18. Juli 2008 Eine Kooperation mit den Sportverbänden soll den deutschen Brauereien zu einem politischen Erfolg verhelfen. Mit diesem geplanten Doppelpass“ wollen die Brauer verhindern, dass Bierwerbung künftig erschwert und dass Sportsponsoring durch Brauereien verboten wird.
Nach Gesprächen mit dem Deutschen Fußball-Bund und dem Olympischen Sportbund wissen wir, dass man dort um die Finanzen der vielen tausend Vereine fürchtet, wenn Sportsponsoring untersagt wird“, sagte der Geschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, Peter Hahn, der F.A.Z.
Werbebeschränkungen und Warnhinweisen
Die Sorge der Vereine scheint nicht unbegründet, denn jährlich fließen etwa 400 Millionen Euro an Vereine und Sportveranstaltungen. Das ist nach Angaben von Hahn ein ähnlich hoher Betrag, wie er in die Bierwerbung gesteckt wird. Nach dem Tabak ist nun aber der Alkohol ins Visier der Politik geraten. So hat der Drogen- und Suchtrat wegen der zunehmenden Alkoholexzesse unter Jugendlichen nicht nur Werbebeschränkungen empfohlen, sondern auch Einschränkungen für den Abendverkauf an Bahnhöfen und Tankstellen.
Ferner wurden Warnhinweise auf Alkoholika und höhere Alkoholsteuern vorgeschlagen, um gerade den Konsum durch Heranwachsende zu verringern. Die Warnhinweise sollen jedoch, anders als bei Zigaretten, vorerst nicht alle Konsumenten warnen, sondern zunächst nur Schwangere auf Gefahren für das Kind hinweisen.
Der Brauer-Bund rechnet damit, dass sich das Kabinett im Oktober mit den Vorschlägen der Drogenbeauftragten Sabine Bätzing (SPD) befassen wird. Wir vermuten, dass man zunächst nicht mit Gesetzen eingreifen, sondern auf freiwillige Selbstbeschränkungen der Wirtschaft setzen will“, sagte Hahn. Er verwies darauf, dass auch in der SPD-Fraktion neue Verbote und höhere Alkoholsteuern heute wohl keine Chancen hätten.
Brauereien gegen Flat-Rate-Parties
Die Brauer stimmen mit der Drogenbeauftragten überein, den Alkoholmissbrauch durch Kinder und Jugendliche zu unterbinden. Werbeverbote nützen dabei jedoch nichts“, sagt Hahn und verweist darauf, dass in Deutschland trotz steigender Werbeausgaben der Pro-Kopf-Konsum von Alkohol seit Jahren sinkt. Jugendliche vom Rauschtrinken abzuhalten ist eine gesellschaftliche Aufgabe, an der sich neben den Eltern, Schulen und Gastronomen auch die Brauer beteiligen wollen.“
So empfiehlt der Verband neuerdings den Brauereien, in ihre Lieferverträge ein Sonderkündigungsrecht einzufügen, falls Gastronomen für Flat-Rate-Parties“ werben. Nach Erkenntnissen des Drogen- und Suchtrats hat der frühe und riskante Alkoholkonsum unter Kindern und Jugendlichen deutlich zugenommen. Ihr Pro-Kopf-Konsum stieg in den vergangenen zwei Jahren um fast 50 Prozent auf 50,7 Gramm Alkohol in der Woche. Die Zahl der Jugendlichen, die mit einer Alkoholvergiftung in Krankenhäuser gebracht wurden, verdoppelte sich.
Text: F.A.Z., km.
Bildmaterial: AP