Von Roland Zorn, Berlin
20. April 2008 Nur Mut, das bekam Borussia Dortmund am frühen Sonntagmorgen auch musikalisch zu hören. Sasha, einer der bekanntesten deutschen Popstars, ist bekennender BVB-Fan. Der Westfale gab den lange geknickten Verlierern des Pokalfinales im Festsaal eines Berliner Hotels ein Extraständchen zum Mitsingen. "Never give it up" lautete einer der Songs zur Feiernachtschicht, die Mannschaft, Trainer, Geschäftsführung und Vorstand dann doch bei Laune hielten.
Auch Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte die schwarz-gelbe Anhängerschaft vor dem Mitternachtsbüfett auf Dur zu stimmen versucht. Die ehrenvolle 1:2-Niederlage nach Verlängerung gegen den Dauergewinner Bayern München hatte ja auch keinerlei Anlass zu ausgiebigen Selbstanklagen geboten. Nach der Woche der Schmach mit deftigen Bundesligapleiten in München (0:5) und daheim gegen Hannover (1:3) zeigten die Borussen ebenjene Qualitäten, die man von einem Pokalfinalteilnehmer erwarten darf: Hingabe, Kampfgeist und Courage.
Hoeneß: Ein außergewöhnlich respektabler Gegner
"Wir haben zwar den Pokal nicht geholt", rief Watzke unter großem Beifall aus, "waren aber mit einer Hand dran. Vor allem haben wir jede Menge Sympathien für Borussia Dortmund gewonnen und dabei gezeigt, dass wir in der kommenden Saison zu Recht in den Europapokal zurückkehren." So habe auch Bayern-Manager Uli Hoeneß den Auftritt der Westfalen gewürdigt, als er in die Kabine des BVB mit den Worten gekommen sei: "Ihr wart ein außergewöhnlich respektabler Gegner."
Ritterlich ging es zwischen beiden Teams nach einer hart geführten Auseinandersetzung zu, bei der die Borussen die etwas schlechtere Mannschaft waren. Petrics Treffer in der neunzigsten Minute hatte das Team von Trainer Thomas Doll noch einmal beflügelt, doch als der davor so umtriebige Pole Jakub Blaszczykowski in der 108. Minute die Gelb-Rote Karte von Schiedsrichter Kircher vorgehalten bekam, nachdem der Italiener Luca Toni Sekunden vorher das 2:1 für die Münchner geschossen hatte, war der Dortmunder Traum ausgeträumt.
Doll, der Trainer mit der Leidensmiene
Danach sah man in leere Spielergesichter und erlebte einen tiefenttäuschten Doll, der an diesem Samstag mit mehr zu hadern hatte als mit dem unglücklichen Scheitern von Berlin. Ein Nachrichtensender, N24, hatte tagsüber vermeldet, der in Dortmund längst umstrittene Doll werde zur neuen Saison durch den Mainzer Trainer Jürgen Klopp ersetzt. An dieser Meldung sei nichts dran, versicherten alle, auf die es beim BVB in Sachen Personalpolitik ankommt. Trotzdem tragen solche Spekulationen zusätzlich dazu bei, einem leitenden Angestellten wie Doll den Tag vermiesen zu können. "Ich finde das respektlos", sagte der Trainer mit Leidensmiene, "ich muss damit leben und werde meinen Weg weitergehen. Alles andere interessiert mich nicht."
Die Rückeroberung des Dortmunder Selbstwertgefühls in diesem Pokalfinale muss gewiss nicht mit einer Arbeitsplatzgarantie für Thomas Doll bis über das Saisonende hinaus verbunden sein. Dazu verlief die Meisterschaftssaison für den Tabellen-Dreizehnten, der als Pokalfinalverlierer am kommenden Uefa-Cup-Wettbewerb teilnehmen darf, einfach zu enttäuschend.
Torwart Ziegler sieht eine zusammengeschweißte Mannschaft
Eben weil die Schwarz-Gelben die Bayern in Berlin beinahe am Siegen gehindert hätten, forderte Watzke seine kickende Belegschaft dazu auf, nun auch in der Bundesliga endlich zu zeigen, "wie gut ihr eigentlich seid". Vielleicht kommt das Signal ja noch rechtzeitig vor Ultimo an, zumal Torwart Marc Ziegler hervorhob, dass die jüngste Krise die Mannschaft "zusammengeschweißt" habe.
Der Lackmustest auf diese Behauptung folgt am Freitag in Frankfurt. Dann geht es bei der Eintracht "nur" um Punkte für den Pokalfinalteilnehmer. Er wird sich daran messen lassen müssen, wie er die Rückkehr in den aus Dortmunder Sicht bisher meist mausgrauen Alltag meistert. Erfüllen die Borussen Watzkes Vorgaben nicht, ist Berlin schnell vergessen und könnte Doll bald auf gepackten Koffern sitzen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, ddp