22. November 2005 Nach dem Skandal im WM-Qualifikationsspiel zwischen der Türkei und der Schweiz überlegt Fifa-Chef Joseph Blatter, risikoreiche Spiele generell auf neutralem Boden austragen zu lassen. Außerdem erwägt der Präsident des Fußball-Weltverbandes (Fifa), auf das Abspielen von Nationalhymnen zu verzichten.
Das war eine derartige Respektlosigkeit und eine Verletzung des nationalen Stolzes. Ich frage mich, ob es überhaupt noch Sinn macht, Nationalhymnen abzuspielen, sagte Blatter der Schweizer Illustrierten nach den Pfiffen vor den Spielen in Bern und Istanbul. Wenn sich Nationalismus sowie Leidenschaft und Emotionen paarten, entstehe offenbar eine explosive Situation, meinte der Schweizer.
Entscheidung ohne Druck
Knapp eine Woche nach den Attacken gegen Schweizer Spieler beim WM-Relegationsspiel in Istanbul ist der türkische Co-Trainer Mehmet Özdilek zurückgetreten. Er habe seine Entscheidung ohne Druck nach einem Gespräch mit Nationalcoach Fatih Terim getroffen, sagte Özdilek dem türkischen Nachrichtensender NTV. Özdilek hatte einem der Schweizer Akteure, die nach dem Abpfiff in die Kabinen gerannt waren, ein Bein gestellt und damit die anschließende Randale in den Stadion-Katakomben ausgelöst.
Der Präsident des türkischen Fußball-Verbandes, Levent Bicakci, wies dagegen Rücktrittsforderungen zurück. In einer Reaktion auf Sportminister Mehmet Ali Sahin erklärte Bicakci, die Kritik des Ministers habe sich nicht gegen den Fußball-Verband gerichtet. Sportliche Erfolge seien wichtig, hatte Sahin gesagt, doch niemand habe das Recht, das Ansehen der Türkei zu beschädigen. Wenn erfolglose Verbandspräsidenten nicht zurücktreten, werde ich das Nötige tun, zitierten türkische Medien den Sportminister.
Fifa-Anhörung Ende November
Die Fifa hat derweil Funktionäre und Spieler beider Länder für Ende November nach Zürich geladen. Dann sollen die Verbandsvertreter, die Nationaltrainer beider Teams und die Spieler angehört werden, die sich an den Krawallen beteiligt hatten.
Dazu gehören auf türkischer Seite Abwehrspieler Alpay Özalan (1. FC Köln), Torwart Volkan Demirel und Emre Belözoglu. Auf Schweizer Seite sind es die Bundesliga-Profis Benjamin Huggel von Eintracht Frankfurt, Raphael Wicky vom Hamburger SV sowie Johann Vogel, Valon Behrami und Stephane Grinchting. Blatter hatte der Türkei nach dem Skandalspiel Strafen bis hin zum Ausschluß des Verbandes von internationalen Partien angedroht.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: AP