05. Dezember 2007 Wie Fußballer aussahen, hat früher keinen interessiert. Die Größten des Spiels waren nie die Schönsten: klein und rundlich wie Müller oder Maradona, pummelig wie Puskas, mit Plattfüßen wie Pelé, Säbelbeinen wie Garrincha oder Hasenzähnen wie Ronaldo.
Noch unwichtiger war, was Kicker auf dem Kopf hatten. Viele frühe Helden trugen frühe Glatzen: Matthews und Charlton, Sindelar, Seeler und di Stefano, auch Zidane. Und wo dann doch ab und zu männliche Eitelkeit durchbrach, dann eher schamhaft und stets scheiternd.
Es kann den Einsatz von anabolen Steroiden verschleiern
Erst nun hat sich ein Großer des Fußballs in der Angst ums Aussehen, im Kampf um den schütteren Schopf verstrickt – zumindest wenn man seiner eigenen Beteuerung folgt. Romario, der vielleicht letzte Instinktfußballer Brasiliens, der Mann, der die Seleção 1994 zum WM-Titel schoss, ist mit 41 Jahren immer noch aktiv. Doch muss er nach einer positiven Doping-Probe ein unrühmliches Karriereende fürchten. Romario erklärt den Fund nicht mit einer verbotenen Leistungssteigerung, sondern mit der Einnahme eines Haarwuchsmittels.
Es geht hier nicht um jenes koffeinhaltige Produkt, das noch während der Tour de France 2007 mit dem Slogan Doping für die Haare“ warb, sondern um ein Mittel, das die Substanz Finasterid enthält. Sie wirkt zwar nicht leistungssteigernd, kann aber den Einsatz von verbotenen Mitteln, etwa anabolen Steroiden, verschleiern.
Ehrgeiz ergraut nicht
So landete sie 2005 auf der Doping-Liste, was in den ersten Monaten des Verbots bei noch ahnungslosen Sportlern zu positiven Proben führte. Dem Wasserballer Tobias Kreuzmann, dem Basketballer Chris Anrin, dem Tänzer Simone Segatori oder dem Zweitliga-Kicker Nemanja Vucicevic trug der Kampf gegen die Glatze als Kollateralschaden milde Sperren von einigen Monaten ein.
Wie glaubwürdig kann die Behauptung einer gutgläubigen Einnahme der Substanz heute, fast drei Jahre nach Eintrag auf der Doping-Liste, noch wirken? Gegenfrage: Wer wäre so blöd, sich im urgroßväterlichen Profialter von fast 42 noch zu dopen? Nun, vielleicht gerade dann. Ehrgeiz ergraut nicht, schon gar nicht schwindet er mit dem Haupthaar.
Einen Meilenstein für Brasilien
Wie sehr das Feuer in Romario noch lodert, bewies die Energie, mit der er Anfang des Jahres auf sein tausendstes Karrieretor hinarbeitete. Dabei rechnete er jede Prominenten-, Benefiz- und Jugendpartie ein, ja sogar jedes Trainingsspiel. So gelang es ihm, dank kreativer Buchführung im Mai per Elfmeter das selbst erklärte Tausend vollzumachen.
Einen Meilenstein für Brasilien“ und einen historischen Moment für den Weltfußball“ nannte es der Schütze. In all der Bescheidenheit, die aus diesen Worten spricht, vergaß er auch nicht, einen wichtigen Helfer zu rühmen: Es war Gott, der wollte, dass heute das Tor fällt.“ Dieser allseits beliebte Mitspieler wird wohl auch als Einziger wissen, ob Romario nicht nur beim Haarwuchs und bei der Torstatistik ein wenig nachhalf.
Text: F.A.Z.
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