21. Mai 2008 Oliver Schmidtlein ist Fitnesstrainer der Fußball-Nationalmannschaft, nach der EM wird er zusammen mit Jürgen Klinsmann beim FC Bayern arbeiten. Aber Schmidtlein trainiert nicht nur mit Profis, er hat in diesem Monat auch sein eigenes Studio in München eröffnet, wo er seine Erfahrungen in Fragen der Fitness, Ernährung und Therapie auch an Freizeitsportler weitergibt.
Was kann man als Hobbysportler durch die richtige Ernährung seinem Körper noch Gutes tun?
Es gibt einen Grundsatz, den man immer im Kopf behalten sollte: Wer sein Gewicht kontrollieren will, kommt am Thema Ernährung nicht vorbei. Wenn man sieht, wie viel man sich bewegen muss, um 500 Kalorien zu verbrennen, dann merkt man, wie beschwerlich das ist. Ein arbeitender Mensch hat eigentlich nicht mehr als eine Stunde am Tag Zeit für Sport - und um 500 Kalorien abzunehmen, muss man in dieser Stunde schon ordentlich was tun.
Viele Hobbysportler trainieren nach ausgeklügelten Trainingsplänen - wie viel kann man denn mit einem optimalen Ernährungsplan herausholen?
Es ist gar nicht so einfach für Freizeitsportler, eine vernünftige Ernährungsberatung zu bekommen. Es ist daher mein Ziel, dass Hobbysportler Zugang zu einer individuellen Beratung finden, nicht nur Profis. Es gibt zwar ein paar allgemeingültige Ratschläge, aber Ernährung muss immer individuell abgestimmt werden - auf Körperkomposition, auf persönliche Ziele und Aktivitäten.
Wie sieht dann zum Beispiel ein optimales Frühstück für einen Freizeitsportler aus?
Das wichtigste Stichwort ist Ausgewogenheit. Bei allen einseitigen Diäten erkauft man sich einen Vorteil mit einem Nachteil. Ein großes Thema sind derzeit Diäten, bei denen man auf Kohlehydrate verzichtet. Wenn aber Menschen gerade wieder in den Sport einsteigen, dann muss man solche Diäten ablehnen. Wer trainiert, muss seinem Körper möglichst hochwertigen Brennstoff zur Verfügung stellen. Wer dann morgens etwa auf Müsli verzichtet, wird Gefahr laufen, sich im Laufe des Vormittags irgendeinen Riegel reinzuschieben, der weit schlechtere Kohlehydrate hat. Man muss nämlich seinen Muskeln Kohlehydrate zur Verfügung stellen, um die Speicher wieder zu füllen - aber in kontrollierter Weise. Ein ausgewogenes Frühstück beinhaltet demnach eine gute Menge an Kohlehydraten, idealerweise kombiniert mit Eiweiß. Das sättigt und verhindert, dass man zu viele Kohlehydrate zu sich nimmt.
Was sollte man zum Beispiel vor und nach einem Training über eine Stunde zu sich nehmen?
Ziel ist es, während des Trainings Energiereserven aufzubrauchen und sie hinterher vernünftig aufzufüllen. Im Studio sollte man daher nicht während des Trainings an diesen Süßgetränken rumnuckeln, besser sind Wasser und isotonische Getränke. Danach ist eine Apfelschorle in Ordnung.
Bei der Nationalmannschaft stehen Essen und Getränke direkt nach dem Spiel griffbereit in der Kabine - greifen die Spieler zu?
Das tun sie. Wir nennen das "Nutrition Timing". Es kommt nämlich nicht nur darauf an, was ich esse und trinke, sondern auch wann. Das kann man auch als Freizeitsportler beherzigen. Nach einer Stunde intensivem Sport empfiehlt es sich, etwas zu sich zu nehmen, bevor man zum Beispiel das Studio verlässt. Das verkürzt die Regenerationszeit. Das Ernährungsfenster im Körper ist direkt nach dem Training weit geöffnet - ungefähr 90 Minuten. Dabei gilt: je früher, je besser. Gut geeignet sind fettarme Protein-Shakes mit wenig Zucker.
Was bringt optimale Ernährung im Fußball?
Das ist schwer in Zahlen zu fassen. Es liegt irgendwo zwischen zehn und 30 Prozent.
Ernährungsberater gehören aber nicht zum Betreuerteam der Nationalmannschaft. Wie wird das gelöst?
Es gehen die Erfahrungen von "Athletes Performance", der Firma von Mark Verstegen, ein. Wobei wir die nordamerikanischen Produkte teilweise nicht verwenden konnten, weil sie nicht zugelassen sind. Ansonsten gibt es enge Absprachen von dem bei uns auch für Ernährungsfragen zuständigen Arzt Tim Meyer mit dem Koch Holger Stromberg, der unsere Wünsche erfüllt und auch eigene Schwerpunkte setzt.
Worauf sollten Nationalspieler in der Vorbereitung verzichten?
Fettes Fleisch gibt's nicht. Bechamel-Sauce gibt's nicht. Schweinefleisch nur ganz selten. Und was gar nicht geht: Pizza einen Tag vor dem Spiel.
Warum ist es schwieriger, seine Ernährung umzustellen, als regelmäßig zu trainieren?
Das ist eine Frage des Wissens. Je besser Spieler informiert sind, desto eher achten sie auf eine ausgewogene Ernährung. Sportler erfahren in der prägenden Phase zwischen fünf und zwanzig Jahren eigentlich nichts über Ernährung. Es wird wohl keinen Profi geben, der schon einmal von einem Trainer oder Betreuer einen Vortrag über Ernährung gehört hat. Nur diejenigen, die sich selber informiert haben, wissen etwas über den Nutzen von ausgewogener Ernährung.
Das Gespräch führte Michael Horeni.
Text: F.A.S.
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