine großartige Nachricht.

Gelingt Pellegrini die Integration der Stars

Man darf die Begeisterung, die erzeugt wurde, nicht unterschätzen; man sollte sie aber auch nicht für mehr nehmen, als sie ist. Der neue Real-Trainer Manuel Pellegrini, von dem seit Wochen niemand mehr spricht, wird eine Menge Geschick brauchen, um Stars wie Kaká, Cristiano Ronaldo und Karim Benzema - der Neueinkauf aus Lyon wird seinen Soloauftritt am kommenden Donnerstag bekommen - in ein Mannschaftsgefüge zu integrieren.

Erster Fankontakt: Cristiano Ronaldo mit hässlicher Sonnenbrille

Erster Fankontakt: Cristiano Ronaldo mit hässlicher Sonnenbrille

Die schiere Masse großer Spieler, die schon die Real-Farben trugen, macht die konstante Umwälzung des Teams in diesem Verein zu einem gewöhnlichen Tagesordnungspunkt. Wer sich nicht durchsetzt, wird ohne viel Federlesen zur Hintertür wieder hinausgeschoben. Erst im vergangenen Jahr kamen Spieler wie Faubert oder Huntelaar, um eine schwächelnde Mannschaft zu verstärken. Der eine hat kaum eine ganze Partie bestritten, der andere durfte nur ein paar Mal zeigen, dass er ein torgefährlicher Strafraumspieler ist. Jetzt müssen beide gehen. Huntelaar wird von der spanischen Sportpresse mit dem VfB Stuttgart in Verbindung gebracht. Auch der holländische Nationalstürmer Arjen Robben wird sich Sorgen um seinen Platz machen müssen, ebenso wie Raúl, Higuaín und der lange verletzte Routinier Ruud van Nistelrooy. Kleinigkeiten, die im Augenblick niemanden interessieren.

Text: FAZ.NET mit sid.
Bildmaterial: AFP, AP, dpa-infografik, REUTERS

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